Die deutsche Nationalversammlung. LSI
Provinz Post», wo im April daS Kriegsgcsctz verkündigt worden und ein Pole sichie'ge» d»rsw, gar nicht gesetzlich habe gewählt werden können. Und dannMoß er seine Rede mit Tonen, die auS tiefster Seele sich hervordrängten: „Ichwill hier kein Mitgefühl für Polen in Anspruch nehmen. Ich könnte eS zwar thun,wenn ich einerseits auf die unaussprechlichen Leiden Polens, und andererseits aufdas mächtige und sich zur Freiheit emporschwingende Deutschland Hinblicke; ich könntees wagen, auch aus dem Grunde, weil kurz vorher deutscherseits den Polen großeHoffnungen gemacht wurden; ich könnte es aber auch aus einem viel höhern Grunde^agen, aus dem nämlich, daß die Freiheit nur dann wahr und wirklich sein kann,wen» sie allgemein wird. Ich nehme cS aber nicht in Anspruch; denn Mitgefühl"ßt sich ,,jcht erflehen. Ich komme auch nicht als Bettler zu Ihnen; ich kommewtt meinem guten Rechte.... ES handelt sich hier nicht darum, daß man den-polen etwas gebe; es handelt sich nur darum, daß man ihnen nichts mehr nehme.Und was gewinnt Deutschland durch eine gewaltsame Einverleibung einer halbenMillion Polen? Was kann eine Nation von 40 Millionen dadurch gewinnen?Nicht- Geringes! eS gewinnt dadurch eine halbe Million der erbittertsten Feinde inseinem Schoose. Wollen Sie dann sagen, es seien Rebellen? Dann müssen Sieauch alle Holstciner und Schleswiger, die nicht dänisch werden wollen, zu Rebellenwachen; dann müssen Sie jeden Wurm, der sich nicht treten läßt, einen Rebellennennen. Man hat die Polen verschluckt, verdauen wird man sie bei Gott nicht!Deutsche mächtige Staaten haben an der Vernichtung dieser Nationalität lange undbeharrlich gearbeitet; und was haben sie erreicht? welchen Ruhm haben sie gcerntel?Sie haben Kerker mit Menschen angefüllt, neue Galgen gebaut; sie haben manches^rlatt ihrer Geschichte nnnöthig mit Mcnschenblut beschrieben, und doch nicht erreicht,was sie gewollt haben. Wollen Sie jetzt diesen Vcrnichtungskampf gegen die Polenübernehmen, und die Zukunft des freien Deutschland auf diese blutige Bahn Hin-leiten? Glauben Sie, daß Sie durch vermeintliche Wohlthaten, die Sie den Polenals Folge der Einverleibnng versprechen, beschwichtigen können? Preußen liefert denbesten Beweis hierfür. Wir erkennen sehr gut die bittern Früchte dieser aufgedrun-genen Wohlthaten, die wir um das Theuerste aus Erden erkaufen sollen. Die Bil-dung, welche uns keine Freiheit zu geben, sondern nur Fesseln zu schmieden versteht,wuß noch viel verhaßter und verächtlicher sein als die Barbarei.... Sie sinddichter in eigener Sache. Aber dennoch verzweifle ich nicht an meinem Rechte; ichverzweifle nicht, weil hier in dieser hohen Versammlung ein deutscher Manngeäußert hat, daß, wenn auch den Deutschen alle Tugenden abgehen sollten, ihnendoch noch die Tugend der Rechtlichkeit bleibe. Deshalb verzweifle ich nicht; undauf diese Tugend baue ich, diese Tugend rufe ich an. Ich verlange kein Mitge-fühl, kein Mitleid, keine Großmuth; ich lege nur Berufung ein an Ihre Tugendder Rechtlichkeit, an Ihre Tugend der Gerechtigkeit!"
Der Wiederholt dieser Rede hielt lange an und wirkte tief nach; selbst entschie-dene Freunde der Theilung Posens wurden schwankend. Vergeblich übernahm derbreite stämmige Karst, in allem das Widerspiel des beredten Polen, die gewissenhaftegdbe, Janisczewski's Thatsachen mit Thatsachen zurückzuschlagen, Zahlen durchAberichtigen. Er erinnerte daran, wie ihn die deutschen Kreise PosenSschon nn April nach Frankfurt gesendet, und wie der FunszigerauSschuß ,h" nichtzugelassen, hingegen die Polen aus Deutschlands Kosten nach Posen z» senden be-schlössen habe, nach Posen, wo damals die Polen gegen die Deutschen einen Der-tilgungskrieg führten. Er wies nach, daß die Verträge von 1815 niemals die Pro-vinz Posen zu einem selbständigen Staate geschaffen, und daß sie die Grenzen dieserProvinz zwar gegen Russisch-Polen, nicht aber gegen Westen hin festgesetzt hätten;!a, daß Preußen nachher noch rein deutsche Theile von Wcstpreußen zu Posen geschlagen.Er zeigte, daß die Provinzialstände Posens, die eigentlich nur die RittergutsbesitzerVertreten, nach dem März 1848 nicht mehr den gültigen Ausdruck des VolkSwillens
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