534 Der Socialismus in Deutschland.
denn es ist kaum zu bezweifeln und vielfach in den Papieren Weitling's bestätigt,wie man seine Gewandtheit und seine Eitelkeit benutzte, um eben in einem Märty-rer den Boden für eine Partei zu gewinnen. Jedenfalls war der schweizerische Com-muniSmus mit dieser Geschichte im Wesentlichen zu Ende. Weitling ward zu einemkurzen Gefängniß verurtheilt und dann aus Zürich verwiesen. Seine Partei lebte zwar >fort, und eine kleine Broschüre nach der andern erschien theils über ihn selbst, theilsüber die Verhältnisse der Schweiz, allein die bessern Elemente des Volks, zur Ein-sicht gekommen, wandten sich durchaus von der ganzen Richtung ab. Der Restderselben versuchte dann noch in Lausanne und Neuenburg die alten geheimen Ver-bindungen im Gange zu halten, bis endlich im Jahre 1846 die Regierung vonNcuenburg der Sache ein Ende machte und zugleich einen „ Gencralbericht an denStaatsrath von Neuenburg über die geheime deutsche Propaganda" veröffentlichte,in welchem die vollkommene Nichtigkeit, gepaart mit allerlei Elendigkeiten der Führerdieser ganzen Partei, so definitiv klar und urkundlich nachgewiesen wurde, daß voicda an auch nicht einmal mehr die Rede von einem schweizer Communismus gewesenist. Damit zugleich ließ ein gewisser W. Marr, einer der Führer dieser letzten CoM-munisten an den Alpen, ein Buch drucken: „Das Junge Deutschland in der Schwcij-Ein Beitrag zur Geschichte der geheimen Verbindungen unserer Tage" (Leipz. 1846),das nicht allein von der vollständigen Verkommenheit jener Sekte, sondern zugleich vonder unverschämtesten Ausbeutung der armen Eingeweihten durch ihre tagediebischenHäupter ein wunderbar verworfenes Zeugniß gibt. Die Sache war zu Ende. Weit-ling selbst war lange fort; er hoffte auf eine Zukunft, die sich aus einem andernPunkte zu eröffnen schien.
2) Der rheinische Communismus.
Während auf diese Weise der schweizerische Communismus in sein Nichts zer-I-rann, trat auf einem andern Punkte eine Bewegung ein, die, an tiefere Gegensätzeanknüpfend, bald selbst eine tiefere Bedeutung gewann. In den Rheinprovinzcn despreußischen StaatS lebte schon lange eine sehr entschiedene und allgemeine Opposition §gegen das System der Regierung, und es ist nicht ohne Interesse, sich die Nattt^Ldieser Opposition zu vergegenwärtigen. Die beiden großen Theile der preußische"«Monarchie sind keineswegs blos räumlich voneinander geschieden. Der Osten, vo"Magdeburg an, ist bewohnt von jenem aus Sachsen, Wenden und Polen zusaff'mengewachsenen Volke, das weder durch gemeinsame Abstammung, noch durch eii"entschiedene Individualität, sondern allein durch seine Geschichte den Namen dttPreußen bekommen hat. Dieser Staatskörper ist gebildet durch die Eroberung d<*Deutschen; und, wie das der sociale Charakter aller auf Eroberung basirtcn Staatsist, seine Bewohner waren, mit Ausnahme einiger wenigen bedeutenden Städte, haups'sächlich der grundherrliche Adel und die Hörigen, der der Leibeigenschaft erstStein's großen Maßregeln völlig entronnene Bauernstand. Hier war daher die He!"'^aller Privilegien und Rechte der großen Grundbesitzer und des Adels. Eine herrsche"^Classe der Gesellschaft schied und scheidet sich noch gegenwärtig strenge von derterworfenen; Stadt und Land stehen in scharfem Gegensatze, und man ist nichtwohnt, die bürgerliche Gleichheit als das Niveau anzunehmen, das allen sociale»staatlichen Unterschieden als Grundmaß dient. Ganz anders dagegen sieht es "Rhein aus. Hier lebt noch auf ursprünglichem Boden das Geschlecht derFranken, Westfalen, im Norden die Friesen, im Süden die Alemannen. Auch ^ ,gibt es Fürsten und Adel, allein sie sind nicht Herren eines durch ihre Waffe".!frei gewordenen Volks: sie sind die Vorzüglichsten unter den Gleichen, und daserkennt sie als einen Theil seines eigenen Lebens. Diese Reste des feudale"standes werden hier zugleich auf allen Punkten überragt durch die industrielle Gei^,schaff und ihre Macht. Das Rheinland, bis Westfalen hinein, mit dem eh"^,digcu Köln als Mittelpunkt, hat unter allen deutschen Landen am meisten dem ,pulse nachgegeben, den die Continentalsperre den Capitalien und gewerblichen Kr
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