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Die deutsche Nationalversammlung.
einer ernsten Vorbereitung fühlen und bat um Vertagung. Die Mehrheit erlaubtesich die kleine Arglist, den Wunsch abzuschlagen, und gleich nach seiner Rede, einerder schwächsten, die Vogt im Parlament gehalten, die Vertagung zu beschließen.
Am nächsten Tage trat Radowitz auf, um seinen ultramontancn Freunden zuGemüthe zu führen, daß die Behauptung des kathokischen Standpunktes keineswegsein Bündniß mit der neupolnischen Bewegung bedingen müsse. Das stellte er bün-dig an die Spihe seiner Rede: „Wenn es sich in der posenschen Frage um dieVertheidigung der katholischen Kirche handelte, so würde ich und Viele mit mir überunsere Stellung zu jener nicht einen Augenblick in Zweifel sein; jede andere Rück-sicht, politische wie nationale,, müßte und würde schwinden. Aber dieser Fall liegtnach meiner gewissenhaften Überzeugung nicht vor... Daß ein katholisches Landdadurch, baß es in das deutsche Reich aufgenommen wird, in seinem Glauben ge-fährdet sei, dies werde ich nie zugeben." Dann drängte er in feste, würdige For-men die Gründe für den Ausschußantrag zusammen. Ihm widersprach in ausführ-licher Rede Schuselka, der für Posen die Fortdauer der bisherigen Zustände ver-langte, eine Theilung aber für jene Zeit vorbehalten wollte, wo eine Verhandlungdarüber mit dem polnischen Volke möglich sein würde.
Nach einem wenig eindringlichen Vortrage des Grafen WartenSlebcn erhob sichJanisezcwski, ein schmächtiger Mann mit dunkeln Blicken, katholischer Geistlicher undPole, der einzige Pole in dieser NeichSversammlung der Deutschen. Mit ernstem Schmer-zensruf, eine Warnungsstimme aus dem Grabe einer Nation, nicht Anklage erhebend,sondern die Würde des ewigen Rechts wahrend, wandte er sich an die NachkommenDerer, die den Mord seines Volks mitverschuldct, um Gerechtigkeit und menschlicheSühne. Zunächst lehnte er die Vorwürfe gegen den polnischen Volkscharakter mitder Erwiderung ab, daß auch die übrigen Nationen Europas sich derselben Mangelschuldig gemacht. Was aber den Kampf in Posen angehe, so sei das keineswegsein Ausstand gegen das Germancntbum oder die preußische Regierung gewesen. Werdie Sebuld desselben trage, werde sich erst dann herausstellen, wenn die von Preu-ßen eingesetzte Untcrsuchungsbehörde ihr Urtheil gefallt habe. Wenn man behaupte,das Land sei durch deutschen Fleiß und deutsche Arbeit erobert worden, so kenne erebenso wol schlechte deutsche als schlechte polnische Dörfer, und es gebe polnischeLandwirthschaftcn, die trefflicher als alte deutsche» seien. Aus einer preußischen Ca-binetsordre vom 13. März 1833 bewies er, daß die Regierung mit bewußter Ab-sicht große Besitzungen von Polen, wenn sie zur Gantverstcigernng kamen, ankaufte,um sie dann in kleinen Stücken ausschließlich an Deutsche wieder zu veräußern;ja es war sogar den Oberbehördcn der Provinz überlassen, die vom Staate odervon Staatsanstal(e» auf polnische Güter gegebenen Darleihen zu kündigen, um da-durch den Verkauf dieser Güter an Deutsche zu bewirken. Das, fügte JaniSczcwskibei, war also der Fleiß und die Arbeit, durch die das Land erobert worden.
„Die einzige Frage, um die es sich eigentlich handelt", fuhr er fort, „ist diese:Bildet Posen einen Theil des Deutsche» Bundesgebiets? Posen fiel 1815 der KronePreußen zu; «durch die Verträge dazu verpflichtet», verbürgte sie in einer besondernKundmachung die volle Erhaltung der polnischen Nationalität in dieser Provinz. Nachden Märztagcn (1848) erklärte der König, die zu Deutschland noch nicht gehörigenProvinzen seines Staats könnten dem Bunde einverleibt werden, wenn sie es wünsch'tc» und der Deutsche Bund sie aufnehmen wollte. Der polnische Nationalausschußschickte sofort eine Abordnung nach Berlin mit der Erklärung, als Polen wolltenund könnten sie ihre Nationalität nicht ausgeben, und verlangte für Posen eine eigeneVerfassung, wie sie ihnen, so behauptete er, 1815 verbürgt worden sei. Diese Fosdcrungen wurden gewährt durch eine Cabinetsordre vom 24. März, und eine zweiTage spater erlassene Erklärung deS Ministeriums. Trotzdem stellte die Regierungdem am 6. April in Berlin versammelten pvsencr Landtage die Frage, ob er PosensEinverleibung in den Deutschen Bund wolle. Der Landtag verneinte die Frage mit26 Stimmen gegen 17. Der Landtag der Provinz Preußen hingegen bejahte sie-