Band 
Siebenter Band.
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362 Die Geologie.

s priori angenommen, und so oft ihnen nun der Fall vorkommt, daß einzelne Mu-scheln oder andere fossile Neste zweier Formationen sich nicht voneinander unterschei-den lassen, dann behaupten sie, daß dennoch ein Unterschied in der Organisation derThiere stattgefunden haben müsse, der sich nur an den stets etwas unvollkommener»versteinerten Überresten nicht erkennen und nachweisen lasse. Gegen eine solche Be-hauptung ist freilich kein directer Beweis möglich; man kann sie eben nur als gänz-lich ungerechtfertigt und auf ein Vornrthcil begründet bezeichnen. Dieser Änsicht zuGunsten sind eine Anzahl neue Species aufgestellt worden, die sich in nichts von be-reits bekannten unterscheiden. Bedenkt man, wie alle Versteinerungen mehr oderweniger nur Theile oder Ruinen von organischen Geschöpfen sind, so wird man leichtbegreifen, daß ohnehin schon große Schwierigkeiten bei ihrer genauen Verglcichuugund Bestimmung zu überwinden sind, und daß Unsicherheit hier und da unvermeid-lich ist; durch jenes Verfahren werden aber diese Schwierigkeiten und Unbestimmt-- hciten auf eine unverantwortliche Weise gesteigert. Zu welchen großen Übelständendabei außerdem noch das Bestreben mancher Paläontologen führt, neue Arten auf-zustellen oder alte umzutauschen, vielleicht nur, um ihren Namen als Autorität da-hintersetzen zu können, ist von Bronn in einer Besprechung von d'Orbigny's „I'ro-6rome 6s Paläontologie universelle" trefflich nachgewiesen worden.

Aus all dem Vorhergehenden ergibt sich, daß die organischen Arten auf derErde in der Weise gewechselt haben» wie die Individuen einer Art, z. B. des Men-schen, freilich in viel kürzern Zeiträumen, einander ablösen. Die einen sterben, dieandern werden geboren, nicht in bestimmten Abschnitten, sondern in der Weise, daßzu allen Zeiten alle Lebensalter vertreten sind. Aber es gibt ein durchschnittliches,mittleres Lebensalter für die Arten, wie für die Individuen, einen Generationswech-sel, der Art, daß man über einen bestimmten Zeitraum hinaus ganz andere Indivi-duen oder Arten vorfindet. Wie groß ist nun die Dauer der Arten, und wie ofthat ein völliger Generationswechsel auf der Erde stattgefunden? Das sind natürlichsehr wichtige Fragen, von denen sich aber nur die letztere annäherungsweise beant-worten läßt. Sicher mehr als 30 mal hat ein Generationswechsel der Arten alstder Erde stattgefunden; und blieben dabei auch noch einzelne Arten von besonderslanger Dauer dieselben, so sind dagegen andere in viel kürzern Zeiträumen ausgestor-ben. Manche nämlich sind nur auf wenige Schichten beschränkt, während andere durchzwei oder mehre Formationen hindurch reichen. So erhalten wir denn, statt einerReihe von getrennten Schöpfungen von Pflanzen und Thieren, eine Anzahl von mehrals 30 mittlern Arten-Dauern, Arten-Wechseln oder Arten-Altern, in die sich allefossilen Wesen vertheilen, die. aber durchaus nicht scharf voneinander abgegrenzt sind-

Rückblick auf die Erdbildung.

Sollen wir hier nun zuletzt noch versuchen, einige allgemeine Bemerkungen übe»die Bildung der Erde anzufügen? Wir wissen wol, es sind nur Hypothesen; aberso lange man sich ihrer Unsicherheit bewußt bleibt, können auch Hypothesen nich^schaden, sondern nur anregcud wirken, als Sporn für die Forschung. Ihr Spi^räum ist in der Geologie oder vielmehr Geogenie besonders groß, da sie es mit u»'zugänglichen Räumen und mit längst vergangenen Zeiten zu thun hat, mit Zeiten 'aus denen meist nur dürftige Ruinen zur Durchforschung vorliegen. Unser leiten^Gedanke bei diesen Betrachtungen ist Hie Entwickelung der Dinge auseinander ""zwar des Mannichfaltigen aus dem Einfachen. Nicht als Zweck, aber als lctzt^Resultat des ganzen Erdentwickelungsprocesses betrachten wir den Menschen: in ih",hat sich die größte Mannichfaltigkeit gleichsam summirt und entfaltet; die compüs^teste Wechselwirkung der Kräfte kommt in ihm zur Erscheinung; in seinem Ge>1spiegelt sich die ganze Schöpfung; die Gesetze seines Denkens sind Folgen des Ssammten Erdentwickelungsprocesses, und es ist darum kein Wunder, wenn sie sch"^lieh stets Harmoniken mit den Gesehen der ihn umgebenden Natur. Aber auch ^ganze ihm vorangehende Entwickelungsreihe der Organismen ist in jedem Stad»>