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Siebenter Band.
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286 Die deutsche Nationalversammlung.

Voraussetzung, diese Nation, die uns zu ihren Todfeinden zählt, werde urplötzlichihre ganze Vergangenheit großmüthig vergessen, und uns ein treuer Bundesgenosse,eine zuverlässige Vormauer werden gegen ein Volk, mit dem sie stammverwandt ist?"Sobald Polen seine Selbständigkeit von Rußland ertrotzt habe, würden die Interessenbeider Völker Hand in Hand gegen uns gehen. In unserer Zeit könne kein Landein selbständiges Dasein haben ohne Sceküsten; es würde ein Kampf auf Tod und jLeben um die dculschen Gestade der Ostsee beginnen. Allein wenn wir trotzdemPolen freigeben wollten, würde es seine Selbständigkeit von Rußland zu erringennicht im Stande sein. Man wisse das, und predige darum einen Krcuzzug gegenRußland; aber indem man uns den Nnssenhaß einzureden suche, bewirke man dasGegentheil Dessen, was man wolle: man verfeinde uns nicht etwa nur mit der Re-gierung, sondern mit dem Volke Rußlands, während dieses eben jetzt schon die Uner-träglichkeit des Systems fühle, das wir gestürzt. Von der andern Seite drohe mauuns mit Frankreich, wenn wir die Polen nicht freigeben. Frankreich denke nichtdaran, auf solchen Anlaß hin uns zu bekriegen; aber wenn auch — dürfe die Furchtvor dem Auslande unter unsern Beweggründen zählen?

ES sei hohe Zeit, aus der Selbstvergessenheit, auS der Schwärmerei für allemöglichen Nationalitäten zu einem gesunden Volksegoismus zu erwachen. Nein, sagendie Polenfreunde, wir müssen vor allem gerecht sein. Es sei wahr, unser Recht a»polnische Länder sei nur das Recht der Eroberung; aber es seien dies noch weit mehrEroberungen der Pflugschar als des Schwerts. „Im Westen sind wir nur erobertworden; im Osten haben wir das große Unglück gehabt, selbst zu erobern." „Seit dem12. Jahrhundert", fuhr Jordan fort, „wurden die Slawenländer von der Saale biszur Newa von deutschen Ansiedlern allmälig in Besitz genommen. Die polnische»Edelleute selbst zogen deutsche Pächter ins Land, welche dem Boden einen doppelte» >Ertrag abgewannen, und den adeligen Herren so lange Vorschüsse machten, bis ei»großer Theil der Güter ihr Eigenthum wurde. DaS ist die Art, wie der Deutschtdort erobert hat. Der letzte Act dieser Eroberung, die Theilung Polens, warnicht ein Völkermord, sondern nichts als die Bestattung einer längst in der Auflö'sung begriffenen Leiche. Das polnische Volk, nur aus Edelleuten, Leibeigenen undJuden bestehend, durch langjährige Wirrniß verwildert, einer vernünftigen Freiheitunfähig geworden, konnte nicht länger sein Dasein behaupten. Die Partei der Ver-besserungen war ohnmächtig; ein zahlreicher Theil der Polen warf sich den Russe»in die Arme. Es blieb Preußen und Östreich nichts übrig, als entweder fürdaS Fortbestehen eines solchen verrotteten Staats Krieg zu führen, oder Rußlandden Raub allein zu überlassen, und damit Ostpreußen, die Weichsel und selbst dirOder zu gefährden; oder endlich mit Rußland zu theilen, und dadurch mehre Länderwieder zu erlangen, die schon früher unter deutscher Herrschaft gestanden, und vo»einer starken deutschen Bevölkerung bewohnt waren."

Dann, nach einer eigenthümlich demokratischen Rechtfertigung der Theilung Polens/wies Jordan daraus hin, welch blühendes Land Posen, einst beinahe eine Wüstenei,durch die preußische Herrschaft geworden, und daß das Land, das Preußen urbar u»d ^wohnlich gemacht, diesem auch zugchöre. Preußen habe die Grundlage eines neue»polnischen Volks, einen freien Bauernstand geschaffen; darum wolle auch der Ba»^lieber bei Preußen bleiben als zu einem neuen Polen geschlagen werden. Aber ist'rade diese Gleichstellung der früher leibeigenen Bauern habe den polnischen Adeund einen Theil der Geistlichkeit mit Haß gegen die Deutschen entflammt. We»" ^Bauern sich bei der Empörung betheiligt, so sei dies nur durch die Aufreizung^»der katholische,, Geistlichkeit geschehen. Zu dessen Erweis verlas Jordan eine A"' >spräche der letztem an das polnische Volk, worin polnisch und katholisch für ei»und dasselbe erklärt wurde, und die mit der Auffoderung schloß, um dcS Glaube»willen einer Lostrennung von Polen aus allen Kräften zu widerstehen. Die Gla»'benswulh also, nicht die nationale Begeisterung habe den Kampf angefacht;mit der weiß-rothen Fahne Polens, sondern mit dem Kreuz sei man in- Gefech !