Die deutsche Nationalversammlung.
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Wendigkcit gründlich nachweisen. Dieser Nachweis fehlt gänzlich in dem Berichte...Die preußische Regierung hat im Vereine mit ihren Volksvertretern eine neue Un-tcrsuchnng angeordnet; mehr verlange „auch ich nicht." Nachdem Blnm »och dieNothwendigkeit berührt, daß an der Änderung der Gebiet-verhältnisse den curopm-schen Mächten, die diese festgestellt haben, eine Betheiligung zustehe, erinnerte erzuletzt noch — wie er denn gern mit einer anregenden Wirkung zu schließen pflegte— an jenen berühmte» Brief, worin Maria Theresia selbst, als sie einen Theil Po-lens gewinnen sollte, dem Fürsten Kaunitz ihre Gewissensangst schilderte, daß derMünster um ein elendes Stück Land die Ehre und den guten Namen Ostreichs indie Schmiß schlagen wolle. . . .
Ein anderes Mitglied der Linken folgte, aber um gegen die Linke zu sprechen,Wilhelm Jordan aus Berlin. Auch er dehnte die pvscncr Frage zu einer polnischenaus, und ließ die Weltgeschichte über Polen zu Gericht sitzen. Doch begann er mitder Aufstellung der Gebiets- und Bevölkerungsverhaltnisse von Posen, über die eraus persönlicher Kenntniß Aufschluß geben konnte. Der Nehcdistrict, ursprünglichein Theil von Pommern, sei erst durch den Vertrag von Thor» an Polen gckom-men, später von Preußen zurückerobert worden; von den westlichen Bezirken seieneinige von jeher deutsch gewesen, andere es allmälig geworden. Als man in Berlinden Beschluß gefaßt, die polnische Nation mehr als bisher sicherzustellen, da mach-ten auch die Deutschen eine gleiche Berechtigung geltend; daher die Abtrennung desdeutschen Theils von Posen. „Man hat dicS eine neue Theilung Polens genannt;es ist aber nichts Anderes geschehen, als daß man festgestellt hat, wie weit Deutsch-land sich thatsächlich nach Osten erstrecke, d. h. wie weit deutsche Sprache und Ge-sittung siegreich vorgedrungen ist." Wer die deutschen Bewohner von Posen den, Polen hingeben wolle, der sei mindestens ein unbewußter VolkSverräther.
Nachdem Jordan sodann für die Nichtigkeit der gezogenen Scheidung-linie seineGründe aufgeführt, erklärte er, diese Angelegenheit könne nur dann genügend beur-theilt werden, wenn man sie im Zusammenhange mit der ganzen polnischen Fragebetrachte. Freilich wisse er, daß er hierbei sich im Gegensatz ru der Ansicht seinerbisherigen Gesinnungsgenossen stelle, ja gegen die öffentliche Meinung sich auflehne.Allein man sei von dem Polcnrauschc schon sehr zurückgekommen. Das Mitgefühlfür die Polen befolge ein geographisches Gesetz: es nehme in demselben Maße ab»der zu, je weiter man sich nach Osten oder Westen entferne. Daß man die Polenum so weniger liebe, je näher, und um so mehr liebe, je ferner man ihnen sei, die-ser Umstand schon lasse vermuthen, daß die Zuneigung zu den Polen nicht aus kla-rer Erkenntniß beruhe, sondern auf einem politischen Glaubensartikel, den man ohneUntersuchung hinnehme.
Eine bewundernswürdige Eigenschaft der Polen erkannte der Redner an: ihreunverwüstliche tapfere Vaterlandsliebe. Man könne sich der Theilnahme nicht ver-schließen beim Anblick der langen Passion eines solchen Volks; „ein Anderes aberist es, ergriffen zu sein von einem Trauerspiel, und ein Anderes, dieses Trauerspielgleichsam rückgängig machen zu wollen ... Polen bloS deswegen herstellen zu wol-Icn, weil sei» Untergang uns mit gerechter Trauer erfüllt, das nenne ich eineschwachsinnige Enipsindclci." Man behaupte freilich auch, die politische Klugheit, dieGerechtigkeit, die Menschlichkeit gebiete Polens Wiederherstellung.
Die politische Klugheit? Warum? Bedürfe denn Deutschland, ein Volk von45 Millionen, einer Vormauer gegen Rußland, wie ein alter Gemeinplatz besage?Deutschland sei für sich selbst Manns genug, damit jeder Angriff machtlos zerschelle.„Wenn eS aber wirklich so trübselig um unsere Kraft stände, was berechtigt unszu der Voraussetzung, eine Nation, mit der wir Jahrhunderte lang im Kampf ge-legen, die zuerst nach blutigen Siegen über deutsche Heere große deutsche Länder-strecken unter ihre Botmäßigkeit brachte und mit eisernem Scepter beherrschte, dannaber von uns in den Künsten des Friedens wie in offenem Felde besiegt wurde, bisb»" uns, ja von unS der Todesstoß ausging; was berechtigt uns zu der seltsamen