Die Pflanzen und Thiere der Vorwelt. 565
ielncn Theilen, in Blättern, Blüten, Früchten, Zweigen oder Stämmen. Die Be-stimmung ihres verwandtschaftlichen Verhältnisses zu den Pflanzen der Jetztwelt istdaher ungleich schwieriger als bei den Thieren, die Untersuchungen überhaupt minderzuverlässig, indem die Abhängigkeit der einzelnen Theile des Pflanzcnkörpers vomganzen und untereinander noch nicht genau ermittelt worden ist und wegen der ge-stugern Jndividualisirung der Pflanzen wol kaum je so bestimmt nachgewiesen wer-den kann, als es bei den Thieren bereits geschehen. Wir unterscheiden die Artenunserer Weiden, Eichen, Fichten z. D. nach den Früchten, Blüten und Blättern;der Stamm oder vielmehr die mikroskopische Struktur des Holzes ist bei den ver-schiedenen Arten einer Gattung gleich. Der Stamm ist der bloße Träger der übri-3en Organe und von deren Form unabhängig, und nur in diesem lockern Verhältnißliegt die Möglichkeit, die Triebe einer Art auf eine andere specifisch und selbst gene-tisch verschiedene zu verpflanzen. Hieraus erhellt aber auch, daß es in den meistenFällen unmöglich ist, die zerstreuten fossilen Blätter, Früchte und Hölzer nach spcci-stschen Merkmalen zu vereinigen. Hartig's gründliche Untersuchungen der fossilenHölzer der Braunkohle gehen daher auch nur bis zur Feststellung generischer Diffe-*k"zcn und stellen die specifischen Eigenthümlichkeiten überhaupt in Abrede. Die sta»Mischen Angaben über die Zahl der Arten und Gattungen vorweltlicher Floren sindbaher minder zuverlässig, sobald sie auf der systematischen Bestimmung verschiedenertheile des Pflanzcnkörpers beruhen. Auch die Blätter gewähren nicht immer ent-scheidende Merkmale zur Trennung der Arten und erschweren wegen ihrer oft sehrveränderlichen Form bei einer und derselben Pflanze die specifische Bestimmung, zu-mal wenn, wie eS oft der Fall ist, nur ein einziges oder wenige Exemplare bekanntsml>. Trotz dieser Schwierigkeit und der Unsicherheit in einzelnen Fällen haben dieunermüdlichen und gründlichen Forschungen besonders des letzten Jahrzehnds doch dasa'sül ^ Elches die Pflanzen der Urwelt deckte, gelichtet, und wir kennen die geolo-önche Geschichte dieser Organismen in ihren Hauptentwickelungsphasen fast vollständig.
3n seiner neuesten Abhandlung: „Chronologische Übersicht der Vegetations-Assmden und der verschiedenen Floren in ihrer Nacheinandersolgc auf der Erdvber-' ' begründete Brongniart. die oben bezeichneten drei Perioden nach den in einer
jeden vorherrschenden und den allgemeinen Charakter bestimmenden Pfianzenfamilien,und nennt die primäre das Reich der Acrogenen, die secundärc das Reich der Gym-Uospermen und die tertiäre das Reich der Angiospermen. In den ältesten Gestein-schichten bis zum Kupferschiefer hinauf kommen nämlich die Reste von Acrogenen,besonders Farren und Lycopodiacecn, in größter Anzahl und in den eigenthümlichstenFormen vor. In den zunächst folgenden Formationen verschwinden diese mehr undmehr, und an ihre Stelle treten Coniferen und Cycadeen. Mit Eintritt der tertiärenPeriode endlich überwiegen die Dicotylen, besonders Laub- und Nadelhölzer, alle übn-gen Formen, und die Floren nehmen einen dem heutigen ähnlicher» Charakter an.
s) Flora der primären Formationen.
Unter den Pflanzenresten des Grauwacken-, Steinkohlen- und Kupferschiefer-Klecks« ^ zunächst die einfachen Zellenpflanzen. Der zarte Bau der
lanaen > ^ Pilze und Moose ist nicht geeignet, gewaltigen äußern Einflüssen
i" leisten, und darin mag der Grund liegen, daß wir von ihnennur äußerst Men Spuren in den ältesten Gebirgen finden, deren Ablagerung meistunter eben mcht günstige« Verhältnissen erfolgte, und welche auch nach ihrer Bildungnoch in dem unberechenbar langen Laufe der Zeit gewaltsamen Einflüssen ausgesetztTom?' Blattpilz, den Göppert auf einem Farrenkraut im schlesischen
entdeckte, und mehre fucoideenartige Formen in allen drei Schichten-o "se» indessen die Existenz einfacher Zellenpflanzen in der Urzeit des or-lick ^bens. Ja eS ist durch Forchhammer'S Untersuchungen sehr wahrschein,geworden, daß der Uroccan von Anfang her mit Seetang dicht erfüllt war, dessenstehe Bestandtheile in den ältesten Gesteinschichten reichlich aufbewahrt sind. Gegen