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Siebenter Band.
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Die Nahrungsmittel. ' 157

Aufnahme des Sauerstoffs, das ist die Hauptbedeutung dcS Athcmholens.

Sauerstoff aber ist ein einfacher Körper, ein Grundstoff, ein Element, dasheißt, der Schcidckünstler kann ihn nicht mehr in andere Bestandtheile zerlegen.Sauerstoff ist derjenige Körper, der stch bei der Verbrennung des Holzes auf demHerde mit dem Kohlenstoff, einem anderen einfachen Körper, der im Holze vorwiegt,verbindet. Und weil der Sauerstoff Gewicht hat, so gut wie der Kohlenstoff desHolzes, darum sind die Erzeugnisse der Verbrennung des Holzes sammt der Ascheschwerer als das Holz vor der Verbrennung.

Einer solchen Verbrennung ist unser Körper fortwährend ausgesetzt. Immenschlichen Leibe herrscht der Kohlenstoff ebenso gut vor, wie im Holze; neben demKohlenstoff sind Stickstoff und Wasserstoff, zwei andere Elemente, in reichlicher Menge-»gegen. Nun athmen wir fortwährend Sauerstoff ein. Dieser Sauerstoff gelangtvon den Lungen aus ins Blut, aus dem Blut in Knochen, Fleisch und Nerven.Hier trifft er auf Verbindungen, die aus Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff undSauerstoff bestehen.

Weil aber diese aus Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusam-mengesetzten Körper viel weniger Sauerstoff enthalten, als sie aufnehme» können,weil sie eine Neigung haben, sich mit Sauerstoff zu verbinden, so verbrennen sie,das heißt, sie werden allma'lig immer saucrstoffreicher, bis sie zuletzt in der Verbren-nung so weit vorgeschritten sind, daß sie in Folge der Verhältnisse unseres Leibesnach außen entleert werden.

Kohlenstoff und Wasserstoff erreichen hierbei zum Theil die höchste Vcrbrcu-nungsstufe, die sie unter gewöhnlichen Verhältnissen ersteigen können. Der Kohlen-stoff verbrennt zu Kohlensäure, der Wasserstoff zu Wasser. Wasser ist nichts alsverbrannter Wasserstoff, eine Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff. Die Ver-bindung aber, in welcher der Stickstoff den Körper verlaßt, ist nicht mit Sauerstoffgesättigt. Harnstoff, so heißt der wichtigste Bestandtheil, den wir mit dem Harn entleeren, ist eine Verbindung von Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff,die außerhalb des Körpers noch viel Sauerstoff aufnehme» kann, bevor sie vollstän-dig verbrannt ist.

So sind wir fortwährend i» der Verbrennung begriffen. Kohlensäure, Wasserund Harnstoff sind die Haupkerzcugnisse dieser Verbrennung. Kohlensäure undWasser entleeren wir mit der ausgeathmetcn Luft, Harnstoff mit dem Harne.

Wir sind, „um einen Vergleich des berühmten Chemikers Liebig zu gebrauchen,wie wandelnde Öfen, die andauernder oder doch häufig wiederholter Heizung bedürfen.

Ich habe schon gesagt, daß uns der eigentliche Begriff der Nahrung abhandenkommen würde, wenn wir uns blos an den Gedanken der Zweckmäßigkeit haltenwollten, daß wir essen, um zu leben. Hüten wir uns noch viel mehr vor dem Jrr-thum, der von Liebig und seinen Schülern vertheidigt wird, als äßen wir, um zuverbrennen, als wäre ein Theil der Nahrung nichts weiter als Brennstoff für denKörper.

ES ist wahr, der Körper verbrennt. Es geht ihm in Folge dieser Ver-brennung täglich ein ansehnlicher Gewichtstheil, etwa ei» Vierzehnte! des ganzen Lei-bes verloren. Wenige Tage genügen, um den Körper völlig zu entkräften, wennjener Gewichtsverlust nicht ersetzt wird. Eine Woche, Tage führen zum Hunger-tode, ein halber Tag zu der unangenehmen Empfindung des Hungers.

Sollen wir denn dem Volksbewußtscin folgen und Nahrung nennen, was denHunger stillt? Die Buschmänner rauchen Hanf und schnüren ihren Gürtel festerum den Leib, um ihren Hunger zu betrügen. Indische Priester erleichtern ihre Fastenblirch den Gebrauch des Opiums. Das Hungergefühl wird durch diese Kunstgriffebeschwichtigt, aber der Körper nicht ernährt. Würde die Enthaltsamkeit über einigeTage hinaus fortgesetzt, dann wäre der Hungertod die unfehlbare Folge.

Also nicht um zu leben, nicht um zu verbrennen, nicht um den Hunger zustillen, essen wir, obgleich Leben, gehörige Kraft der Verbrennung und Sättigung