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Siebenter Band.
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Daö russische Staatslcben.

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Epoche den Anfang eines naturgemäßen Verhältnisses zwischen Ost- und Wessen,ropa, einer parallelen Entwickelung der territorialen, intcllcctlicllcn und moralischenMachlvertheilung zu entwickeln. Aber Rußland hätte dann, um mit dem Pentar-chisten zu reden, „sich selbst leben" müssen. Anstatt dessen erhöhten sich seineäußern Ansprüche um so anmaßlicher, je mehr es sich auch in seinen ofsiciellen Le-bensäußerungen von der Gemeinsamkeit mit Europa entfernte; anstatt dessen wu»den die Berufungen auf seine prajudicicllcn Stellungen, die ihm die bisherigen Wech-selgange der Politik gegeben, um so pcrcmtorischer, je weniger es die daraus her-vorgehenden Verpflichtungen zu erfüllen willens war. Die Petersburger Politikstellte ihre nur sogenannten nationalen Bedingungen über alle äußern Verbindlichkei-ten, und vermischte dagegen das Unabhängigkeitsstreben der europäischen Volker vor-bedacht mit revolutionärer, antimonarchischer und atheistischer Anarchie. Die Gängeauf diese», Wege gleichen den frühern. Nur in einer Beziehung waren sie geändert.Früher ließ Rußland Andere für dieses Princip kämpfen, jetzt ward eS selbst in denKampf verwickelt.

Um die Verhältnisse gehörig zu würdigen, müssen wir an die Schlußaußerungendes vorhergehenden Abschnitts erinnern. Bis zu- Alexander's Tode hatte Rußlanddie coniinentalcn Mächte mit der Nevolutionsfurcht regieren können, während esselbst furchtlos in Polen, den Donauländern und Hellas mit der Revolution„experi-mcntirte. Sei» Standpunkt über dieser Furcht gab ihm die Macht. In Ostreichwirkte schon in Rücksicht auf die Eigenthümlichkeit seines innern Staatsgcbildes jeneFurcht für Rußlands Plane am förderlichsten. Östreich war ferner in der Meinungbefangen, der europäische Frieden und die Restauration habe seine alle Geltung undStellung in integrum restituirt. Es vergaß die mit den flanderischcn und burgundi-schen Verlanden im Westen, die mit Schlesien und der gallischen Position im Ostenverlorene Macht; es vergaß den mit dem deutschen Kaiser- und römischen Königstitelverbundenen unwiederbringlichen Verlust seines traditionellen Nimbus in Italien undder Schirmvogtei über die katholische Kirche; es verkannte endlich, wie Frankreichnie und nimmer den alten Einfluß auf das südwestliche Deutschland wiedergestattenwerde, wodurch alle Eingänge in die Schweiz, alle Pforten Ostfrankreichs gedecktwerden. Von solchen west- und südwestwärts gewendeten Richtungen befangen, ge-rieth es im Osten in die üble Lage, die Gefahr der türkischen Vorschütte Rußlandszu erkennen, ohne sie hindern zu können. Und gerade als es (1828) zum erstenmale Miene machte, Rußland in der Türkei zu widerstreben, stand Karl X,, miteinem Einmarsch in Italien drohend, vollkommen zum Zaren. Wäre nun Ostreichauch geneigt gewesen, durch die Gestattung freierer Entwickelungen in seinen Erb-landen sich vom Osten zu cmancipiren, so war es darin wieder durch Italien ge-bunden. Denn hier wäre jede freiere Verfassung zu seinem Nachtheile ausgebeutet

worden. So gelangte das wiener Cabinet dahin, die Verhinderung der politischen

Reform in allen italienischen Staaten zu seiner Aufgabe zu machen. Im Osten abersetzte es seinen ganzen politischen Bestand aus das verderbliche Schaukelsystem zwi-schen Ungarn und Slawen, während England seine (just an dieser Stelle so äußerstwichtigen) Verbindungen mit deni „ältesten Bundesgenossen" löste, den eS in der"icht wirksam erkannt halte. Friede, Freundschaft und herzlicheswölü« .«"^1Rußland schienen sonach die Ankerketten des östreichischen Systems,wohm es auch bückte. Es bot dem Feinde aus guten Gründen seine guten Dienstean. Aber es vermochte ih„ ^ controlircn, nicht zu contrecarrircn. Auch Prell-ßcn war seit 1818 der russische» Politik beinahe gänzlich gefolgt. Die türkischen-Umgelegenhetten konnten ihm nicht zu einer Lebensfrage werden, und im Norden""""keine faßbaren Anhalte zu einer gegenrussischen Politik gegeben. Persönlichkeitenund Neigungen drängten überdies zur Bewunderung der Politik des Zaren. Undwenn trotzdem bei dem Bunde irgend ein Schritt zu strafferer Concentration.derdeutschen Kräfte von Berlin aus geschah, konnte man mit Bestimmtheit auf Ost-reichs, Baierns, ganz Südwestdeutschlands Widerwillen rechnen.