Die deutsche Nationalversammlung.
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ihrer Einnahmen nach Kopenhagen senden mußten, ohne daß sie jemals einen Ent-gelt sahen für so reiche Leistungen. Um gegen Dänemark ankämpfen zu können,mußten die Herzogthümer vor allem einen gesetzlichen Boden, eine anerkannte undberechtigte Landesvertretung zu gewinnen streben. Nicht Schleswig, das außer demDeutschen Bunde stehende, wol aber Holstein konnte sich zu solchem Zwecke an denBundestag wenden. Prälaten und Ritterschaft von Holstein, die um gemeinsamerStiftungen und Güter willen fortdauernd in einem Korperschaftsverbande gebliebenwaren, reichten zu Frankfurt ein Gesuch ein um Neubelebung der hergebrachtenLandstände. Ein Bundesbeschluß vom 27. Nov. 1823 wies sie ab, weil die alteVerfassung in Holstein nicht in anerkannter Wirksamkeit bestehe; es wurde ichienjedoch dabei eröffnet, daß der König dem Herzogthume eine Verfassung zugesicherthabe, welche nach dem Artikel 31 der Schlußakte die ältern Rechte den Aeitverhalt-nissen anpassen werde.
Allein von der Erfüllung dieser Zusage hörte man nichts, bis die Bewegungendes Jahres 1830 ihren Wellenschlag nach allen Reichen Europas hinsandten. Jetzterhielten die Lande König Friedrich's VI. durch die Gesetze vom 28. Mai 1831 und18. Mai 1831 berathende.Ständeversammlungen. Aber diese schienen mehr denZwecken der Dänen förderlich zu sein. Im Jahre 1814 beantragten die Standevon Seeland in ihrer Versammlung zu Noeskilde, es möge die dänische Thronfolge-ordnung von 1660 i» allen Theilen des Staats eingeführt werden. Obwol die Ent-gegnung des königlichen CommisiarS, der sich diesem Antrage günstig äußerte, unddas Verfahren König Christian's Vlkl., welcher ständische Anträge entgegengesetztenInhalts durch den Bescheid vereitelte, daß Vorstellungen in Betreff der Erbfolgenicht mehr angenommen würden — obwol solche Vorgänge die Herzogthümer hef-tig aufregen mußten, so hielt dennoch der König die Zeit für günstig, um mit einemSchlage die dänischen Plane bis zur Vollendung zu bringen. Er erließ am 8. Juli1846 den berühmten „Offenen Brief", worin er erklärte, daß in Schleswig dieErbfolge nach dem Königsgesetze stattzufinden habe; in Hinsicht einzelner Theile Hol-steins seien zwar Verhältnisse vorhanden, die ihn hinderten, das Nämliche mit dersel-den Bestimmtheit auszusprechen; aber alle seine Bestrebungen seien darauf gerichtet,diese Hindernisse zu entfernen und die Trennung einzelner Landestheile vom dänischenReiche zu verhüten.
Nun klar belehrt über die Absichten, denen Holstein dienen sollte, richteten dieStände des Herzogthums eine kräftige Beschwerdcschrift an den Bundestag, worinsie die Erhaltung des deutschen Erbfolgercchts und der Verbindung mit Schleswigbegehrten (3. Aug. 1846). Die nationale Bewegung in Deutschland, seit 1810 zuBedeutung und Wirksamkeit gekommen, lieh diesem Kampfe Schleswig-Holsteins ebensosehr eine nachhaltige Unterstützung, wie sie selbst wiederum aus ihm eine vermehrteKraft gewann. Aber auch in Dänemark erhitzte sich der erbitterte Eifer des Volksan einer Sache, die das Sein oder Nichtsein des dänischen Reichs in sich schloß.
Solche Verhältnisse mögen wol dem Bundestage hinreichende Veranlassung ge-wesen sein, diesmal seine Maßregeln zu beschleunigen. Der Bundesbeschluß vom17. Sept. 1816 sprach die Erwartung aus, eS werde der König, nachdem er erklärthabe, wohlbegründeten Rechten der holsteinischen Fürsten vom Manncsstamme nichtzu nahe zu treten, sowie das ständische Recht der Bittschriften aufrecht halten zuwollen, auch Wirklich demgemäß handeln.
Indessen schwoll die Aufregung beiderseits immer höher. Nachdem König Chri-stian VIII. am 20. Jan. 1818 gestorben, führte sein Sohn Friedrich Vil. den entscheiden-den Streich: eine Verordnung vom 28. Jan. schuf einen Reichstag, gemeinsam fürDänemark und die Herzogthümer. Diese sollte» ebenso viele Abgeordnete zu ernennenhaben wie jenes; die Versammlungen des Reichstags sollten abwechselnd in dem Kö-nigreiche und den Herzogthümer» gehalten werden. Zur Vorberathung des Verfaffungs-Werks sollten alle Provinzen erfahrene Männer nach Kopenhagen senden; doch wardafür gesorgt, daß bei diesen das dänische Interesse stärker vertreten wurde.