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Siebenter Band.
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647
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Das Oömanischk Reich. 647

Pforteminister hartnäckig, indem sie nicht mit Unrecht geltend machten, daß die nöthi-gen Verabredungen ebenso gut in gegenseitig ausgewechselten Noten niedergelegt wer-den könnten. Als jedoch im April plötzlich ein Flügeladjutant des Kaisers Nikolausmit einem eigenhändigen Briefe desselben an den Sultan in Konstantinopel erschien,wagten sie nicht bei ihrer Weigerung noch ferner zu bleiben. So entstand der Actvon Baltaliman, durch welchen sich Rußland auf die Dauer von sieben Jahren inBeziehung auf die Fürstenthümer ungefähr gleiche Rechte mit der Türkei zugestehenließ, dagegen aber nach Niederwerfung der ungarischen Revolution seine Truppenzurückzuziehen versprach. Die moralische Wirkung dieses Vertrags war indessen kei-neswegs so groß, als man sich versprochen hatte, und namentlich trug das persön-liche Ansehen Sir Stratford Canning's, der eine den Östreichern feindliche Politikverfolgte, dazu bei, dieselbe zu untergraben. Politische Flüchtlinge von allen Nationen,vorzüglich Polen und Italiener, langten fortwährend in Konstantinopel an, von woman sie ungestört nach Ungarn weiterziehen ließ, während eine Anzahl als revolutio-näre Agenten bei der Pforte zurückblieb und selbst von, Großvezier unter der Handgesehen wurde. Die von den Gesandten Östreichs und Rußlands gefoderte Austrei-bung dieser Individuen, zu denen sich auch ein Abgeordneter Kossuth'S gesellte,ward von der Pforte abgelehnt, und dasselbe Schicksal wurde einem Antrage derbeiden alliirten Mächte zu Theil, wonach ein russisches Armeecorps südlich von derDonau durch Serbien in Ungarn einzurücken ermächtigt werden sollte. Freilichhatte die Pforte sich durch ihre geheime» Nathgeber zu einer durchaus falschen Be-rechnung der ungarischen Verhältnisse verführen lassen. Noch bevor die letzterwähnteWeigerung ertheilt worden war, hatte General Luders mit 30000 Mann den Ein-gang in Siebenbürgen erzwungen, schlug die Insurgenten bei jeder Begegnung, undzwang Bem zum Übertritte in die Walachei, während gleichzeitig die vereinigte rus-sisch-östreichische Streitmacht in Südungarn den gewaltigen Aufstand niederschlugen,und die Jnsurgentenhäupter zur Flucht über die Donau nöthigten. Die Pforte hatteden beiden Kaiserhöfen gegenüber ein gefährliches Spiel gespielt, sodaß Manchermit den, Ende der ungarischen Revolution auch den Tag der Abrechnung für nahebevorstehend hielt. Statt dessen begnügte sich Rußland, nur die Auslieferung derRevolutivnshäupter zu verlangen, denen die Pforte soeben noch lebhafte Sympa-thien bewiesen hatte. Diese Demüthigung als gerechte Strafe für die zweideutigeStellung der Pforte wollte es aber sicher durchsetzen, und es erschien daher abermalsein Flügeladjutant des Kaisers mit einem eigenhändigen Briefe. Die Pforte aber ließsich diesmal nicht einschüchtern. Die englische Flotte lief in die Dardayellenstraßeein, und der Kaiser von Rußland, der in dieser Angelegenheit die öffentliche Mei-nung ganz Europas gegen sich hatte und überhaupt keinen Krieg wollte, fühlte sichveranlaßt nachzugeben. Die Pforte erfocht also einen diplomatischen Sieg, dessenEindruck Rußland noch nicht zu verwischen vermocht hat, und welcher, da er Haupt-sächlich den Engländern verdankt wird, die Präponderanz des äußern Einflusses zu-nächst diesen sichert.

Die sogenannte orientalische Frage.

Die neue Zeit, welche im Staatenleben an die Stelle des mittelalterlichenTrotze« auf eigene Kraft die möglichste Berücksichtigung eigener und fremder In-Kressen seht, hat auch lebenskräftigcrn Staaten als der Türkei die freie Selbstbestim-mung ihrer Politik genommen, und für die Pforte wird die Epoche, wo sie nachallen Seiten hin ihrem Willen Geltung zu verschaffen vermochte, nie wiederkehren,^verding« ist sie durch den mit allen fünf Großmächten abgeschlossenen Vertrag von1841 in die europäische Staatenfamilie, wie sie nach dem Wiener Congreß sich ge-bildet hatte, nachträglich eingeführt worden; dennoch wird sie immer die Nothwen-digkeit fühlen, sich irgend einer Macht besonders nahe anzuschließen, um, durch siegedeckt, den lästigen Anfoderungcn der andern Widerstand leisten zu können. Frank-«ich, der vielgelobte älteste Bundesgenosse der Pforte, hatte deren Sympathien langst