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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik.

parodirt. Es liegt etwas Unheimlich-Spukhaftes in der grinsenden Thierfratze, welchedas Menschenantlitz carikict, weil das Thier dem Menschen gleichzeitig durch seineOrganisation so nahe, durch sein geistiges Deficit so fern steht. Doch für die Sa-tire ist das zum Thierleben degradirte Menschenthum ein willkommener Stoss. Deralte Neineke Fuchs und auch die Goethe'sche Bearbeitung machten eine neue Be-handlung des ergiebigen Stoffs nicht überflüssig, da gerade das jüngste Jahrzehndglückliche Gesichtspunkte für die politische Satire bot. Glaßbrenner hat sich mit Fleißder Aufgabe unterzogen, das Fell des Reineke raclivivus mit allen satirischen Hiero-glyphen zu bekritzeln, zu deren Lösung die Zeitgeschichte den Schlüssel gibt. Die dich-terische Form ist durchweg populär, freilich auch oft trivial und die poetische Licenzbis zur Ungebühr ausbeutend. Das Gedicht leidet, so reich es an directem, schlagen-dem Witz und einer oft burlesken Naivetät ist, doch Mangel an phantasievoller Er-sindung, an dramatischer Action, an jenen ksits sooomplis der Thierwelt, welche sichdem Volksbewußtsci» einprägen. Einzelne Stellen athmen poetischen Duft. Dennochkonnte das Gedicht reicher sein an anmuthigen Naturgemäßen, da das Thierlebenja noch tiefer als das Menschenleben in dem Schoose der bewußtlos-schaffenden All-mutter wurzelt. Dem satirischen Genre gehören ferner die „Gedichte" von Dr. Mists(Professor Gustav Theodor Fechner in Leipzig) an (Leipz. 1841), dessen Witz nichtselten ohne Geschraubtheit ist, und der mit seinen kichernden Irrlichtern oft in Sümpfegeräth, wo man sich nicht zurechtfinden kann. Von weniger mühsamen Geburts-wehen sind die humoristischen Erzeugnisse von Heinrich Hoffmann („Gedichte", Franks.1842) begleitet, welche in geistreichen Variationen mancherlei Themen des Lebensund der Zeit abspielen. C. M. Winterling zeigt in seinen „Epigrammen in vierCenturien" (Erl. 1847) und in seinen „Rhythmen und Reimen" (Erl. 1849) epi-grammatisches Talent, obgleich auch manche hölzerne Geistespuppe gewiegt wird.Die „Lenin" von Glaßbrenner und Sanders (Hamb. 1849) quälen sich zu sehrmit spondeenreichen Distichen ab, und lassen über dem Bemühen, der strengen Formzu genügen, alle Leichtigkeit und hüpfende Grazie vermissen, während AlexanderJung in seinen „Elixiren gegen die Flauheit der Zeit" (Leipz. 1846) nur epigram-matische Knallbonbons liefert.

Die moderne Lyrik, welche, insoweit sie den irdische» menschlichen Lebensgenußpredigte, besonders die Befreiung von aller Zerknirschung und Bekreuzigung, vonromantischer Verbitterung der Existenz suchte, fand einen mächtigen Verbündeten imOrient. So erweiterte sie sich einerseits kosmopolitisch, gewann an glänzenden Bil-dern, Farbenreichthum und umfassender Weltanschauung, während sie sich anderer-seits innerlich vertiefte und die Frivolität abstreifte, indem sie mit lebensvollem Be-hagen den Rosenkranz jener altehrwürdigen orientalischen Weisheit abbetete. Dortwar der Lebensgenuß weder leichtsinnige Praxis noch in ein System gebracht, aberdurch sentenzreiche Weisheit gewürdigt und geheiligt. Hatte schon Goethe auf dem„Westöstlichen Divan" mit Behagen geruht; hatte schon Rückert die „Weisheit desBrahmanen" (4 Bde., Leipz. 1841; neue Ausg. in 1 Bd., 1843) in Deutsch-land zur Geltung gebracht, und mit allem möglichen und unmöglichen Vers- undReimgeklingel den Einzug des ebenso prachtvollen wie gehaltreichen Orients in diedeutsche Literatur eingeläutet: so war es wol kein Wunder, daß viele jungem Talenteden geistigen Schmuggelhandel mit dem Orient fortsetzten, um so mehr, als die orien-talischen Studien selbst jährlich neue Geistesschätze zu Tage förderten und mit immersteigendem wissenschaftlichem Eifer betrieben wurden. Rückert hatte in seiner „Ha-mäsa" (2 Thle., Stuttg. 1846) arabische Volkslieder übersetzt, welche den ganzen rit-terlichen Geist der Nation mit seiner Kampflust und seinem Rachedurst widerspie-gelten. Graf übersetzte nach dem Texte Saadi's „Rosengarten" (Leipz. 1846), wäh-rend Ernst Meier die classischen Dichtungen der Hindus aus dem Sanskrit übertrug(Stuttg. 1847), W. A. Meußel in „Prinz und Derwisch" die Makamen Jbn-Chisdai's (Stett. 1847) dem deutschen Publium zugänglich machte, und Amthor inseinen „Klängen aus Osten" (Leipz. 1841) die Makamen des Hamadani und Epi-