Die Geologie. 363
ein Resultat der anorganischen Zustände. Auch sie spiegelt uns, insoweit wir siekennen, für jeden Zeitmoment den allgemeinen Charakter dieser Zustande ab.
Der Ausgangspunkt für jeden geogenekischen Versuch ist am meisten in Dunkelgehüllt; je näher der Gegenwart, um, so deutlicher und sicherer werden die Spurender geologischen Vorgänge. Je weiter wir uns durch dieselben zurück zu tasten suchen>n die fernste Vergangenheit, um so unleserlicher und lückenhafter werden die Schrift-züge der Natur. Will man aber den gesammten Entwickelungsproceß des Erdkör-Pers sich einigermaßen anschaulich und geordnet geistig vergegenwärtigen, so bleibtnichts übrig, als irgend einen Ausgangspunkt hypothetisch festzustellen, und dann zuversuchen, ob sich aus ihm der Verlauf der Dinge mit einiger Wahrscheinlichkeit ab-leiten läßt. ,
Die Gestalt der Erde, ein Notalionssphäroid, spricht dafür, daß die gesammteMasse derselben einst in gewissem Grade flüssig war, und die Natur ihrer Zu-sammensetzung gestattet, auf dem gegenwärtigen Standpunkte unsers Wissens, kei-neu andern flüssigen Zustand anzunehmen als den heißflüssigen. Dies ist der Aus-gangspunkt für die gegenwärtige Geogenie: die Beurtheilung Dessen, was ihm etwavorhergehen könnte, fällt in das Gebiet astronomischer oder physikalischer Spccula-tivn. Die Abkühlung dieses heißflüssigen Körpers, sowie seine Beziehungen zu SonneUnd Mond, liefern die wesentlichsten Grundursachen aller fernern Umgestaltung undEntwickelung. Denken wir uns nämlich einen heißflüssigen Erdball in einem Welt- >kaum von viel niedrigerer Temperatur, so folgt von selbst, daß er durch Wärmeaus-strahlung allmälig abkühlen wird. Die Abkühlung beginnt von der Oberfläche; solange aber der innere Wärmcfonds noch viel größer ist als der Schmelzgrad der Stosse,s° lange erfolgt keine Erstarrung. Ist dagegen die Gesammttemperatur bis nahe zumErstarrungspunkt vermindert, so beginnt an der Oberfläche die Erstarrung, die Bil-dung einer festen Kruste, zunächst vielfach wieder zerstört durch flutende Bcwegun-gen, bis endlich aus der Summe der gebildeten Schollen, wie aus bewegtem Wasserdurch Eis, dennoch eine feste Kruste zusammenbäckt. Die weitere Abkühlung dieserKruste gestattet den Bestandtheilen des Wassers, sich zu solchem zu vereinen. Vonnun an gesellen sich zu den fortdauernden Reactionen de§ flüssigen Erdmnern diezerstörenden und bildenden Wirkungen des Wassers an der Oberfläche. Die festepruste wird durch Abkühlung dicker nach innen, und durch Ablagerung local auchdEer nach außen. Wo jedoch diese äußern Verdickungcn sich sehr anhäufen, da ver-hmdern sie m gewissem Grade die Wärmeausstrahlung und bringen ein Aufsteigenökt 3nnentemperatur hervor, welches stch tzur Umwandelung oder Einschmelzung dererstarrten Kruste und selbst der untersten abgelagerten Schichten steigern kann.
Doch wir wollen diese Vorstellung, die kaum mehr als ein Phantasiebild ist,"icht in weitere Einzelheiten verfolgen, sondern zu der fernern Entwickelung zurück-kehren. Das Wasser bedeckt zunächst ziemlich gleichförmig die Oberfläche, da nochkeine fthr bedeutenden Unebenheiten der festen Oberfläche zu erwarten sind. In ihmentwickeln sich bei einer gewissen Temperatur den Zuständen entsprechende Organis-men. Die weitere Abkühlung schreitet langsam vor. Die vulkanischen Reactionenbrmgen mehr und mehr und immer größere Unebenheiten hervor. Die Resultatewie der des Wassers, summiren sich. Mehr und mehr, doch viel-fach wechselnd, sondern sich Land und Wasser, zugleich stets complicirker in den Be-grenzungsformen. Die größere Ungleichheit der aus verschiedenen Tiefen in eruptiverMesse emporgestiegenen oder durch die Zeit umgewandelten Gesteine bietet auch ein»mmer mannichfaltigers Material zu Zerstörungen und neuen Ablagerungen. GebirgeMgen empor. Die Wirkung der Sonnenbestrahlung wird bei abnehmender Ge-lammtkemperatur immer größer. Temperaturzoncn und klimatische Unterschiede tretenminier beutlicher hervor. In neuester Periode tritt auch die Eisbildung hinzu. DieMannichfaltigkeit der Formen und der Zustande wird immer größer und in Folge da-von auch die Mannichfaltigkeit der Organismen der Thiere und Pflanzen. Die stetsvollkommenere Gestaltung des organischen Lebens ist dadurch bedingt. Auch hier