Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49. 693
Dinge zur Reife zu bringe». Wir meinen damit keineswegs allein die tausendfachenConflicte, welche Lola's zügellose Herrschsucht durch ihren Einfluß auf den Monar-chen mit den Ansichten, Vorstellungen, Mahnungen der Minister Baicrns herbei-führte: dies sind und bleiben immerhin mehr persönliche Angelegenheiten, Spiele hin-ter den Coulissen, welche in Memoiren ihre Aufnahme finden können. Es handeltsich vielmehr um die Gestaltung der Stellung des Ministeriums Abel einerseits zurultramontanen Partei, andererseits zum Staate.
Seitdem durch Lola Montcz, einerlei ob aus eigenem Antriebe oder auf fremdeVeranlassung, dem Könige das Verhältniß klar geworden war, daß seine Ministerweder der Krone, noch dem Staate, sondern den Zwecken einer klerikalen Parteidienten, hatte ein principielles Gegeneinanderringen der obersten Factoren der StaatS-gewalt begonnen. Seitdem hatte aber auch der UltramontanismuS wieder ein eng-stes Bündniß mit den Ministern geschlossen. Seit diesem Augenblick erst g'cschahes, daß die Person des Königs vor aller Welt in die Debatte gezogen, daß seinePrivatverhältnisse dem Publicum aaif daS ungeziemendste preisgegeben wurden. Manerinnere sich wol: nicht die radicalen, sondern die glaubcnscifrigcn Tagesblätter, dieeigentlich reactiona'ren Stimmen der Politik waren es, welche damals zuerst dieNeigung des Königs höhnisch berührten, und von allgemeiner, Aufregung, von er-schreckenden Zuständen desselben Lande- sprachen, welches sie bis da als Eldoradodes GlückS und der Zufriedenheit gepriesen hatten. Die Unmöglichkeit erkennend,daß fürderhin das Triarchat Abel, Görres, Döllinger Baicrns innere und äußerePolitik bestimme, ward vor allem dahin gewirkt, daß wenigstens die kirchliche Machtin den zuverlässigsten Händen verbleibe. Der Graf Reisach, als Bischof von Eich-städt durch seinen ultramontanen Feuereifer schon bekannt, wurde zum Erzbischof derDiöccse Frcising-Münchcu erhoben, und durch die glänzendsten Demonstrationen wieein Erretter des Landes aus den Händen des Antichrists cclcbrirt. Bezeichnend ge-»ug war außerdem in demselben Momente der Pfalz die Bitte um Abhaltung eineraußerordentlichen Generalsynode abgeschlagen worden. Hatte nun der König jenerWahl und diesem abschläglichen Bescheide seine Sanction nicht vorenthalten können,so erschien dagegen die Trennung des Ministeriums für Cultus und Unterricht vomRessort des Ministeriums des Innern (15. Dec. 1846) als eine Manifestation, derenBedeutung nicht übersehen werden konnte. Abel erkannte durch diese Entziehungdes Licblingskreises seiner Wirksamkeit, daß er daS Vertrauen des KönigS verloren,daß sich Dieser von dem Minister emancipirt, und eS galt nun vor allem, denMonarchen in die frühere Abhängigkeit zurückzuführen.
DaS erste Mittel dazu schien moralischer Zwang; diesen sollte, Wie mit Be-stimmtheit versichert wird, ein Privatbries des Ministers von Abel üben. IndemAbel den Monarchen an den eifrigen Dienst des Staatsmannes, an dessen „Opfer"für den Willen des Monarchen erinnerte, wollte er diesen gleichsam solidarisch mitdem Ministerium verflechten. Erst nachdem dieser Brief sich wirkungslos erwiesenhatte, wurde jenes Memorandum erlassen, welches den König vor der Welt blos-stellen sollte, während es ihn selbst vor einer revolutionären Katastrophe in Angst-u sehen bestimmt war. So widerwärtig dieses Mittel als politischer, so richtigwar eS doch wieder auf den Charakter der Persönlichkeit berechnet, welcher es zu-nächst galt. Denn es schilderte die unmittelbare Jsolirung des auf die angestammteUnterthanenliebe stolzen Monarchen in grellen Farben ; es sprach der Geschichte seinerHerrschaft Ruhm und Glanz, der Zukunft seines Lebens Macht und Glück ab. Ineinem Momente, welcher schwieriger als alle vorhergegangenen war, einerlei durchwelche Schuld und abgesehen von Lola Montez, sollte der König ohne Rath undHelfer stehen, wenn er seinen persönlichen Willen nicht dem des Ministeriums beuge.Man weiß allerdings, daß das Ministerium Abel diesen persönlichen Willen desKönigs, die Verleihung des bairischen Jndigenats an die zur Gräfin erhobene LolaMontez, wir einen Schritt hinstellte, wodurch „die Ehrfurcht gegen den Monarchenwehr und mehr im Innern der Gemüther ausgetilgt werde, wodurch das National-