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Siebenter Band.
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369
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Das rassische Siaatsleben. 369

des Monarchen gekettet. Eine ununterbrochene Reihe von gekrönten Titanen, gleichPeter l., wäre die Bedingung, welche ausschließlich eine Garantie des bestehendenStaatsbegriffs Rußland geben könnte, wenn nicht fort und fort in Rußlands aus-wärtigen Beziehungen das Äquivalent dieser Unmöglichkeit geboten werden kann.Diese auswärtigen Beziehungen dürfen niemals eine Ordnung und Stätigkcit desGanges der europäischen Politik zu Stande kommen lassen, wenn nicht der Zaren-absolutismuS sein eigenes Todesurtheil unterschreiben will. Rußland darf den Zwie-spalt zwischen Herrschenden und Beherrschten nie ersterben lassen, wenn seine Kron-tra'gcr nicht einen Theil ihrer unbeschrankten Macht dem Staate überlassen wollen.Rußland muß unter dem Banner der Verfechtung deS Svnveranctatsprincips vonGottes Gnaden das Schwert der Revolution immer von neuem heraussodelii, da-mit niemals durch legale Reform ein Friede stipulirt werde zwischen den historischenAnsprüchen der Dynastien und den natürlichen Rechten der Nationen. Nur in derDauer dieses schwankenden Kanipfes ankert die Möglichkeit der Erhaltung semeSantvkratischcn Princips. Darum gibt es in Europa nur zwei wirkliche Machte:die Revolution und Rußland. Aber Gegensätze sind sie ebenso wenig, wie Social-wmmunismus und politischer Despotismus, wie Barbarei und Uberseinerung. Siegehören vielmehr unauflöslich zueinander, in der Existenz des Einen wurzelt die r.e-bensdauer des Andern. Endet Europa die Revolution, so ist das Ende des heuti-gen antokratischen Rußland gekommen. Daß dies nicht geschehe, das ist der^iei-punkt aller auswärtigen Politik Rußlands seit Peter l. Europa soll sich der Mög-lichkeit niemals bewußt werden, daß es die Revolution zu enden vermöge; seine Dyna-stien sollen in der Täuschung erhalten werden, sie vermöchten es, dieselbe einseitig

Bei genauer Betrachtung der innern Zustände Rußlands läßt sich allerdings»>cht verkennen, daß diejenige Gestaltung deS StaatslebcnS, worauf sich die ausgrei-fende Politik basirt, mit Alexander ihren Gipfelpunkt erreicht hat. Und in dieserErkenntniß wurzelt sicherlich ebenso die Empörung aller Gemüther gegen die unge-schwächte Fortdauer russischer Einmischungen in alle europäischen Streitfragen, wiein den, Bewußtsein, daß eben nur wieder das immer neue Aufflammen der Nevo-lntion und des Kriegs daraus hervorgehen kann. Trotzdem kann eine Histvrisch-P°l>-t-sche, von allen Erregtheiten freie Betrachtung der Wechselbeziehungen zwischen Nuß-land und Europa ebenso wenig die traurige Wahrheit abweisen, daß Rußland seineausgreifende Politik keineswegs zu enden vermag. Es ist ihr selbst Unterthan ge-Worden. Rußland gleicht darin Frankreich. Dort wurde am Ende des 15. Jahr-hunderts mit dem Kampfe gegen das östreichisch-spanische Haus die äußere Poli-tik zum vorherrschenden Staatszwccke, dadurch die Centralisation zur Unvermeidlichkeit.Denn es galt die Zusammenfassung aller Staatskräfte zur Erreichung der Zweckeder äußern Politik. Ebenso ist es mit Rußland. Anfangs trieb die Noth und derDrang der Selbsterhaltung zur Concentrirung aller Kräfte in der Hand eines Ein-zigen; dann mußte» die aufgehäuften Kräfte, wenn sie nicht zerstörend in sichselbst hineinwühlen sollten, in fortwährender Beschäftigung nach außen erhalten wer-den. In dieser Beziehung hoben auch Jene vollkommen Recht, welche behaupten.Rußland werde durch sei» Heer fortwährend zu einer erobernden Politik gezwungen.Aber freilich haben auch die russischen Schutzrcdncr, welche diese erobernde TendenzVerleugnen, ebenso vollkommen Recht, wenn sie den Wortlaut dieses Satzes mit son-^räner Verachtung verwerfen. Denn allerdings ist er in seinem Wortlaute falsch,eals solches zwingt Rußland nicht zum Erobernngsprincip; daS Heer alssolches ist in seiner Größe und Organisation vielmehr selbst schon ein Produkt derje-nigen Politik, welche darum erobernd sein muß, weil sie im innern Ttaatsleben nichtvrganisch entwickelnd zu sein vermag. Sie muß das in ihrer Hand vereinigte Ma-wrial an Kräften verwenden, weil sie dessen freie Entfaltung und selbstbcstimmendeThätigkeit nicht zugeben darf; sie muß die lebendige Kraft im Heere verwenden, da-Die Gegenwart. VII. 24