358 Die Geologie.
sie in aufsteigende Reihen »ach ihrer Organisation zu ordnen. Dagegen spricht sichdas Gesetz der voranschreitcnden Vervollkommnung auch noch dadurch aus, daß da,wo mehre Ordnungen oder Familien von ungleicher Vollkommenheit gleichzeitig mit-einander erscheinen, gewöhnlich die unvollkommenem zuerst vorwaltend sind und dannabnehmen oder ganz aussterben, während die vollkommenem anfangs an Menge zu-rückstehen, dann überwiegend werden und entweder bis zur jetzigen Schöpfung in Zu-nahme bleiben oder doch langsamer als erstere wieder abnehmen. Eben hierdurch be-thätigt sich das Gesetz.der Vervollkommnung aber noch in einer andern Weise, weildie hinzukommenden hoher» Gruppen auch die vorzugsweise an Zahl zunehmendensind. Dies wird hauptsächlich bei den Pflanzen und den Fischen auffallend. Dieam spätesten auftretenden und zugleich vollkommensten Pflanzen sind die fruchtsanii-gen Dikotyledonen; diese liefern aber 50000 von allen 70000 lebenden Pflanzen-arten (im Jahre 1849 nach Bronn; seitdem sind beide Zahlen gewachsen). Die amspätesten auftretenden und zugleich vollkommensten Fische sind die echten Knochenfische(loleosli), und diese mögen wol 7000 zu den 8000 lebenden Fischartcn beitragen.
3) Die Abweichung der Formen von denen der gegenwärtigen Organismen istin den ältesten Schichten am größten, und wird nach und nach in den neuern immtrgeringer. Mehre Paläontologen haben nachzuweisen gesucht, daß das Erscheinen derverschiedenen Classen, Ordnungen oder Familien von organischen Wesen immer mitsolchen Bildungstypen beginne, welche keiner ihrer jetzigen Unterabtheilungen angehör-ten, ja oft eine Erweiterung des Charakters der Hauptabtheilungen selbst, wie erfür die noch lebenden Formen aufgestellt worden, nothwendig machen, um sie darinmitbegreifcn zu können. Diese Urtypen sollen oft gleichsam Verbindungen von Kei-men sein, aus denen später eigentliche Formenreihen divergirend hervorgegangen wären,die sich immer mehr selbständig ausgebildet und deren Charaktere sich endlich gegen-seitig völlig ausgeschlossen hätten. Dies scheint auch allerdings mitunter in treffenderWeise der Fall zu sein; denn wir sehen die Fische mit der Gruppe der Cephalas-piden beginnen, wovon man einzelne Individuen theils für Krebse und theils für rie-sige Wasscrkäfer gehalten hat. Zu den ältesten Reptilien gehören die Labyrintho-donten, die man bald als in Frösche verwandelte Krokodile und bald als Frösche mitaufgcimpftem Krokodilcharaktcr bezeichnete. An der Spitze der Vögel steht eineGruppe, von der man im Sandstein von Massachussetts nur die Fährten gesunden,wonach sie doppelt so groß als unsere Strauße gewesen sein müssen. Eines der erstenSäugethiere war jener HydrarchoS (Xsuglollon) von 100 Fuß Länge, der einenStreit berühmter Anatomen veranlaßte, ob er ein Säuger oder ein Reptil sei. Ähn-liche Mischgestalten sehen wir die Reihe der Seesterne, der Krebse und Tintenfischeeröffnen. Aber es gibt auch bedeutende Abtheilungen der organischen Reiche, wosich nichts der Art nachweisen läßt, und es finden sich auch in der lebenden SchöpfungClassen und Ordnungen, die aus so unähnlichen Unterabtheilungen zusammengesetztsind, daß man von einer jeden derselben, wenn sie einst die Reihe der Hauptabthei-lung eröffnet hätte, Dasselbe sagen könnte. Wir erstaunen, gewisse abenteuerliche Rep-tilienordnungen, welche jetzt untergegangen sind, an der Spitze der Classe auftrete»zu sehen; aber wie viel mehr würden wir noch erstaunen, wenn die Frösche, wen»gär die Schildkröten, statt unserer Zeit vorbehalten zu bleiben, uns nur aus fossile»Resten bekannt wären, welche den übrigen Reptilien im Alter vorangingen. 3»welche Verlegenheit würden wir gerathen, den erst seit wenigen Jahren entdeckte»Lepidosiren im fossilen Zustande zu finden, einen Fisch, der neben den Kiemen auchLungen hat, und der daher für ein Reptil gehalten worden war? Würden wir ih»überhaupt richtig zu deuten vermögen? Oder den auf den Mascarenischen Insel»erst vor 100 Jahren vertilgten Dudu (0iclu8), einen Vogel ohne Flugvermögen, de»man der Reihe nach unter den Fettgänscn, bei den Sumpfvögeln, unter den Hüh'nern, als Ricscntaube und Geier unterzubringen versucht hat, obwol man alle sei»täußern Charaktere ziemlich vollständig kennt; würde er nicht einen herrlichen Keimfür alle Ordnungen der Vogel abgegeben haben? Freilich bezeichnet man solche For-