360 Die Geologie.
gefähr gleichem Alter bis zum Himalaya und bis China fort, überall dieselbe Faunaeinschließend, eine Meeresfauna, die in andern Breiten fehlt, worin man dann ebenerst, den ersten Beweis zonenartigcr Verbreitung specieller Thierformen zu finden ge-glaubt hat. Aber leicht könnte auch die besondere Umgrenzungsform jener Ablage-rung fast in der Richtung, nicht der Parallelkreise, sondern der heutigen Jsothcr-mcnlinien, nur von der zufälligen Richtung und Ausdehnung eines damals in derMitte zwischen Inseln und Continenten hinziehenden Meeres herrühren, ohne daß da-mit nothwendig eine klimatische Verschiedenheit gerade in dieser AnSdehnungSform ver-bunden gewesen wäre. Noch lange nach der Entstehung jener Gesteine überschrittendie Cycadeen und Palmen unter den Pflanzen und Landbewohnern, die inselnbauen-den Korallen unter den Thieren deS Meeres die Grenzen ihrer jeht mit der subtro-pischen Zone endigenden Heimat. Die erste tertiäre Säugethierwelt in ganz Europawar, soweit sich die Geschlechter und Formen mit den noch jetzt bestehenden ver-gleichen lassen, eine durchaus tropische, die erst in der mittlern Tertiärzeil einen etwaskühlern Charakter annahm. Mit jener begann auch das Auftreten Von solchen Con-,chylienartcn, die noch jetzt lebend vorkommen, obwol sie erst nur eine.kleine Quoteausmachten, und ihr jetziges Vaterland großentheils etwas naher am Äquator liegtals ihre Vcrbreitungszone im fossilen Zustande. Erst am Ende derselben Periodetragen Flora und Fauna einer jeden Zone ihren jetzigen Charakter an sich. DieselbenGenera wie jeht sind die vorherrschenden, obwol noch mit ausgestorbenen meist ausgleichen Familien untermengt. Die Arten stimmen allmalig zur Hälfte, zu drei Vier-theilen und endlich zu neun Zehnkheilen und noch weiter mit den jetzt in derselbenGegend lebenden übercin. Jede Zone/ jeder Welttheil, jedes Land hatte bereits seineeigenthümliche Fauna und Flora. War daS Meer anfangs ausgedehnter, zusammen-hangender, aber im Ganzen seichter als jetzt, und waren die Continente mehr insel-artig zerstückt und ihre Gebirge unzusamnienhängender, niedriger, wie es nach derEntwickelungsgeschichte der Erde wahrscheinlich, so mußten auch die Meeresbewohnermehr über die Landbewohner vorwalten; eS mußten manche Landbewohner sogar mehrzum Typus der Wasserbewohner sich hinneigen; es mußte das Meer mehr gleich-mäßig bewohnt und der Einfluß verschiedener Tiefen auf seine Bewohner wenigerfühlbar; es mußte die Mannichfaltigkeit der Landbewohner weniger groß sein, wasauch der Wirklichkeit zu entsprechen scheint. Die Contiyente haben bis zur Tertiär-zeit wahrscheinlich beinahe kein Süßwasser umschlossen, und eben darum fehlen bisdahin auch säst alle Süßwasserbewohner.
Alle diese Verschiedenheiten der ungleichen Zeiträume werden von Lyell durch-aus bestellten. Er erklärt sie für bloS scheinbar und durch den Zufall der Erhal-tung oder Auffindung bedingt. Ganz natürlich ist es, daß die Mceresorganismcnunter den Versteinerungen überhaupt vorherrschen, da beiweitem die meisten Schicht-ablagerungen auf dem Boden des Meeres erfolgten, wohin Neste von Land- undSüßwasserorganismcn nur zufällig gelangen konnten. Dieses Prävaliren der Meercs-geschöpse mußte aber bei gleichbleibenden physikalischen Verhältnissen deS Erdkörpers,wie sie Lyell vorausseht, zu allen Zeiten ungefähr ein gleiches sein. DaS aber ist eseben nicht; vielmehr ist das Verhältniß in den neuern Ablagerungen durchschnittlichein ganz anderes, den Landbewohnern günstigeres als in den ältern, und wahre Süß-wasserbildungen sind aus älterer Zeit als die der Wicldenablagerüng noch gar nichtbekannt.
3u den wichtigsten Bedingungen der Existenz der Organismen gehört aber dasWechselverhällniß derselben unter sich. Es ist schon erwähnt worden, daß die Diko-,tylcdoncnzewächse, mit Ausschluß der Nadelhölzer, erst nach der Kreidebildung aufge-treten sind^ Alle unsere Laubbolchä'ume, alle Laubholzhochwaldungen haben demnachgefehlt, -deichen Einfluß mußte aber der Mangel an Laubwaldungcn auf die Luft-mischung, aus das Klima, vielleicht selbst auf die süßen Binnengewässer und somitwieder auf die Landbewohner jeder Art ausüben! Und welcher Menge von holz«durchbohrenden, Blatter und Blumen zernagenden, Samen zerstörenden Insekten,
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