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Siebenter Band.
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367
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Das russische Staatsleben. 367

nalkampfts gegen die Polen ( 1612 ), welchem die Berufung des HauseS Romanowauf den verödeten und entheiligten Thron folgte.

Diese Nativnalkhat hätte nun wirklich zum Beginn einer glänzenden nationalenStaatsentwickelung werden können, wenn Michael Romanow nicht ebenfalls demBojarenstande angehört hätte. Aber die Krönung eines Standcsgenossen machte daSBojareuchum zum Mitrcgrnten. Doch auch dann noch wären für eine nationalpo-litische Staatsgestaltung Hoffnung gewesen, wenn in der (damals noch freien) Volks-masse ein politischer Begriff gelebt hätte. Allein ihre Begeisterung für den Monar-chismus war eigentlich, wie bereits angedeutet, mehr dogmatischer Art. Sie hattedie Prätendenten gestürzt und eine neue Dynastie geschaffen, um der Enthciligungdes Throns ein Ende zu machen; und nebenbei hakte vornehmlich die Sorge dafürgewirkt, daß die dauernden Erschütterungen des materiellen Gemeindelebcns aufhörenmochten. So viel man auch in den sparsamen Quellen der Geschichte jener Staats-Veränderungen umhcrspüre, nirgends deutet, ein Zeichen darauf hin, daß dem Volkeaußer der Erschütterung seiner socialistischen Gemeindceinrichtung, sowie der Bewah-rung seines Begriffs von der Heiligkeit des Kronträgers eine umfassendere politischeIdee vorgeschwebt habe. Würden dies die Bojaren begriffen haben, so hätten siesich die Mithcrrschaft für immer sichern können. Doch sie standen ebenfalls in ihrerBildung zu tief; ihr eigenes Verhältniß zum Staate war durch die Sluschba ein zuwenig edles, als daß sie vermocht hätten, gleich dem Adel anderer Länder, die imAugenblicke der Wahl Nomanow's erzwungene ständische Beschränknng der Thron-macht zu einer populären, nationalhistorischcn, darum unumstößlichen Errungenschaftzu festigen. Anstatt das kommunale Interesse des Volks mit den eigenen politischenPrärogativen zu vereinen, benutzten sie diese nur, um von neuem an der nationalenGemeinde zu rütteln, d. h. um ihre superiore Stellung zu den Gemeinden so wu-cherisch als möglich auszubeuten. Darum konnte Alexei k. Michaelowitsch bereitsabermals auf die Sympathien der Massen vertrauen, als er den Entschluß faßte,wiederum alle Gewalten in seiner Hand zu vereinen. Klüger als seine Vorgänger

nicht einmal

Stamm überstürzte er sein Werk nicht. Wir wissen vielmehr, wie er.. . „ - die äußern Attribute der bojarischen Mitcegentschast antastete, wie er

dw bestehende Verfassung nur provisorisch aufhob, wie er die Stellung d s Klerusch-»'bar unberührt ließ. Allein ebenso bekannt sind die Mittel ^wonnt er dasProvisorium der Zarenallmacht in ein Definitiv»«' hi,".b-rl-.tete "''ddadurch tzse"wr unzulänglichen Nachfolger, für Peter l. nicht nur d,e Wege ebnete, sondemdessen Babncn selbst bestimmte. „ ^ ,

Heute beurtheilt man die Vorbedingungen für Peter I. freilich oftmals anders,und es gibt selbst Geschichtschreiber, welche ihn dadurch noch großer machen zu kön-nen glauben, daß sie sein ungeheures Werk in der Weise darstellen, als sei es, wiePallas Athene aus Zeus' Haupte, so ohne dringende Voraussetzungen und Nökhi-gungen aus seinem Willen hervorgegangen. Auch ist es keineswegs ohne kulturhi-storische Bedeutung, daß gerade diese Art der Auffassung vorzugsweise den russischenSchriftstellern eigen ist. Sie stimmt vollkommen mit dem autokcatischen Principezusammen, welches ebenso wenig von der Macht der Geschichte als von der natio-nalen Nothwendigkeit Gesetze seines Handelns, Bedingungen seines WollcnS anerken-nen mag. Unsers Erachtens liegt dagegen eben darin, daß Peter intellektuell an d,ePeriode Alexei Michaelowitsch's anknüpfte, der größte Beweis geistvoller Anffassiliigseiner Aufgabe nnd Verpflichtung. DaS Werk desselben war mit dessen Tode abge-brochen, seine Nachfolger hatte» an Macht nach außen wie im Innern wieder ein-gebüßt, was er errungen. Alcxei war überhaupt nur dahin gelangt, das chaotischeWirrniß des.Staatsniechanisnms formell zu ordnen; aber die lebendige'Masse, dasVolk, war in seiner ursprünglichen Roheit verharrt. „Peter I. begann seine Ncfor-">en mit der Idee, trotz der Umgestaltung so vieler Äußerlichkeiten, doch nur einenU'ssischen, keinen cntnationalistrendcn Culturfortschritt erzwingen zu wolle». Geradeb" Anfang seiner Regierung zeigte, wie er nur Äußerlichkeiten verändern, nicht das