Der Socialismus in Deutschland. 547
Verein nichts als eine neue Form der Armenunterstützung, über deren Zweckmäßig-keit man sehr in Zweifel sein konnte. Sollte er die Ideen aber aufnehmen, warwar er dann anders als der bloße Kampfplatz aller möglichen und unmöglichensocialistischen Vorschlage, die ihn entweder sich am Ende unterworfen oder sich ne-dsst ihn hingestellt hätten mit ganz gleicher Berechtigung, aber unvcrhältnißmäßigemEinflüsse. Offenbar war die Absicht gut, aber der Plan war verfehlt. AnfangsMsi man die Unmöglichkeit, mit. einem solchen Vereine zu operircn, für eine Schwie-rigkeit des Neuen und Ungewohnten, und die literarischc Begeisterung hielt ihn anf-acht. Bald aber sing man an zu begreifen, daß jene Schwierigkeiten einen tiefernGrund hätten, daß man mit der Natur der Sache selbst kämpfe; die Theilnahme
erlahmte. Der Bürgerstand fing außerdem an bedenklich zu werden, weil sein nüch-
terner Verstand das rechte Ende nicht absah, und endlich fand die Polizei es unbe-quem, daß sich in diesem Vereine eine neue, sclbstverwaltendc Macht im Lande^"stituircn wolle. So ward allmälig aus dieser öffentlichen Angelegenheit eineSache Einzelner, und je mehr dies der Fall, desto schärfer traten in ihm auch dieExtreme auf. Fast wider seinen Willen ward er ein Organ der Opposition, undeinmal in die agitatorische Stellung hineingedrängt, hatte er seine wahre Macht
gänzlich verloren. Jetzt konnte die Polizei ihn in die Kategorie des Unliebsamen >ohne Bedenken hineinrcgistriren, und das war nicht sobald geschehen, als sie den
letzten Schritt that und ihn aufhob. Die Meinung der Opposition sah in dieserAufhebung nur eine von den vielen Maßregeln, mit denen die Polizei jede Tendenzoer Selbstverwaltung bekämpfte. Der Verein selbst aber verschwand, da er noch nichtsbegründet hatte, das auf ihm allein beruhte, ziemlich spurlos, und die Sache
Nicht aber so der Gedanke, der ihn angeregt hatte und den er selbst wieder"rat. Das Bewußtsein von der socialen Gefahr war einmal da; es hatte sichbereits in diesem bestimmten Organe manifestirt; es lebte weiter. Bald erzeugte esvon einer Seite her, von der man es am wenigsten erwartete, eine Manifestation, dieäußerlich zwar resultatlos blieb, aber dennoch eine neue, eigenthümliche und nicht un-edeutsame Auffassung der ganzen Frage zeigte: Das war die Jnstituirung des jetzt halbo er ganz vergessenen Schwanenordens. Das Institut des Schwanenordens, gestiftetvon dem Könige von Preußen, sollte eine ritterliche Macht zur Bekämpfung der ge-lellschaftlichen Noth um den Thron sammeln; der Stand der Reichen und der Standder Weisen sollten, mit einem mittelalterlichen Symbol verbunden, sich die Handreichen, um einerseits den Glauben zu vertreten, andererseits Hülfe zu bringen. DieSchwancnritter sollten einen Krcuzzug gegen die Armuth und daS Elend unterneh-men; man sollte sie helfend, tröstend, beruhigend aus allen Punkten finden, wo dieLeiden des Armen ihn daniederwarfen. Sein Platz war daher am Krankenlager,m den Hospitälern, in den Wohnungen des Elends; er.sollte einen Bund der-oarmherzigcn Bruder und Schwestern innerhalb der evangelischen Kirche bilden. Eskeit Es weiter» Eingehens auf die Sache bedürfen, um die Erfolglosig-
frvmm-, und förmlich in das preußische Ordenscapitel aufgenommenen
Menick?,, x darzuthun. Man hatte vergessen, daß die kältern und..praktischen
Nienvernff-« Nordens bereits ohnehin ihre Hospitäler, Krankenwärter, Arzte. Ar-Si„n ""d selbst ihre Priester haben, und daß, wo einmal der praktische
welck» s. derselbe eine ungemeine Gabe hat, die gutmüthige Frömmigkeit,für die Taille des Gemeinde- oder Staatsbeamten vertreten will, ohne Nutzenzu führen ^er mit desto größerm für das eigene Wohlbefinden hinters Lichtder Neuai "^""rhiii wird dieses Institut des Schwanenordens, anfangs Gegenstandstehe« d-n*>>- ^ der Vergessenheit, als ein merkwürdiges Denkmal an dem Weg«Mit!- " Geschieht der socialen Bewegung unserer Zeit durchlaufen hat.ten - Aschen diesen beiden Hauptmanisestationen der neuen Bewegung tra-E '"He von publicistischen Schriftstellern mit Ansichten, Vorschlägen und