Die Statistik»
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rangen eines allgemeinen Wissens. Hasset („Lehrbuch der Statistik der europäischenStaaten", Weim. 4822) nahm die Statistik als die „systematische Darstellung derStaaten nach ihrem Bestände, nach ihrem innern und äußern Wirken", und konntealso wirklich „unbeschadet dieser Federung zugleich die gesammte Geschichte undGeographie der Staaten in ihr aufnehmen". Schnabel („Generalstatistik", Wien1853) sagte denn auch geradezu, daß „die Statistik eine wissenschaftlich geordneteDarstellung der Wirklichkeit zum Behufe der Regierungskunst" sei. Da sich aberhinsichtlich deß zu erfassenden Stoffs der Horizont der Statistiker immer rückhaltloserins Ungemcfsene erweiterte und Manche sogar nicht einmal bei den für die staatlicheund bürgerliche Gesellschaft merkwürdigen Erscheinungen stehen bleiben wollten, son-dern in Allem, was lebt und existirt, eine statistische Seite auffanden: so strebte man,der Behandlung des Stoffs und der Stellung zu ihm einen specifischen Charakterzu geben. Mancher zwar ward, nachdem sich gar keine Übereinstimmung herausstel-len zu wollen schien, frühzeitig irre an der Statistik überhaupt; ja der für sie früherso thätige Lüder setzte sich („Kritische Geschichte der Statistik", Eött. 1817) geradezudie Vernichtung dieser Disciplin als eine preiswürdige Aufgabe vor, erklärte sie fürein Traumgcbilde, für eine vermeintliche Wissenschaft wie die Astrologie, ohne In-halt, ohne Wirklichkeit, ohne Wahrheit. Seine zahlreichen Gegner ließen sich in-dessen durch solche Verurtheilung ihres StrebenS nicht abschrecken. Man machte,insbesondere um die Statistik von der Geschichte zu scheiden, geltend, daß sie dieZustände oder auch däS Zuständliche darzustellen habe, während die Geschichte dieBewegung und die Entwickelung schildere. Dieser Unterschied erhielt eine so ent-schiedene und anhaltende Beistimmung, daß auch noch einer der hervorragendstenStatistiker in der Gegenwart, Fallati („Einleitung in die Wissenschaft der Stati-stik", Tüb. 1843), den Hauptnachdruck auf ihn legt. Gar Vieles läßt sich hierbeiaus- und einlegen, und Fallati hat das Mögliche geleistet, um durch die Betonungdieses Moments der Statistik eine eigenthümliche Aufgabe zu bewahren. Indessenwird dabei die Bedeutung difficiler Unterscheidungen und zugespitzter Bemerkungenfür das große Geschäft der Hinstcllung einer eigenthümlichen Wissenschaft vielzu hoch angeschlagen. In voller Derbheit, geeignet zu Vertheidigung und An-griff, ward jene Unterscheidung schon von dem alten Schlözer vorgebracht. Derselbesagte einfach („Theorie der Statistik", Gott. 1804): „Geschichte ist eine fortlaufendeStatistik und Statistik eine stillstehende Geschichte." Will man eine Statistik ha-bm, „so lasse man nur die Geschichte stillstehen, wo man will, und solange manshill"; man „zerschneide eine durch mehre Jahrhunderte fortlaufende Geschichte inlchickliche Perioden, hebe dann aus jeder blos die Staatsmerkwürdigkeiten in engererBeziehung heraus, so würde dies so viele einzelne Statistiken geben, als Perioden,^'genommen worden sind". Dieses Schlvzer'scbe Wort: „Statistik ist eine stillste-hende Geschichte, Geschichte ist eine fortlaufende Statistik", fand bis auf die neueste^it hin einen weit verbreiteten Anklang: alle Bedrängniß über das eigentliche We-sen der Statistik schien plötzlich gehoben; wo es an Begriffen fehlte, da stellte zurWehten Zeit dieses Bild sich ein. Gleichwol ist jener Ausdruck offenbar nichts als„statistisches Curiosum", das vergeblich aus der Verbindung zweier sich gcgen-'"tig contradictorisch widersprechenden Begriffe ein eigenthümliches Etwas zu gewin-sucht. Was eine stillstehende Geschichte ist, ist ebenso wenig faßlich zu machen,als die fortlaufende Statistik — dieses Wort im Sinne der Beipflichtenden genommen,^uch führte jede Erklärung über Das, was statistisch zuständlich im Gegensatze zu)snt in der geschichtlichen Bewegung Begriffenen sei, die Unsicherheit dieses Unter-lrh'ed« alsbald vor Augen, was schon durch Monc's Erklärung („Ilistoi-ia 8,gii«tieao^umdrsts", Löwen 1828) bewiesen wurde, der ziemlich naiv sagte: „zuständlich sei,as längere oder kürzere Zeit dauere." Dann trat, nachdem nmn auf die Dar-i.llung des Zustandes oder Zuständliche» als aus die Hauptsache für die Statistik^"gewiesen hatte, erst recht ostensibel daS Ungeheuerliche j» der Ausdehnung desauftischen Gebiets hervor. Der Italiener M. Gioja meinte in seiner „b'ilosolls