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Der Socialismus in Deutschland.
mentarische Vertretung als die Grundlage künftiger Ruhe aufstellte. Da nun er-zeugte eine begründete Besorgniß, was einst die verzweifelnde Noth erzeugt hatte:man gab einen Augenblick, in Berlin nach, und das Versprechen von 1818 wardgegeben. Von jetzt an glaubten die Rheinlande der Sache gewiß zu sein.
Allein ein Jahr nach dem andern verstrich. Die Verhältnisse Europas gewan-nen immer festere Gestalt. Frankreich beugte sich der Restauration; Spanien undNeapel wurden gedemüthigt. Eine Gefährdung von außen schien undenkbar, und derRest der alten ständischen Gesellschaft hob in allen Reichen sein Haupt. Die indu-strielle Gesellschaft kämpfte vergebens, selbst in England unterlag sie. In Frankreichwar die Zeit Karl's X. gekommen; Metternich herrschte in Deutschland; Stein lebtefern vom preußischen Hofe, dem er so große Dienste geleistet. Die Schwingung derEntwickelung war auf ihrem tiefsten Punkte angelangt: wie hätte da das Rheinlandan eine Erfüllung eines Versprechens denken können, das immerhin gerade in Preu-ßen eine ganz andere Bedeutung für Europa hatte als in jedem andern Staate?Die Reaction siegte entschieden; die Anhänger der parlamentarischen Herrschaft wur-den verfolgt, Arndt, Iahn und Ander« gemaßrcgelt; die Hoffnungen der industriellenGesellschaft schienen für unabsehbar lange Zeit beseitigt.
Es kann die Zeit nicht mehr allzu fern liegen, wo die Männer, deren Gedan-ken und Lebensaufgaben sich mit den Angelegenheiten der staatlichen Ordnungen be-schäftigen, zu der Einsicht gelangen müssen, daß die Entwickelung der Verfassungenebenso bestimmten Gesetzen unterliege, wie die alles organischen Lebens. Wennman dahin gelangt sein wird, werden uns viele Dinge und Ereignisse, die jetztnur als historische Thatsachen dastehen, als ganz natürliche und nothwendige Er-scheinungen in ihrer organischen Einfachheit entgegentreten; andere aber, die jetztdunkel sind und als zufällige oder doch unbekannte Gestaltungen der Zukunft in>Schoose der Götter zu ruhen scheinen, werden mit derselben Bestimmtheit den Be-rechnungen scharfsichtiger Männer unterliegen, mit der das scheinbar Unberechen-barste, die Lebensdauer der Menschen, ja mit der die festen Ordnungen höhererBewegungen durch lange Arbeit uns bekannt geworden sind. Zu jenen Gesetzesin Bezug auf die Entwickelung der Staatsverfassungen gehört aber als ein Grund-gesetz dies, daß die Staatsverfassung niemals etwas Ursprüngliches, sondern daß siein allen Formen nur die Consequenz der gesellschaftlichen Ordnung ist. Jede gesell-schaftliche Ordnung hat ihre Verfassung, und mit Nothwendigkeit wird eine Gesellschaftentweder untergehen, oder sich auf irgend eine Weise die ihr eigenthümlich angehörtVerfassung erzeugen. Die beste Verfassung ist hiernach eben immer die, welche mitder ihr entsprechenden gesellschaftlichen Ordnung harmonirt. Nun zeigt aber die Ge-schichte, daß während jener staatlichen Reaction in Europa die Entwickelung der imdustriellen Gesellschaft nicht gehemmt, daß sie sogar gefördert wurde. Es gewählteine sehr eigenthümliche Erscheinung, wie zu gleicher Zeit die Gesetzgebungen die Dst'fassungen auf die Basis der Herrschaft des Grundbesitzes zurückzuführen suchten, wäh'rcnd die Verwaltungen die Herrschaft des gewerblichen Capitals auf alle Weise n'italler Kraft des Staats förderten! Wie konnte der Jnstinct, dieses unbewußte Leb^der absoluten Gesetze im Menschen, noch an dem Siege der parlamentarischen Bes'fassung zweifeln trotz aller Reaction? Und er zweifelte in der That nicht. Sow^uns die Zustände jener Zeit in Erinnerung sind oder in Zeugnissen vorliegen,kein verständiger Mann in ganz Europa die Dauer der Reaction vor 1830 ^möglich gehalten zu haben: nur daß der Zeitpunkt des Bruchs mit derselben all^"dings unberechenbar war. Und so ruhte der Zustand dcr Dinge in ganz Eur»s^und namentlich auch in Preußen, auf einem anscheinend wunderbaren, in deraber ganz natürlichen Widersprüche.
Da kam die- Julirevolution und das parlamentarische Königthum. Wirfstheben uns alles weiter« Nachweises, wie diese Revolution mit der gesellschaftll^.zGestalt Frankreichs zusammenhing. Aber jetzt schien auch die Zeit des Durchsfür die Rheinlande gekommen. Die Bewegung.wuchs; aber die Macht des D>»y