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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik.

breit und doktrinär, in seinen satirischen Wendungen meist schlagend, doch auch nichtselten unpoetisch trivial. Während Herwegh die jugendliche Richtung in Poesie undPolitik mit naiver Hingabe vertrat, reflectirte Prutz über diese Jugendlichkeit undihre Berechtigung, und gab so seiner Poesie ein gewisses altkluges Aussehen. Sotritt er in seiner „Rechtfertigung" siir die politische Poesie mit der Miene eines Kri-tikers und Literarhistorikers in die Schranken, welche den Dichter selbst beeinträchti-gen muß. Der Inhalt seiner Poesie wird hiermit positiver als bei Herwegh: es sinddie Doktrinen des preußischen Liberalismus von 1840, Freiheit der Presse, Consti-tution u. s. w., welche mit revolutionärem Drang und von Herwegh geliehener stür-mischer Kampfeslust gepredigt werden. Die Muse von Prutz weiß, was sie will;aber sie weiß es zu sehr. Es gibt eine gewisse Unschuld der Poesie, die sie gegen-über den Mysterien des politischen Hausstandes bewahren muß. Die konstitutionelleStaatsform besonders, mit ihren complicirten Gewalten und ihrem ineinander ge-schachtelten Negierungssystem, ist der dichterischen Muse geradezu feindlich, währendsie die Thaten großer Alleinherrscher und die einfache Freiheitsglorie der Republikmit Begeisterung besingt. Es macht daher einen peinlichen Eindruck, wenn Prutzdas unscandirbare Wort Cvnstitution mit Haut und Haar in seine Jamben hinein-zwängt. Solche direkte, an das Königthum gerichtete Interpellationen, wenn sieauch den Wunsch eines Volks und einer Zeit ausdrücken, sind deshalb poetisch wir-kungsloser als die begeisterten Apostrophen eines Herwegh, mögen diese auch ohnefesten Gehalt ins Blaue Hinausstürmen. Die neuesten „Gedichte" von Prutz (Manh.1849) zeigen das Evigonenthum der politischen Lyrik, welches ohne rechten Schwungsich durch beißende Satire und für manche gescheiterte Hoffnungen durch verzwei-felte Lustigkeit schadlos hält. Prutz steht darin, wenn auch mit etwas anderer Fär-bung, aus demselben Standpunkte, wie Dingelstedt in seinen neuesten Gedichten.Trotz pathetischer Trauerklänge für Robert Blum konnte die Muse der geschichtlichenThat gegenüber sich nur negativ verhalten, indem der unheimliche Sonnenbrand derfgits acoomplis die farbigen Nebel der Verheißung schmolz, und mit ihnen die idealeDämmerung, in der jene Muse die Flügel regte. Andern Talenten, die sich an derersten Drang- und Sturmepoche nicht betheiligt hatten, aber größeres Gestaltungs-vermögen besaßen, wie Freiligrath, war es vorbehalten, ein zweites Stadium der po-litischen Lyrik zu vertreten, das an die neue geschichtliche That anknüpfte und denreichen Stoff mit glühender Farbengebung und ungetrübter Begeisterung bewältigte.Für Prutz bleibt noch charakteristisch die entschiedene Feindschaft gegen die Theologie,ei» Erbtheil der Junghegel'schcn Richtung. Wir finden die geharnischte Polemik der„Deutschen Jahrbücher" vielfach in seinen Versen wieder. Prutz ist ein vielseitig ge-bildetes Talent, bei welchem die verschiedenen Sphären geistiger Thätigkeit sich oftstören und besonders die Gelehrsamkeit der Poesie einen didaktischen Anstrich gibt.

Naiver, unmittelbarer, frischer als Prutz, ein moderner Minnesänger, hin undwieder freilich auch Bänkelsänger, ist Heinrich August Hoffmann (von Fal-lerslebe»), eine derbkräftige, echt deutsche Natur, in alter Volksweise herangebildet,fern von aller Reflexion und Gedankenvertiefung, ein einfacher „Liederdichter". Vonseinen zahlreichen Gedichtspenden erwähnen wir: „Buch der Liebe" (Bresl. 1836);„Unpolitische Lieder" (2 Bde., Hamb. 1840—41); „Schlesische Volkslieder" (Leipz.

1842) ; „Deutsche Lieder aus der Schweiz" (Zürich 1843); „Kinderlieber" (Leipz.

1843) ; „Deutsche Gassenlieder" (Zürich 1843); „Maitrank" (Paris 1844); „Sa-lonlieder" (Zürich 1844); „Hoffmann'sche Tropfen" (Zürich 1844) u. s. w. Inseinen ersten Liebesliedern war Hoffmann innig und sinnig, zart und einfach, mitherzlicher Hingabe an die Natur und den feststehenden Gehalt des Lebens. Er ge-hörte zu den Romantikern der guten Sorte, welche an dem frischen Liederborn desMittelalters schöpften, ohne gerade die neue Zeit mit diesem heiligen Wasser taufenzu wollen. Der Standpunkt des Dichters ging zwar über den Standpunkt einesWalther von der Vogelweide nicht hinaus — was für einen Dichter der Neuzeitdoch eine zu große Beschränkung war; aber die herzliche Unbefangenheit und Freu-