Band 
Siebenter Band.
Seite
590
JPEG-Download
 

500

Die Pflanzen und Thiere der Vorwelt.

Die Überreste von Würmern und Krebsen sind in tertiären Schichten sehr spar-sam und deuten auf Arten noch lebender Gattungen; Spinnen dagegen und Insek-ten werden im Bernstein und einigen jungem Süßwassermergeln, wie bei Air,Öningen und Nadoboj ziemlich häufig entdeckt. Von erstem hat Behrendt in Dan-zig durch vieljährigen Eifer eine reiche Sammlung zu Stande gebracht; aber seinTod unterbrach das in Verbindung mit den ausgezeichnetsten Entomologen begonnenePrachtwcrk über dieselben, dessen erste Lieferung nur die von Göppert bearbeitetenPflanzen enthält. Wir haben daher außer einzelnen Beschreibungen nur Verzeich-nisse der im Bernsteine vorkommenden Thiere. Die plivccncn Insekten haben inOswald Heer einen ebenso eifrigen als scharfblickenden Bearbeiter gefunden, und esschreiten dessen Monographien rüstig vorwärts. Spinnen sind aus fast allen Fami-lien der Lungen- und Trachecnathmenden bestimmt worden, theils noch lebenden,theils ausgestorbenen Gattungen angehörig. Behrendt zählt 40 Gattungen Lungen-spinnen in 107 Arte», und I I Gattungen Tracheenspinnen in 17 Arten im Bern-steine. Ungleich häufiger sind die Bcrnstcininscktcn, von welchen 25 Gattungen mit51 Arten auf die Hemipteren, 140 Gattungen mit 280 Arten auf die Käfer, 68Gattungen mit 308 Arten auf die Fliegen, und 26 Gattungen mit 48 Arten aufdie Neuropteren kommen. Bei der Vergleichung dieser mannichfaltigen Gattungenund Arten mit denen der Jetztwclt erkannte Behrendt eine wunderbare Vereinigungder. jetzt über den ganzen Erdboden zerstreuten Typen, und er unterscheidet einhei-mische Formen von denen der nördlichen gemäßigten, von den tropischen und denvöllig eigenthümlichen, deren Repräsentanten in der lebenden Jnsektenfauna fehle».Dies Letztere ist der Fall mit der Spinnenfamilie der Archäiden, mit den Pseudope-ren und einigen andern. Überraschend ist aber die Vereinigung hochnordischer For-men, wie der Fliegen Gloma und MochlvM, mit dem ncuhollänbischen Eriodon unddem brasilischen Silvius. Die Bernsteinwalder des nördlichen Deutschland wäre»also von einer viel mannichfaltigern Jnsektenfauna bedeckt als unsere heutigen Wäl-der, deren Jnscktcnarten an Zahl die bekannten Fossilen bciwcitem übertrifft, aber i»der Mannichfaltigkcit der Formen ebenso weit nachsteht. Die öninger Fauna ißminder reichhaltig als die des Bernsteins, denn Heer unterscheidet nur 100 Käferaus 68 Gattungen und 34 Familien. 31 dieser Gattungen finden sich noch gegen'wärtig in der Schweizerfauna, und 5 der übrigen sind südeuropäisch, 1 Nordamerika'nisch und 7 völlig eigenthümlich. Letztere vertheilen sich auf sechs verschiedene Fan»'licn, und nur eine bildet den Typus einer neuen Familie. Besonders charakteristisälfür die öninger Fauna ist das Vorherrschen der Buprestiden und Hydrophiliden, dirgerade im Bernstein ganz zurücktreten, und letztem gehören die meisten Wasserkäferan, während heutzutage durch ganz Europa die Dytisken vorherrschen. Hinsicht^ lich der Arten ergibt die nähere Vergleichung eine unverkennbare Annäherung ^den südeuropäischen; denn die meisten jener 51 einheimischen Gattungen haben a»»>Repräsentanten am Mittelmeere, und die öninger Insekten können allgemein als d"'heutigen mittelmcerischen oder südeuropäischen zunächst stehend betrachtet werden. 2gandern Lokalitäten liegen noch keine umfassenden oder zuverlässigen Bestimmungder Jnsektcnreste vor, sodaß gerade hier noch ein weite- Gebiet für paläozoolog's^Forschungen geöffnet ist.

Die Fischreste der tertiären Formationen deuten auf sparsame Chimären, -sonders auf der Insel Sheppy, auf Haifische in größerer Zahl aus verschied"'Familien, auf Rochen, unter denen besonders die breiten flachen Zähne vonbaten häufig erscheinen, aus den Stör und die zweite auSgestorbene Familie dernoiden, nämlich auf Pycnodonten. Es ist indessen »ach Joh. Müllcr's und H^. „Untersuchungen der tertiären Neste dieser Familie höchst wahrscheinlich, daß dieseechten Knochenfische,, angehören, und daher die einst so mannichfalkige und »u Vzeichnete Abtheilung der Ganoidcn in den tertiären Gewässern nur allein »ochden Stör vertreten war. Ganz anders verhalten sich die Neste echter Knoche»»'^welche nach Giebel'- sorgfältiger Zahlung auf 250 Arten aus 130 Gattungen I