1Z2 Die Wissenschaft der Nationalökonomie.
A. Gcnovesi, für den ein Privatmann den 'ersten speciell nationalökonomischen Lehr-sinhl (für Handclswisscnschaft und Mechanik) in Europa gründete. Durch seine Lehr»thatigkcit entstanden die „l.e,.i»iii «>i commcrcio osia äi ccouomis civile" (Bassano176-1), nachdem er 1754 die Reihe seiner „Opusculi 6, cconomu," begonnen hatte.Er behandelt die Nationalökonomie als ein großes Ganze, freilich untermischt mitvielen fremdartigen Dingen, steht die Arbeit als das Capital der Nationen an, be-handelt speciell den Landbau, die Gewerbe und den Handel als die Quellen des Wohl-standes, weist die Vorzüge der Gewerbe nach, obschon er ihnen die erzeugende Kraftabspricht, ist in Bezug auf den Handel Mercantilist, verlangt aber freien Getreidehan-del, freien Geldzins, und erklärt sich gegen die todte Hand, die Fideicommisse u. s. w.,als Hemmnisse der Bevölkerung-zunahme. Cesare Beccaria schrieb 1769—71 in Mai-land seine „Derioni <li economis pubdlics", in welchen er zwar mit den Physio-kratcn die Productivität der Gewerbetreibenden bestritt, aber noch vor Smith das Prin-cip der Arbeitstheilung, sei eS, daß er eS bei Platvn und Aristoteles fand oder auseigener Einsicht, geltend machte, ja sogar nicht blos auf die einzelnen Fabrik- sondernauch auf die verschiedenen Erwerbsstände ausdehnte. Außerdem untersuchte er, wieSmith, die Frage: von welchen Bedingungen der Preis der Handarbeit abhänge,und entwickelte zuerst die gütererzeugende Thätigkeit der Capitale. Als Centralpunkkder Volkswirthschast sah er an: „nicht die größte Menge der Arbeit überhaupt, son-dern die größte Menge der nützlichen Arbeit, d. h. jener Arbeit, welche die größteMenge der in den Handel kommenden Erzeugnisse liefert." Daneben gibt dieser be-deutende Denker eine Menge wichtiger Winke über einzelne praktische Verhältnisse.Die Anerkennung auch seiner Bedeutsamkeit für die Geschichte der Nationalökonomieist durch das aphoristische Gepräge, den Mangel einer bestimmten Ausscheidung fremd-artiger Stoffe und einer klaren Ordnung in der Exposition ungebührlich geschmälertworden. Auch Bcccaria'S Freund, Pietro Verri, war in mancher Beziehung einVorläufer Adam Smilh's, indem er insbesondere auch den nachtheiligen Einfluß einespositiven Eingreifens der Regierungen in die wirkhschaftlichen Verhältnisse nachzu-weisen suchte („sloäitaricnn sull' oconomia politica", Mail. 1771), nur daß er indem internationalen Handel einen verständigen Schuh für die einheimische Industrieverlangte. Merkwürdig ist, daß er in einem kleinern Schriftchen von 1769 die Ur-sache der wirthschaftlichcn Beschränkungsgcsetze auf das Römische Recht zurückführte.Seine „Opcrs kilosokicils cä cccmomiclic" sind neuerdings in zwei Bänden (Mail.18-15) herausgegeben worden.
Originell ist in vieler Beziehung Giammaria Ortes; insbesondere hatte er schonlange vor MalthuS ähnliche Gedanken über die Bevölkerung, wie Dieser, ausge-sprochen. Auch OrtcS geht („Delta cconomia narionals libri 6", 3 Bde., Vencd.1774) von einer fatalistischen Betrachtung auS, indem er auf die vergeblichenBemühungen, die Vermögcnsunglcichheit unter den Menschen zu beseitigen und dieSumme der gesellschaftlichen Güter zu vermehren, hinweist. Letztere hängt ab vondem Bedürfnisse eines Volks im Ganzen, steigt und mindert sich nur mit der Be-völkerung; in der ungleichen Vertheilung hat der Reiche stets nur DaS, waS demArmen fehlt, und die Bereicherung der Einen findet immer auf Kosten Andererstatt. Weil daS Nationalcapital, die sämmtlichen Verzehrbaren Güter, immer undnothwendig im Verhältnisse zur Bevölkerung steht, so sollen sich die Regierungen indie wirthschaftlichen Verhältnisse gar nicht einmischen; der Verkehr unter den Ratio-ncn soll frei sein. Beschränkungen des Verkehrs aus Rücksicht auf die Handelsbilanzentstehen aus dem falschen Vergleiche einer Nation mit einem Individuum; jedeKation gewinne in, freien Verkehr gleich viel. Die Armen und Arbeitloscn sind dieunvermeidliche Begleitung der Reichen und Beschäftigten (was dem Einen fehlt,hat der Andere), und Hülfe ist nicht sowol durch Arbeit für die Arbeitloscn zuschaffen als durch Minderung der lucrativen Thätigkeit der Reichen und Beschäftig-ten. Nicht aus die Masse des Reichthums, den alle Volkswirthschaftslehrer durchihre Vorschlage begünstigten, komme «s an, sondern auf dessen günstige Vertheilung.