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Siebenter Band.
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Die Wissenschaft der Nationalökonomie. 115

lichen Begründung erhob: unbeschränkte Freiheit des Erwerbs im Innern eines Lan-des und Freiheit für den auswärtigen Verkehr, weil sich nur so, durch die freie Con-currenz Aller in Angebot und Nachfrage, die Marktpreise immer mehr mit dennatürlichen Preisen gleich, d. h. so billig als es möglich sei, herausstellen würden.Sei auch für den Privaterwcrb der einzige Sporn der Egoismus des Einzelnen, sosei doch die überall freie Wirksamkeit desselben die beste und kürzeste Bahn zur Ver-wirklichung des Gemeinwohls; und die Thätigkeit der Regierungen müsse sich zumBesten des Landes aus die Beseitigung aller Hemmnisse der Handelsfreiheit und derfreien Concurrenz in den Gewerben beschränken. Smith stellt damit den Privat-egoismus nicht nur als den mächtigsten Hebel des öffentlichen Reichthums hin, son-dern er macht ihn sogar auch zu einer sittlichen Macht, indem er durch die unbe-schränkte Entfaltung desselben das Gemeinwohl Aller am besten verwirklicht sieht.Ganz consequent spricht er sich am entschiedensten für das Gewährenlasscn der eigen-nühigen Privatthätigkeitcn auf allen Gebieten der inländischen Arbeit aus. Indessenverlangt er nicht, wie man meist annimmt, unbedingt Handelsfreiheit, sondern erklärtin gewissen Fällen Beschränkungen derselben für angemessen: so, wenn die Entwickelungeines einzelnen Industriezweigs für die Sicherheit des Landes unerläßlich ist; wenndie inländischen Erzeugnisse eines Industriezweigs mit einer Steuer belegt sind; wennzu erwarten steht, daß durch Nctorsionszölle das Ausland zur Wiederherstellung derHandelsfreiheit genöthigt werde; wenn ein bestimmter Industriezweig durch Zölleentwickelt worden ist und durch eine sofortige Einführung der Handelsfreiheit zuGrunde gerichtet würde. Während Smith damit eine Einwirkung der Zölle aus dieEntwickelung der inländischen Industrie zugibt, vertheidigt er zugleich die englischeNavigationsacte als eine sehr weise Handclsverordnung. Er glaubt jedoch, daß eineNation im Weltverkehr eine um so größere Rolle spielen werde, je größer ihre na-türlichen Hülssquellen seien und je freier und naturgemäßer sich dieselben herangebil-det haben.

Wirkung des Smith'schen Systems auf das Leben; Beurtheilung desselben.

Es ist fast unmöglich, anders als annäherungsweise die Größe der Einwirkungzu bestimmen, welche die Lehren Adam Smith's auf das Leben ausgeübt haben.Einerseits darf man nicht vergessen, wie dieses merkwürdige Buch so sehr in derZeit, in der es erschien, wurzelte, daß cS gewissermaßen nur den Geist enthüllt,der die äußern Gestaltungen des Lebens schuf; daß cS das Wort ist, welches bis inder Tiefe bereits waltenden elementaren Kräfte an das Sonnenlicht stellt und demBewußtsein der Zeitgenossen gegenständlich macht. Deshalb ist die riesige Entfaltung,welche seit dem Erscheinen jenes BuchS die moderne Industrie und die sie beseelendeGcldwirthschaft zeigt, mit ihrem ganzen, an die in allem wohlthätig waltende freiePrivatkraft glaubenden Katechismus und dessen dogmatischen Formeln, das Sclfgv-vernment im Güterleben, auch im Entwickelungsgang der neuesten Zeit an sich gele-gen gewesen, und der Anstoß und die Richtung ist deshalb nicht eine That dcS ge-nialen Schotten. Auf der andern Seite aber stellt sich doch in der Geschichte dieüberall bewährte Erfahrung heraus, daß die Lehre und die Begründung AdamSmith s den Stützpunkt, die Argumentation bot, welche die aus der Gewißheit derinnern Überzeugung hervorgehende begeisterte Thatkräftigkeit in Auen erwirkte, welchedie Eiementarkräfte der Zeit entfesseln half und in allen Gebieten nnd Lebensformendie widerstrebenden Gestaltungen der frühern Zeit zu beseitigen suchte. Die poli-tische Ökonomie verband sich mit den, humanitären und christlichen Sinn gegen dieSklaverei und die Reste der Leibeigenschaft, indem sie die ökonomische Schädlichkeitderselben nachwies. Aus gleichem Gesichtspunkte vernichtete sie das Zunft- und Jn-nungswesen, indem sie die naturrechtlichc Federung, daß es Jedem gestattet seinmüsse, durch eigene Kraft in selbstgewähltcr Anwendung sich ehrlich zu ernähren,unterstützte. Als eine Folge der Concession des freien GcwcrbetricbS stellt sich das