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Siebenter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung.

schichkliche Thatsache verlangte.*) Sie faßte sich ein Herz: 331 Stimmen sprachenNein, und „ur 101 bejahten die Frage; 26 Abgeordnete, darunter Manche vonder Linken, enthielten sich der Abstimmung. Sehr Viele erklärten zu Protokoll,daß sie die Schaffrakh'schen Anträge deshalb verworfen hätten, weil die Beurtheilung. der geschichtlichen Vergangenheit nicht in der Aufgabe der verfassunggebenden Ver-sammlung liege.

Durch solche Erläuterungen und Begründungen, die sich im Dunkel der Pro-tokolle fast spurlos verloren, konnte jedoch die Mißstimmung nicht beschwichtigt wer-den, die sich rücksichtlich der Beschlüsse von, 27. Juli bei der großen Masse ver-breitete, und die vo» den Blättern der demokratischen Partei genährt wurde. DasVolk sah nur auf den nackten Wortlaut des Beschlossenen, nicht auf die innernGründe, nach denen seine Vertreter gehandelt haben mochten. Zum ersten mal fühlteman sich in einer lange gehegten Lieblingsncigung offen verletzt, und schon fehlte e»nicht an Stimmen, die laut aussprachen, die Männer in St.-Paul seien nicht mehrdie wahren Vertreter des Volks. Der äußerste Theil der demokratischen Partei, inder Gewißheit von nun an, daß für die letzten Zwecke der Linken nichts mehr vonder Nationalversammlung zu hoffen sei, ging immer entschiedener daraus los, sie mit-ten in der Nation zu vereinzeln und ein neues Nevolutionsparlament an die Stelleder allzu gemäßigten Zauderer zu sehen.

Die Verhandlungen über Schleswig-Holstein.

Wenn die Abstimmung über die posener Frage solchen Planen förderlich er-schien, so stand hierbei doch die eigentlich nationale Partei, eine zahlreiche und mäch-tige, immer noch auf Seiten des Parlaments. Bedenklicher wurde die Lage, alsman sich über die Angelegenheiten Schleswig-Holsteins zu entscheiden hatte. Nachaußen hin betrachtete die Mehrheit als erste Bedingung für den Erfolg ihres Stre-bens ein freundliches Einvernehmen mit Ostreich, vor allem aber mit Preußen; nachinnen war ihr der Beistand der Nationalgesinnten und nicht minder die Zustimmungder Männer des gemäßigten Fortschritts auf dem linken Centrum unerläßlich. Jenewie Diese aber verlangten die schlcswig-holsteinische Frage rücksichtslos im Sinnedes Vorparlaments gelöst zu sehe», und wollten von einer Erwägung der politischenLage Preußens gegenüber den andern Großmächten, die der dänischen Sache holdwaren, von einem Vergleiche der Parteien, von halben Maßregeln nichts wissen.Diesen günstigen Boden nun ersah sich die Linke, kaum erst in der polnischen An-gelegenbcit besiegt, zu ihrem Schlachtfelde; der Erfolg schien ihr hier gewiß.

Die Sache Schlcswig-HolsteinS hatte schon seit Jahren die Aufmcttsamkeit derVölker und Fürsten Deutschlands in Anspruch genommen. Hier handelte es sichum einen Streit über alte verbriefte Rechte, nicht um einen Zwiespalt der Frciheits-bestrebungcn mit den fürstlichen Grundsätzen; hier galt es, über die Nechtmäßigkeiteiner Thronfolge zu entscheiden. So konnte das Interesse der Regierungen mit demder Volkspartcien Hand in Hand gehen.

Die Ansänge deS Streits verliefen sich in alte Zeiten, ja bis in die Tagedes Löwen hinauf. Nach endlosen Kriegen mit Dänemark hatte sich dase;ch echt der Grafen von Schaucnburg in Holstein festgesetzt, und dazu noch im^ayre 1568 das zum größten Theil von deutschen Stämmen bewohnte HerzogthumSchleswig erobert und unter dänischer Lchnsherrlichkeit besessen. Nach dem TodeAdolfs VIII., des letzten SchauenburgerS von der schlcswig-holstcinischcn Linie, wähl-ten die Stände beider Länder den Däncnkönig Christian l-, den Bruder von AdolfsMutter,.zu ihrem Fürsten (1460). Doch mußte er ihnen urkundlich verheißen, daß

*) Wägern wußte freilich durch seine Fragestellung den AM etwas zu versüßen, indem ersagte: „Ich ersuche Diejenigen, welche eine solche Erklärung abgeben wollen, mit Ja zu stim-men", also eigentlich auf Plathncr's Antrag zurückging. Allein die stenographischen Berichteließen diese Worte gänzlich weg; ob zufällig oder mit Absicht, läßt sich jetzt schwerlich mehrentscheiden. Dadurch erschien die Abstimmung und ihr Ergebniß um so greller.