Die Chemie. ^0 s
auflösen. Bestreicht man mit der alsdann erhaltenen, braun aussehenden Flüssigkeit
das Papier, so nimmt dieses sogleich eine violette Farbe an, wenn es gestärkt war, ^
während es im andern Falle unverändert bleibt. Am wichtigsten ist jedoch das Jod
durch seine entschiedene medicinische Wirksamkeit, die sich namentlich auf das Haut- !
und Drüsensystem erstreckt. ^
Fluor, !
Das Fluor bildet in Verbindung mit dem Metalle Natrium den Flußspath, einschön krystallisirtes, jedoch in sehr untergeordneten Verhältnissen auftretendes Mineral.
Von allgemeinem Jnrercsse ist bei diesen, Stoffe nur die Einwirkung desselben ausGlas, in Folge welcher es zum Ätzen und Mattircn desselben angewendet wird.
Kohlenstoff.
Der Kohlenstoff ist dagegen ein Körper, der unsere Aufmerksamkeit in nmfas.stnder Weise beansprucht, wie er denn schon in der vorläufig gegebenen Übersichtunter den Stoffen von allgemeinster Verbreitung und Bedeutung angeführt wurde.
Wir wollen hier gleich die überraschendste Thatsache in Beziehung auf dieses Ele-ment an die Spitze stellen, nämlich die, daß der Diamant reiner und krystallisirterKohlenstoff ist, daß also dieser kostbare Körper dem Wesen seiner Materie nachein- und dasselbe ist mit der gewöhnlichen Holzkohle. Diese Thatsache ist zu auf-fallend und für manche allgemeine Folgerungen zu wichtig, als daß wir dieselbenicht durch einige Nachmessungen näher begründen sollten.
Nicht leicht möchten zwei Körper aufzufinden sein, von solcher Unähnlichkeit, wiesie der Diamant und die Holzkohle in ihren sämmtlichen äußern Eigenschaften dar-bieten. Der Diamant, der härteste aller Körper, ist dicht, vollkommen farblos unddurchsichtig, und sein außerordentlicher Glanz, sowie sein ausgezeichnetes Lichtbre-chungsvermögen erheben ihn bei der Seltenheit seines Vorkommens zum kostbarstenaller Körper, und schon bei dem bloßen Namen des Diamants. erhebt sich leicht dirPhantasie zur Vorstellung des wcrthvollstcn und glanzwürdigsten aller irdischen Ma-"r'e. Unwillkürlich reihen sich an seinen Namen die Bilder des Reichthums, derMacht und des Überflusses, wenn bei prachtvollen Festlichkeiten das Auge geblendetwird vom Glänze und Farbenspicl des in Diamanten-Diademen tausendfach gebro-chenen Lichts. Gegenüber diesem Bilde des Glanzes erscheint die düstere Wcrk-tagsgestalt der Holzkohle, von schwarzer Farbe, porös und zerbrechlich, die u»S denrauchenden Meiler und die rußende Esse, diese Stätten des cntbehrungsvollen Lebensund der schweren Arbeit, vor die Seele ruft; und — diese Kohle und jener Diamantwären identisch? Wir können hier freilich nicht alle Thatsachen und Versuche an-führen, auf welche diese Überzeugung sich gründet; allein bemerkenswerth ist, daßschon 1694 auf Veranlassung des Großherzogs von Toscana, Cosinus lll., in Flo-
Versuche angestellt wurden, welche zeigten, daß der Diamant im Brennpunkte^ner großen Brennglases vollständig verschwand. Ja, in großem Maßstabe von Kaiser»ranz i. 175 z veranlaßte Versuche zeigten, daß, als für ungefähr 6000 Gulden'"Wanten und Rubinen während 24 Stunden in heftigem Feuer gehalten wurden,
. "si"n hierbei vollständig verschwanden, während die Rubinen keine Veränderungwu. Dieses Verschwinden beruhte einfach darauf, daß, die Diamanten verbranntwaren; denn genaue Untersuchungen bewiesen, daß der Diamant sich dabei mit Sauer-?°ll vereinigt und ein Gas bildet, welches auch durch das Verbrennen von gewöhn-Ucher Kohle erhalten wird, nämlich Kohlensäure. Eine ganze Reihe weiterer der-«'eichender Versuche hat bestätigt, wie in chemischer Beziehung Kohle und Diamantganz ein und dieselbe Art von Materie sind. Wenn es uns bis jetzt nicht gelungen'st, die Kohle in einen solchen Zustand überzuführen, daß sie die äußern Eigenschaf-d m ^"""ants nämlich Härte, Glanz und Durchsichtigkeit annimmt, so liegt« Grund hierzu wol weniger in der Unmöglichkeit an sich, als vielmehr darin, daßw hierzu wahrscheinlich erfoderlichen Bedingungen außerhalb der uns zu Gebote