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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik.

mit ihren „Freischaren-Reminiscenzen" (Leipz. 1849) zugesellte, führt an mit männ-lichem Muthe Luise Otto, eine Tendenzdichterin von reinstem Wasser, die in ihren„federn eines deutschen Mädchens" (Leipz. 1847), sowie in ihrem „Westwärts"(Meißen 1849) gewaltig in die heroische Posaune stoßt, und bei aller Kraft dochden Duft und Zauber weiblicher Gemüthstiefe zu sehr vermissen läßt. Mehr für po-litische Reform im Sinne des Liberalismus gibt ihre lyrischen Stimmkugeln die frucht-bare Novellistin Kathinka Zitz in den „Herbstrosen" (Mainz 1846) ab: Sie zeigtin diesen Gedichten hauptsächlich episches Talent, das sich besonders in glücklicherr-andschaftsmalerei bewährt.

Der modernen Lyrik widmeten sich auch einige vorzugsweise dramatische Schrift->kEer. Julius Mosen, („Gedichte", 2. Aufl., Leipz. 1843), dessen schönes lyrischesTalent in seinem „AhaSver" sich einen dauernden Denkstein sehte, und außer-dem volksthümliche Weisen von ergreifendem Klang anzuschlagen verstand, ist in derletzten Epoche ganz verstummt. Von Robert Prutz und Rudolf Gottschall habenwir bereits oben gesprochen. Karl Guhkow zeigt in seinen Gedichten skeptische Un-befriedigung, die sich auch in der etwas herben Form ausprägt. Seine glücklichstenExkursionen'auf dem Gebiete der Lyrik sind unleugbar die wenigen Gedichte, die inden „Rittern vom Geiste" enthalten sind. Hier ist die Gutzkow'sche Reflexion zukünstlerischer Gestaltung abgerundet und verbirgt ihre Pointen unter dem glücklichenFaltenwürfe der Verse. Einzelne dieser Gedichte haben selbst sangbare Couplets,ohne dem melodischen Reiz den reichen Gedankenhalt zu opfern. Einen großer» An-lauf zur lyrischen Gattung nahm Friedrich Hebbel, dessen ganzes Naturell indessendurch die Schroffheit, mit welcher es seine Gedankenquadern aufthürmt, der lyrischenGrazie fernsteht. Seine „Gedichte" (Hamb. 1842), sowie die „Neuen Gedichte"(Leipz. 1848) zeugen von philosophischer Tiefe und bringen es da zur Meisterschaft,wo sie die Form, die Trägerin der schweren Gedanken, zur Melodie zu zwingen ver-stehen. Die Gedichte von Gustav Freitag „In Breslau" (Bresl. 1845) sind ohnehöhere Bedeutung. Ein junger Dramatiker, Feodor Wehl, offenbart in der lyrischen-^eigabe zu „Hölderlin's Liebe" (Hamb. 1852) ein in zartesten Schwingungen er-klingendes Gemüth, das sich mit Vorliebe einer weichen Melancholie hingibt und,ohne mit Hebbel'scher Vertiefung sich in die Mystik des Menschenlebens zu versenken,doch über den Räthseln des Daseins brütend in anmuthige Klagen ausbucht. AuchSchriftsteller, die sich auf andern Literaturgebieten ausgezeichnet, wie Levin Schücking(„Gedichte", Stuttg. 1846), Hermann und Rudolf Marggraf, Ernst Willkomm,Karl Gaillard und Andere haben die lyrischen Gedankenspäne ihres gebildeten Geistesgesammelt.

Die humoristisch-satirische Lyrik als selbständiges Genre fand in dieser Epocheweniger Pflege, weil sie in die politische Sturmlyrik mit hineinverwebt wurde. Allediese Dichter der Tendenz mußten sich polemisch verhalten, und die Polemik kannihrer schärfsten Waffe, der Satire, nicht entbehre». Obenan steht der größte humo-ristische Dichter der jüngsten Zeit, Heinrich Heine, der in seinem schon besprochenen„Atta Troll" dieses Genre mit einem Meisterwerk bereicherte. Aber auch Herwegh,Dingelstedt, Prutz, Sallet, Gottschall, Hartmann- vor allem Hoffmann von Fallers-leben haben in ihren Gedichten die Lanze der Satire vielfach eingelegt und damitManchen Ritter von der traurigen Gestalt aus dem Sattel gehoben. Außer den sa-tirischen Wendungen in großer» Gedankenturnieren war besonders, das epigramma-tische Ringelstechen en vogns. Hierin haben fast alle die erwähnten Dichter Vor-treffliches geleistet. Einen selbständigen Anbau des satirischen Gebiets versuchte Adolf^laßbrenner in seinem „Neuen Reineke Fuchs" (Stuttg. 1844). Dieser Reineke Fuchsist das unerschöpfliche Olkrüglein der deutschen Thierfabel und gibt sich willig jederreichen Phantasie zu neuen humoristisch-satirischen Arabesken her. Die äsopischeFabel ist eigentlich nur ein Epigramm im Vergleich mit der allegorisch-phantastischenThierdichtung, welche die Thierwclt in ihrer ganzen Breite zu einem humoristischenEpos verarbeitet, indem sie in den thierischen Eigenthümlichkeiten die menschlichen