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Siebenter Band.
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Das russische Staatsleben.

innere Wesen der Gesellschaft verletzen wollte. Freilich mußte er selbst zur Errei-chung dieses Zwecks daS System Jwan's lV. wiederholen; aber der Grund dafür lagmindestens nicht weniger in dem Widerstände der Bojaren als in dem persönlichenCharakter des Zaren. Und schien denn nicht sein gewaltsames Verfahren gegen dieGroßen und Vornehmen auch dieselben Vortheile für die Massen bringen zu wollen,welche dem Volke noch heute so außerordentlich erscheinen, daß seine Sagen den„Schrecklichen" (Iwan lV.) in volksfrcundlichcr Gestalt, niemals in feindlichemSinne erscheinen lassen? Ein machtvoller Zar mußte jetzt, da unter Alexe! I. Mi-cha'elowitsch's Nachfolgern beinahe wieder dieselben Zustande, wie bei und »ach demErlöschen des Nurik'schen Stammes herrschten, als rettender Engel begrüßt werden.Da nebenbei die äußerlich greifbare» Reformen in der Kleidung, den gesellschaftliche»und nationalen Sitten daS eigentliche Volk beinahe unberührt ließen, so ließ mansich ebenfalls mancherlei andere Eingriffe gefallen, weil sie doch eine endliche Ordnungverhießen. Eine Geschichtschreibung in demokratischem Sinne würde vielleicht sagen:der Fanatismus der Ruhe und Ordnung unterdrückte das höhere Volksbewußtsich.

Dieses scgenannte bessere und höhere Volksbewußtsein wäre auch gewiß allma-lig erwacht; wen» nicht von selbst, so doch durch die Aufreizungen dürch jene Ele-mente mit selbständigen Ansprüche», welche von Pctcr's eiserner Faust blutig nieder-geschmettert waren. Und die einheimischen waren es sämmtlich. Aber Peter wareben nicht blos ein Titan; er war mehr, auch ein Araus. Er erkannte sehr wohl,daß seine Schöpfung der neuen Ordnung der Dinge als solche keinen einzigen na-türlichen Verbündeten habe, daß ikw vielmehr Alles gegnerisch gestellt sei, wenn ernicht vermöchte, ganz neue Interessen in das Land zu führen und des Volks Blickevom Verluste angecrbter Gewohnheiten und herkömmlichen Dahinlcbens auf de»möglichen Gewinn jenseits der heimischen Grenzen zu lenken. Dies nölhiglc ihn,die ursprüngliche Idee einer russischen Culturschöpfung mehr und mehr zu verlasse»und eine europäische an ihre Stelle zu setzen. Hier beginnt seine Abirrung von dernatürlichen, historisch gesetzten Aufgabe. Dies nicht darum, weil Peter eine Euro-paisirung anstrebte, sondern weil er sie mit Bcivchaltung der russischen Voraus-setzungen, mit Beibehaltung, der politischen Unmündigkeit des Volke und mit legalerVernichtung seiner naturwüchsigen socialen Institutionen anstrebte. Was das Aus-land an materiellem Gewinne gewähren könne, hatte die Heranziehung seiner Cul-turergebnisse verlockend gezeigt. Waren diese Vortheile nicht noch bequemer und voll'ständiger auszubeuten, wenn das Ausland abhängig gemacht würde von Rußland,wenn die bisherige Abwehrpolitik in eine Eroberungspolitik verwandelt würde? Ei»solcher Gedanke, eine solche Wunschfrage in ein Volk geworfen, welches soeben z»>»ersten male seiner bisher latenten Kräfte sich bewußt zu werden beginnt, kann selbstden Herrscher dieses Volks zwingen. Petcr's Eigantenkraft wußte nun zwar »o^die Mittel der Bändigung zu finden und zu handhaben: seine Politik war blos »ostlso weit erobernd, als er es bedurfte, um ein wirklich unabhängiges Reich herzustr»lcn; eine eigentliche Erobererpolitik war sie nicht. Aber der expansive Charakterwar ihr doch bereits gegeben, und die Centrifugalkraft dieser Richtung mußte in de»'Maße an fortreißender Gewalt zunehmen, in welchen! unter seinen Nachfolgern ^ !Jntensivität der autokratischen Kraft des Zaren durch das Wiederaufleben der Adels'macht abnahm. Das siebzigjährige Frauenregiment nach Peter hat den Beweis f>^diese Wahrheit geführt. Dies angenommen, wird man auch dem höflichendes Pentarchisten bedingungsweise zustimmen, wenn er sagt: „Lag dem EroberM'S ° .geist« wirklich eine innere Nöthigung zu Grunde, so darf dieselbe einzig nur in ,lands auswärtigen Beziehungen gesucht werden; aus der einfachen Ursache, weil d !ftr unruhig», rastlos thätige, das nördliche und östliche Europa in fortwähre»»Spannung und Verlegenheit erhaltende Geist jener russischen Regierungen die >»'"Zustände des Reichs als einer Hähern Bestimmung und Richtung untergeord»betrachtete." Allein eben darin liegt die Nemesis dieser Unnatürlichkeit der ssssss..Zustände Rußlands noch heute: ihr Bestand ist ausschließlich an die Persönlich