134 Die Wissenschaft der Nationalökonomie.
fasftrs. Man gewahrt, daß er die neuern Leistungen in der Volkswirtschaftslehrenicht blos kennt, sondern auch verarbeitet hat. Daß Ricardo einen großen Einflußauf ihn geäußert hat, ist für einen Italiener eine besondere Empfehlung. Der dritteund der siebente Versuch sind wol die bedeutendsten. Im dritten,, handelt er im Ein-zelnen von den größten und kleinsten Größen in der politischen Ökonomie, von derBevölkerung und ihren Grenzen, 'von den Arten des Eigenthums und ihren Gren-zen, von der Gütererzeugung und ihren Grenzen, desgleichen von der Gütervertheilung,dem Güterumlauf, dem Reichthum und je ihren Grenzen. Im siebenten Versuchestellt er das Wohlwollen als das Bindemittel alles Socialen hin, und behandelt danndie sich entgegengesetzten oder completirenden Gegenstände: Arbeit und Müßiggang,Credit, Darlehen und Geldzins, Monopol und Schleichhandel, Besteuerung und De-fraudation, Geiz und Verschwendung u. s. w. Leider ist keine weitere Serie vondem in der Verbannung lebenden Fuoco erschienen.
Weit unter dieser werthvollen Behandlung einzelner Fragen steht das dem Gan-zen der politischen Ökonomie sich zuwendende Werk von M. Agazzini: ,, 1>s scienracloli» sconomi-, politic» ossia principii clvlla lormarions, <lsl proKrv88c> c ücllsclccaclcnra civil» ricclierra, ocl applicsrionc cli qus8ti principii all» smminwtra-rions sconomica clclls newioni. karte leorica" (Mail. 1827), welches bereits imJahre 1822 zu Paris und London in französischer Sprache erschien, fünf Jahrespäter aber erst in italienischer. Der Verfasser betrachtet die Nationalökonomie nurals die Lehre von der Bestimmung des Werths aller Dinge und Arbeiten, nimm(an, daß die Befähigung zur Arbeit bei allen Individuen entweder gleich oder r>ci-.wandt sei, und ebenso die Erzeugungsfähigkcit der einzelnen Theile der Erde.besprochene Sähe und Grundsätze werden wie Novitäten vorgeführt, und mit derUnklarheit der Gedanken geht die vielfach wirre Exposition gleichen Schritt. Eigen-thümlich ist dagegen der Hinweis auf ökonomische Entwickelungsstufen der geschicht-lichen Menschheit, deren Analyse Agazzini für nothwendig erklärt, um durch dieCombination seiner Principien die Gesetze des comparativen Werths, die Bildungder Reichthümer, ihre Zu- und Abnahme zu erklären. Nur ist die von dem Ver-fasser vorgeführte Entwickelungsgeschichte der Ökonomie mit ihren vier Stufen einemüßige Gedankcncombination, die sich in der wirklichen Geschichte nicht realisirt fin-det. Scuderi („Princips cii civile cconomia", 3 Bde., Neapel 1829) hat inchrVorhandenes verarbeitet als Neues gegeben, während sich Chilti in der Verbannungmit der Sprache und den nationalökonomischen Leistungen des Auslandes so vertrautmachte, daß er in seinem „Lour8 d'öcvliomic politiqus" (Brüss. 1833), wiefragmentarisch auch diese Schrift ihrem Inhalte nach ist, kaum noch den geborenenItaliener verräth. Viel unbedeutender ist Giuseppe dclla Valle („Saggio 8uII» 8pv8»pudblic» c privals. Dialoxlu cii vconomia politica", Neapel 1835), welcher sichnur dadurch hervorhebt, daß er die Fehler der italienischen Behandlungsweise derNationalökonomie in auffallend starkem Grade hervortreten läßt. Matteo de Augu-stinis („ l,i8liturioni cii economia 8oci->Is", Neapel 1837) behandelt nur die Lehrevon der Erzeugung der Güter, und will hauptsächlich nur das rein negative Ver-halten der Staatsgewalt gegenüber der Entwickelung der volkswirthschaftlichen Ver-hältnisse, als das beste Mittel, den Volkswohlstand zu begründen, nachweisen, wobeier,auch die ungereimtesten Consequenzen nicht scheut. Er sieht die von Smith be-gründete und von dessen Schülern ausgebildete Nationalökonomie als eine in sichvollendete Disciplin an, ist jedoch mit den Leistungen der Literatur, insbesondere inDeutschland, s, gut wie völlig unbekannt. Ein recht gutes Werk ist dagegen vonAntonio Scialoja geliefert worden („ I Princips clells cconomis 8ocials, C8pc,8ti inorüins iclvologica", Neapel 1840), der seinen Zweck, ein gemeinnütziges Lehrbuchder politischen Ökonomie für die Gebildeten auszuarbeiten, in einer sehr befriedigen-den Weise gelost hat, wicwol auch für ihn die tüchtigsten Leistungen der Deutschennicht vorhanden gewesen sind. Dieses Buch ist eines von den wenigen in Italien,welches im Auslande eine willkommen geheißene Übersetzung gefunden hat. Dieselbe