Band 
Siebenter Band.
Seite
584
JPEG-Download
 

584 Die Pflanzen und Thiere der Vorwelt.

Aufsehen erregt und ist so vielfach gedeutet worden als die Donnerkeile. Erst deneifrigsten und scharfsinnigsten Forschungen der neuesten Wissenschaft gelang es, ihreHerkunft unzweifelhaft nachzuweisen. Fast gleichzeitig untersuchte Owen in Englandund d'Orbigny in Frankreich die schätzbaren Überreste von weichen Körperteilen anden kalkigen Nückenschalen, mit welchen der Donnerkeil in Verbindung stand, undBeide bestätigten die bis dahin nur vermuthete Stellung der Bclcmniten neben unsernheutigen Dintenfischen. Der Donnerkeil ist nur die solide kalkige Scheide eines kur-zen gekümmerten Kegels am Ende des Rückenschulpes. Das Thier hatte 10 Arme,welche mit hornigen Krallen bewaffnet waren nach Art der Onychoteuthcn. DirFormen der Belemniten sind so mannichfaltig, daß sie mindestens ebenso viele Arte»andeuten, als andere fossile Acetabuliferen bekannt sind, oder halb so viel, als allelebenden betragen. Sie verschwanden zugleich mit den Ammonitcn vor Eintritt dertertiären Epoche von der Erdoberfläche.

Die Würmer hinterließen in dem Jura- und Kreidegebirge zwar viel zahlreichereÜberreste als in allen ältern Formationen, allein es sind auch hier nur meist kleinekalkige Röhren von Thieren der Tubicolenfamilie, die wenig Interessantes gewähren.Von den Crustaceen überrascht uns nach dem Untergänge der Trilobitcn das Auf-treten langschwänziger echter Krebse im Muschelkalk. Herr von Meyer unterschieddrei unserm Flußkrebs ähnliche Gattungen, und der länger bekannte, in Süddeutsch'land gar nicht seltene Pemphix gehört der Familie der Palinurinen an. Diese plötz-liche Annäherung an die lebenden Krebse steigert sich in der Juraepoche noch mehr,denn in dem lithographischen Schiefer Baicrns sammelte Graf Münster mit seltenemEifer für die Wissenschaft ein ganzes Heer von langschwänzigen Decapodcn und eini-gen andern, wie Squillen und Brachyuren, die er mit Namen der nordischen My-thologie verherrlichte. In einer besondern Monographie beschrieb er nicht wenigerals 25 Gattungen mit 96 Arten, und die Anzahl aller aus Juraschichten bekannte»Krebse mag sich etwa aus das Doppelte belaufen. Im Krcidegebirge werden dieReste besonders von Gattungen höherer Familien viel seltener; doch kommen lang-und kurzschwänzige noch in ausgezeichneten Formen, wie Clythia, Callianassa, ä'c»-cosia, vor und viel häufiger als in frühern Epochen auch Cirrhipcdier, zumal Arte»der Lepadinen, Pollicipes und Anatifcra. Spinncnthiere fehlen bis auf einen Pha-langiten aus dem lithographischen Schiefer in allen sekundären Gebirgsschichten, wäh-rend aus der Classe der Insekten hier und da einzelne Überreste im Lias, Jura, be-sonders wieder im lithographischen Kalk Baierns und Wealden Englands gesunde»werden. Sie deuten meist auf tipulaartige Formen, auf Libellulinen und einigtandere, sodaß ihre Gcsammtzahl sich auf beinahe 100 beläust.

Fast die Hälfte aller fossile» Fische lagert in secundären Formationen, von de-nen der bunte Sandstein, Muschelkalk und Keuper nur eine geringe Anzahl, cliv»80 liefern. Von diesen werden die Knorpelfische wiederum nur in einzelnen Zahne»und Flossenstacheln erkannt, die meist an Cestracionten erinnern. Von den Gan»>'den treten hier die Paläonisken und Amblypteren aus frühern Epochen nochm»^auf, und außerdem die neue Familie der Pyknodonte», wegen ihrer zahlreichen flache»oder kugeligen Zähne so genannt. Am ausgezeichnetsten ist unter ihnen ein riesig"PlacoduS, dessen vierseitige Zoll große Zähne reihenweise in den Kiefern und »»'Gaumen geordnet sind. Kleinere, mit 100 warzenförmigen Zähnen bewaffnete Ga»'menstücke werden unter dem Namen der Colobodonten als nahe verwandt beschriebe»'Diese Familie geht auch inS Juragebirge über und zählt hier ihre meisten Rcps»'sentanten, von denen viele nur einzelne Zähne, andere ihren kurzen und hohenper ganz zurückgelassen habe». Zwei sehr umfangreiche Familien, die Lepidoli»"und Pholidophvren, sind fast ganz auf da- Juragebirge beschränkt. Die erst"zeichnen sich durch ihren kräftigen Körperbau aus und durch eine doppelte Stächereihe an den Flossenrändern. Die Flossen selbst sind verschieden entwickelt, »Schwänze und der Brust meist stark. Die Pholidophorcn haben nur eine Stachele^an dem ersten Flossenstrahl, allgemein kleine Flossen, kleine Kcgelzähne, und der Kv»?