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Siebenter Band.
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438 Die Chemie.

gehört mit zu den interessantesten und fruchtbarsten Epochen der Entwickelungsge-schichte der Chemie. Das Chlor ist zwar ebenfalls gasförmig, wie die vorhergehen-den Stoffe, allein es hat eine schwach grünlich-gelbe Farbe und einen eigenthümli-chen, erstickenden und zum Husten reizenden Geruch. In geringer Menge eingeathmet, !wirkt es schon nachtheilig auf die Lunge, sodaß wir es geradezu als giftig bezeichnenmüssen. Wenn dieses Gas in einer geeigneten Vorrichtung stark zusammengepreßtwird, so verdichtet es sich zu einer gelbbraunen Flüssigkeit. Es erscheint an diesem lStoffe auffallend, daß er niemals in reinem, unvcrbundenem Zustande und überhauptnicht in großer Masse sich vorfindet, obgleich er eine sehr allgemeine Verbreitung hat. >

Dessenungeachtet ist er nicht nur für die wissenschaftliche Chemie eines der interessan- >

testen, sondern auch für die Ökonomie und Gewerbe eines der wichtigsten Elemente. §

Es beruht dies auf der großen Fähigkeit des Chlors, sich mit alle» übrigen Ele-menten ohne Ausnahme zu verbinden, in welcher Beziehung es theilweise sogar denSauerstoff übertrifft. Das Kochsalz erscheint als derjenige Naturkörpcr, in welchemfast der ganze Verrath von Chlor niedergelegt ist, denn die Analyse hat gefunden,daß in je 100 Pfund desselben 60 Pfund Chlor enthalten sind. Das Kochsalz bil-det aber i» Hinsicht auf seine Masse einen äußerst geringen Theil der Erdrinde. i

Spuren desselben finden sich dagegen fast in jedem Wasser und in jedem Boden. i

Das Chlor vereinigt sich außerordentlich leicht mit den Metallen, und selbst die edel-sten derselben, wie Gold und Platin, werden rasch von Flüssigkeiten, die freies Chlorenthalten, angegriffen und aufgelöst. Die Verbindungen des Chlors mit Metallenwerden Chlormetalle oder Haloidsalze genannt, und sind meist in Wasser löslich undkrystallisirbar, Eigenschaften, die uns am bekanntesten derselben, am mchrerwähntenKochsalze leicht bemerklich werden. Es ist dies eine Verbindung von Chlor mit demMetalle Natrium. Gegen Pflanzen- und Thierstvffe äußert das Chlor eine schnell j'zerstörende Wirkung, von der man, in geeigneter Beschränkung gehalten, ungemeinwichtige Anwendungen zum Bleichen und zum Zerstören übelriechender Gase und indie Luft übergegangener Krankheitsstoffe macht. Die wichtigsten der zahlreichen, inden Gewerben und in der Medicin angewendeten chlorhaltigen Verbindungen sind, !außer dem Kochsalze, die Chlorwasserstoffsäure oder Salzsäure und der Bleichkalk.

Brom.

Das Brom, das erst 1826 entdeckt wurde, ist ein flüssiger Körper, von braun-rother Farbe und starkem chlorähnlichem Gerüche. Es ist ein seltener Körper, derin geringer Menge in einigen Salzen des Meerwassers und mancher Salzquellen,am reichlichsten in der von Kreuznach enthalten ist, sodaß man ihm eine besondere nie-dicinische Wirksamkeit zuschreibt. Dies ist auch der einzige Grund, weshalb wir eshier anführen, da es sonst keine bcmerkenswerthe Anwendung hat.

Jod.

Das Jod, seit dem Jahre 1812 bekannt, ist ein Stoff von sehr interessantenEigenschaften. Es ist fest, von grau-schwarzer Farbe, etwas glänzend und in seinem IÄußern sehr der Ofcnschwärze ähnlich. Beim Erwärmen verwandelt sich jedoch dasJod in einen Dampf voll wunderschöner, veilchenblauer Farbe, dessen Geruch eigen-thümlich an den des Chlors erinnernd ist. Auch das Jod ist ein seltener Stoff,von welchem im Binnenlande kaum Spuren in einigen Salzquellen angetroffen wer-den. Die Salze des Meeres enthalten dagegen Jod, verbunden mit Natrium undMagnesium, und man gewinnt eS ausschließlich aus der Asche der im Meere wach-senden Pflanzen, der sogenannten Tange. Eine weitere Eigenthümlichkeit des Jodsist die, daß es mit Silber eine gegen das Licht ungemein empfindliche Verbindungdarstellt, auf welches sich die Erzeugung der Lichtbilder oder Daguerreotypen gründct-Wenn Jod mit Stärke zusammenkommt, so ertheilt es dieser augenblicklich eine leb-hafte blaue Farbe. Wollte man z. B. wissen, ob ein Schreibpapier mittels Starkeoder Leim zubereitet ist, so darf man nur ein Körnchen Jod in etwas Wcingeq