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Der Socialismus in Deutschland.
daher >m Grunde nicht dagegen, die große gesellschaftliche Frage in den Kreis jenerGesetzgebung mit hineinzuziehen. Und jetzt geschah Etwas, was alle Menschen, diemit dem wirklichen Lehen, geschweige denn mit dem Wesen der Gesellschaft vertrautwaren, mit Staunen erfüllen mußte. Die Nationalversammlung begann für dienoch ganz einheitslosc, ungleichartige, nur durch die interessenlose Idee des Deutsche»Reichs zusammengehaltene deutsche Nation ein gesellschaftliches Grundgesetz zu ent-werfen — das ist: denjenigen Act zu vollziehen, der die vollkommenste, »»beschränk'teste Herrschaft der Staatsidee vorausseht, in einer Zeit, wo man weder diesen Staatals eine Thatsache, noch auch nur eine klare Vorstellung von demselben hatte. Je-nes gesellschaftliche Grundgesetz aber ist kein anderes als die „Grundrechte". Ma»mag über die deutsche Verfassung urtheilen wie man will, so viel ist auf den erste»Blick klar, daß diese Grundrechte nicht den Stempel einer großartigen innern Be-wegung tragen, sondern daß sie vielmehr in jeder Beziehung als eine kalte, gemessene,zum Theil sehr unsichere doktrinär-administrative Maßregel auftreten; das .heiligtFeuer fehlt! Dagegen waren diese Grundrechte ein zündender Funken für dc»schlummernden Gegensatz in der Nationalversammlung. Es hatte bisher nicht vielzu bedeuten gehabt, daß die preußische Partei neben der Kleinstaaten- und der rc-publikanischen Partei die Majorität zu gewinnen begann: das war für das eigent-liche Ziel mehr ein Formcnstreit. Allein das Erstehen der gesellschaftlichen Fragtöffnete tieferer Spaltung die kaum verschlossene Thür; die Discussion der Grund-rechte erfüllte, was man schon im Mai gefürchtet hatte: sie weckte den schlummern-den Gegensatz der Interessen in der Gesellschaft, und sie war es, die diesen Gegen-satz mit der Erledigung der Reichsfrage identificirte. Von da an konnte kein Bet'ständiger auch nur den letzten Rest von Hoffnung sich erhalten; denn es ist das dieNatur der großen gesellschaftlichen Interessen, daß sie fast Wort- und thatlos sichbeugen, wenn die Idee des Staats in ihrer ganzen Majestät über ein Volk kommt,wenn es sich wirklich und mit dem ganzen furchtbaren Ernste der unabweisbare»Wahl darum handelt, ob ein Standesinteresse oder der Staat selbst zu Grunde ge-hen soll. Dann wehe dem Volke, das tief genug gesunken ist, um im entscheidende»Augenblicke über seine Aufgabe ungewiß zu sein! Ihm ist dauerndes Elend, gänz-liches Verderben seiner höchsten Güter gewisses Loos. Das Schicksal Polens, da§seinen Staat seiner Aristokratie zum Opfer brachte, steht ernst warnend an der Schwelstdes Entschlusses, der öen Staat dem Stande unterordnet; denn mit dem Staate wir^auch der Stand untergehen. Wo aber die Staatsidee in dieser Wahl siegt, da ver-mag sie es, nicht blos das Leben des Ganzen neu zu gebären: sie weiß, eben >vk»sie so stark ist, auch das größte Interesse sich gerade so leicht und zwanglos zu un-terwerfen wie das kleinste; sie lehrt ein Volk die Unterschiede vergessen, sie lehrt ^Geselligkeit und Täglichreit entbehren, und das Opfer jedes Einzelnen in demsammtopfer so gering erscheinen zu lassen, daß ein Kampf mit ihr zugleich ein« iiiiU^und äußere Unmöglichkeit wird. Brauche ich Beispiele zu nennen? So war esFrankreich, als die „Mcnschenrcchte", dieses erste gesellschaftliche Grundgesetz, von ^Constituante angenommen wurden im Sturme der Begeisterung, nicht mehr eineder Menschen, sondern der Idee des StaatS; so war es in Preußen, als 1807 u»1808 unter Stein dieselbe Idee mit ihrer starken Hand dem privilegirtcn Stande ^Bruch seiner Privilegien auferlegte; so war es zuletzt in Östreich, wo um des St»"und seiner Zukunft willen die starre Politik ihren,, eigenen Fußschemel, das Robows.hältniß, zum Opfer brachte. Aber war etwas Ähnliches, war ein solches überwtigendes Daherschreiten der Staatsidee in der deutschen Nationalversammlung zuden, als man begann jene Grundrechte zu berathen, hin- und herzuzerren,ihre Paragraphen zu einer endlichen Erledigung doch nicht erledigter Contr»»^' ^zu einem Compromiß des Gewünschten mit dem Verweigerten, und endlich ^das Einsührungsgeseh zu einer leeren Schattenbildung wurden? War da d'*-. Ge-waltigkeit der Weltgeschichte' zu fühlen, die allein solche Dinge vorbringt? ^ ^ssetzgeber freilich blickten mit „Vertrauen" auf ihr Paragraphenwerk, und sandl