Die Wissenschaft der Nationalökonomie. 123
welche im Parlamente über die Lage der Arbeiter, die Folgen der Maschinenanwen-dung und dergleichen Verhältnisse stattfanden, wurden von einer zu steigender Wich-tigkeit sich erhebenden literarischen Discussivn vorbereitet und begleitet. Allerdingsist auch noch in der neuesten Zeit, auch jetzt noch, und zwar den mit Sorgfalt vonden verschiedensten Seiten her ermittelten Lebensverhältnissen selbst gegenüber, für dasverständliche Schweigen der Smith'schen Schule, beziehungsweise für ihr Achselzuckenüber sociale Nothwendigkeiten, eine beredte positive Ausführung über das für dasWohlsein Aller unbedingt wohlthätige Resultat der modernen Industrie eingetreten;ja es folgte sogar auf die zwar sehr entschiedene aber auch sehr verständige Verthei-digung des Charles Babbage („tzlanukaclurcs aml macinncr^ ol 6rcal-Lrit:iin",Land. 1833; deutsch von Friedcnberg, Berl. 1833) bald der enthusiastische Lobgcsangdes Doctor Ure („Hie pinlosopl,^ »f manukaclurss, or a» exposilion ol tl>c saicn-lilic, mvral anck oommsroial oeonomy ol tlic t'actor^ System ol Orvat-Itritain",Lond. 1835; deutsch von Diezmann, Leipz. 1817), und beide Männer haben in derdarauf folgenden Zeit nicht wenige Nachfolger gehabt. Allein wie das Parlamentfactisch in vielen seiner Beschlüsse die Annahme von einer naturnothwendigen Erwir-kung des Guten an allen Stellen und unter allen Umständen durch das Gcwährcn-lassen der freien Concurrenz und die unbedingte Entfesselung dcS Privategvismns zu-rückwies, so hat sich auch in der literarischen Entwickelung der nationalökonomischcnWissenschaft insofern bereits selbst in England ein theoretischer Umschwung angekün-digt, als nicht nur zu Gunsten der Arbeiter und Armen die wirthschaftliche Berech-tigung mancher einzelner Federungen nachzuweisen versucht ward, welche auf demGrunde der Smith'schen Doctrin nicht emporkommen können, sonder» als auch inder Zugrundelegung der allgemeinen Wohlfahrt (social xvollarc) statt des öffentlichenReichthums (comwon rvealtk) für die Argumentationen der nationalökonomischcnTheorie ebenso sehr eine Ablenkung von den Smith'schen Pfaden liegt, wie schon inder starken Betonung der Untersuchungen über die Vertheilung des Reichthums ansich. Schon der durch mehre werthvolle Flugschriften und einen „k8s>>^ o» llwprockuLtivn ol xvvaltll" (Lond. 1821) rühmlich bekannt gewordene N. Torrcns hattedeshalb seinem Lehrmeister Ricardo gegenüber die Stelle eines Eklektikers eingenom-men. Mit voller Entschiedenheit aber stellte sich Poulett Scrope („principlcs ol ,m-lilloal econom^, ciockuccck lrom tlis natural laxvs ol social xvcltaro ainl ap>>Iicil to>I>6 Prosen«. stals vk Lritain", Land. 1833) in die der Smith'schen Schule fremdenErörterungen, bekämpfte die Argumentationen und die Resultate des Malthus, undsehte von einem der Smith'schen Schule widerstrebenden Gesichtspunkte aus die Eü-tererzcugung in feste Beziehung zu den Interessen der arbeitenden Classe». Nebenihm sind in derselben Beziehung insbesondere noch hervorzuheben: N. Jvnes, „OnUm ckislribulion ol xvvaltli" (Lond. 1831; 2. Aust., Lond. 1815), und Harnet Mar-tineau, „Illustrations ok political oconomz'" (Lond. 1832 fg.).
Die Schule Adam Smith'S und die Verneinung derselben in Frankreich.
Auch in der Auffassung und Verarbeitung der wissenschaftlichen Disciplinen beiden einzelnen Völkern läßt sich leicht die Einwirkung des nationalen Charakters wahr-nehmen; und gerade weil er eine allgemeine Gruppirung bildet, habe» auch wir ihm» schon durch die Eintheilung dieser Darstellung Beachtung gewidmet. Die Entwickelungdieser nationalokonomischen Wissenschaft auf französischem Grund und Boden zeigt sehrentschieden die Einwirkung eines nationalen Factors. Nur höre man nicht, wen»man ihm nachgeht, aus die lch^lustigc», etwas ruhmseligcn Nachbarn selbst; sie er-zählen gleich, daß die politische Ökonomie in Frankreich begründet und später in ihrerhöchsten Vollendung entwickelt und begriffen sei: so werde sie die Runde durch dieWelt machen. Wir machen hier namentlich aufmerksam auf die Gewandtheit derExposition und das Gefällige der Darstellung, welche dem gebildeter« Franzosen eigen-chümlich ist; auf das bei jeder Gelegenheit hervortretende Streben, in allen Lebens-formen die Gleichheit Aller zu verwirklichen, eine Gleichheit, die in Frankreich mehr