Die Wissenschaft der Nationalökonomie. 131
immer berühmt war durch das schlechteste Geld und durch die besten Werke überdie Münzen"; daher kommt es, daß die meisten und bedeutendsten volkswirthschast-lichcn Schriftsteller in den anr schlechtesten regierten Staaten auftraten; daher kommt,was kein Widerspruch ist, der expansive und kosmopolitische Charakter der italieni-schen Nationalökonomie. Ohne Liebe zu den einheimischen Institutionen der Regie-rungen, arbeiten die Italiener auch nicht für sie, sondern am liebsten für rein ge-sellschaftliche Interessen, oder sie knüpfen an gan; allgemeine Ideen an. Und da diePolitische Befehdung das ganze Gemüth beherrscht, wird die Verarbeitung der volks-wirthschaftlichcn Wahrheit der Idee der politischen Befreiung und Freiheit unter-geordnet, oder wenigstens zu ihr in enge Beziehung gesetzt, zugleich aber überall dieBesserung der Volkszustände, die Förderung gesellschaftlicher und privater Institutio-nen im Auge behalte». Daher der große Mangel an wissenschaftlicher Abgren-zung des verschiedenartigen Stoffs, wie auch die durch und durch praktische Rich-tung der italienischen Nationalökonomie; daher die untergeordnete Rücksicht, welchedas Streben nach der Vermehrung des „öffentlichen Reichthums" findet; daher end-lich der geringe Beitrag, welchen die Italiener zur Ausbildung der Nationalökonomieals eines systematischen Ganzen geliefert haben, während sie zur richtigen Erkenntnißeinzelner Materien Vortreffliches beigesteuert.
Die gesammte Entwickelung der volkswirthschaftlichen Literatur Italiens bis aufdieses Jahrhundert ist im Allgemeinen als durchaus selbständig und aus sich selbstentsprossen zu betrachten, und wir müssen deshalb noch ein mal in die Zeit vor AdamSmith zurückgreifen. Wir haben schon den Antonio Serra genannt, der bereits 1613als Mercantilist auftrat, und dessen Bedeutung der Deutsche List mit Recht gegenRicardo und Say in Schutz genommen. Der unter den Physiokratcn genannteBandini, der vor Ouesnay schrieb, aber erst nach ihm drucken ließ, verlangte Ein-fachheit der Gesetzgebung und Verwaltung, Freiheit des Getreidehandels, eine einzigeGrundsteuer, entwickelte das Gute des Getreidehandels auch im Jnlande und dieVortheile einer raschen Emulation des Geldes, „durch welche ein Land bereichertwird, ohne daß sein Gcldquantum sich mehrt". Antonio Broggia („Irattato 6 <r' tri-buti" und „Irattsto 60 II 0 monetv", Neapel 1713) ist in Beziehung aus die Lehrevon der Handelsbilanz u. s. w. Mercantilist, bezeichnet jedoch schon Landbau, Er-werbsthätigkeit und Handel als die Quellen des öffentlichen Reichthums, will dementsprechend Grundsteuern, Verbrauchsabgaben und Zölle als Staatseinnahmen, undsetzt in einer seiner Zeit weit voraneilenden Weise die Verhältnisse der Abgaben undinsbesondere die Vortheile der Verbrauchsteuern auseinander. Ferdinande Galianiuntersuchte in der Schrift: „Hella Llonota" (Neapel 1780) das Wesen des Preises,den er als das Erzeugniß vieler zusammenwirkender Umstände nachwies, bekämpftedie Ansicht, daß der hohe Geldpreis der Güter immer ein Zeichen des Elends sei,sah den Luxus des Hess als eine Quelle des Wohlstandes an, und verlangte, daßdie Regierung den Zinsfuß und den Preis des Geldes dem Verkehr frei überlassensolle. Sein französisch geschriebenes Werk: „vialogues sur ls oommoroo 668 blos"(Paris 1770) ist dadurch merkwürdig, daß er, als Anhänger des Mercantilsystems,darin ausführt, wie man in Beziehung auf das Getreidewesen durchaus kein abso-lutes System aufstellen dürfe, vielmehr je nach der Verschiedenheit und der Großeder Staaten auch eine verschiedene Gesetzgebung in diesem Punkte Platz greisen muffe.G. F. Pagnini („Z.iggio sopra il Ziusto progio eiella coso", Flor. 175 ) zeigte,daß das Geld eine Waare sei, wie andere, deren Preis vergeblich von den Regie-rungen zu bestimmen gesucht werde, indem auch er vielmehr von den Productivns-kosten, der Menge deS vorhandenen Geldes, von Angebot und Nachfrage abhängigsei. G. R. Carli erhob sich schon 1766 („vrove i-sgionamento sopra i Iiil-meiecomioi 6 «IIs n.iriom") gegen die mercantilischen Lehren von der Handelsbilanz, undauch er betrachtete („ 8 ul lidsro oommoi-eio 6 o' gram", 1771) den Getreidchandcl-als eine Sache der örtlich verschiedenen Verwaltung. Von großer Bedeutung ward