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Die deutsche Nationalversammlung. 287
gezogen. Aber die Bauern seien jetzt so völlig enttäuscht, daß die Regierung Muhehabe, sie von einem Aufstande gegen den Adel zurückzuhalten. Freilich habe maneinen polnischen Freistaat mit Freiheit, Gleichheit und Wohlleben für Alle verheißen;aber das seien eben nur französische Redensarten ins Polnische übersetzt. Mit solchenkönne man die Erinnerung von Jahrhunderten aus dem Gedächtnisse nicht auSlö-sche», zumal wenn derlei Verheißungen von den Nachkommen einer Kaste ausgehen,die stets im entgegengesetzten Sinne gewirkt habe. Eine polnische Aristokratie dürfenicht wiederhergestellt werden, sondern ein polnisches Volk; zu einem solchen seien bisjetzt nur die von Deutschland gepflegten Keime vorhanden.
Jordan schloß seine Rede mit den Worten: „Freiheit für Alle, aber deö Va-terlandes Kraft und Wohlfahrt über Alle»!" Ein langdaucrndcr Beifallssturmbegleitete seinen Abgang von der Rcdncrbühne. Aber die Linke hatte nur um soheftigern Groll gegen den Man», der die höchste Blüte seiner Begabung gerade daentfaltete, als die wärmsten Gcfüblc der Linken zurückgedrängt und ihre liebstenHoffnungen gebrochen werden sollten. Robert Blum erkannte mit klarem Blick so-gleich, daß seine Partei nicht mehr auf diesen Man» zählen könne, und stellte inder Abendvcrsammlung des Deutschen Hofs den Antrag, ihn auS dem Vereineauszustoßen. Zwar erklärte sich die Mehrheit der Partei gegen eine solche Maßre-gel; aber Jordan konnte sich in der Mitte der Linken unmöglich mehr behaglichfühlen. Nicht lange darauf schied er aus, und gesellte sich, nicht etwa zu einem derLinken nahestehenden Verein, sondern zu einem Theile des rechten Centrum, der imAnfange' Septenibcr aus dem Casino austrat und seine Versammlungen im Lands-berg hielt.
Die Partei des Laudsberg unterschied sich von der des Casino hauptsächlichdadurch, daß jene eine Vereinbarung der Verfassung mit den Regierungen ausdrück-lich zurückwies, während diese über einen so bedeutsamen Punkt gar nichts zumvoraus feststellen wollte. Als vorzügliche Aufgabe der Partei des Landsberg warderwähnt, daß sie die durch die Mä'rzbewcgung zur Geltung gekommenen Volksrechteausbilden und sicherstellen wolle. Die demokratisch - konstitutionelle Monarchie wardals Fahne aufgesteckt; und in Betreff der Verfassung ward noch besonders hervor»gehoben, daß die Oberleitung des Heerwesens und die völkerrechtliche und Handels-Politische Vertretung Deutschlands der Rcichsgcwalt zustehen müsse. Der Laudsbergzählte etwa 40 Mitglieder. Er hat nie bedeutenden Einfluß auf die Entscheidungwichtiger Fragen geübt. Zwischen dem linken und rechten Centrum eine unsichereStellung einnehmend, mußte diese Partei sich meist dem Casino anschließen, und ihrDasein schien im Ganzen mehr durch eigenwillige Persönlichkeiten als durch scharfentschiedene Selbständigkeit der Grundsätze veranlaßt und bedingt. *)
Kaum zwei Monate waren seit der Gründung dieser Partei vergangen, alsWilhelm Jordan vom Reichsministerium als Rath in die Marineabtheilung berufenwurde. Nicht geringes Aufsehen, ja „selbst bei Mitgliedern der Rechten eine kaumverhohlene Misbilligung erregte dieser Übergang eines Mannes, der für Jtzstein's Er-nennung zum Neichsverweser gestimmt, in das ministerielle Beamtenlagcr. DasReichsministerium gewann nur eine Stimme, die sich ihm ohnehin wol nicht mehrversagen konnte, und verlor viel bei den unbefangenen Beobachtern, die mit Unwillenhier die Nachahmung einer schlimmen parlamentarischen Gewohnheit Frankreichs zusehen glaubten. Solches waren die Folgen der merkwürdigen Rede vom 24. Juli.An diesem Tage schien sie den Sieg für die Ausschußanträge gesichert zu haben;manche Polenfreunde wurden wankend. Vogt sollte den unleugbar tiefen Eindruckmit seinem leichtbeweglichen Worte löschen; allein er mochte wol die Nothwendigkeit
*) Zu den am meisten hervortretenden Mitgliedern des LandsbergS gehörten Bauer au«Bamberg, Breusing auS Osnabrück, Fuchs au« Brcslau, Hollandt aus Braunschweig, Jordanaus Marburg, Jordan au« Berlin, Kcrst au« Birnbaum, Tellkampf, Vicbig au« Posen, We-bekind au« Druchhausen, Wehmann au- Ttends'