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Achter Band.
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70 Die neue deutsche Lyrik.

gende in 29 Gesängen „Die heilige Elisabeth von Ungarn" von Katharina Dich!Und wie dem religiösen Epos, so ergeht es auch eigentlich dem geschichtlichen, mages „Ulrich Zwingli" in 29 Gesängen, oder „Hermann von Salza" in 10 Gesängen,oder „Gustav Adolf" in drei Gesängen feiern, mag es Emanuel Fröhlich oder Hcn-schel und Friedrich zum Verfasser hLben! Die versificirte Langeweile ist und bleibtungenießbar. Da haben wir einen „Kolumbus", einen „Friedrich den Großen",einen „Jürgen Wullenweber", einen „Mazeppa"; wir haben ein östreichisches Epos„Don Juan d'Austria" von Ludwig August Frankl, einen „Zug nach Moskau",einen „Napoleon in Ägypten". Ja bis ins Alterthum ringelt sich der epische Band-wurm zurück. So führt uns Kannegießer einen „Telemachus und Nausikaa" vor.Eichner dagegen dichtet ein modernes Epos: „Des Sängers Grab". Die Idyllenach Goethe'schem und Voß'schem Muster hat noch die meiste Anwartschaft auf An-erkennung, wenngleich die Nachahmer von Julius Voß, wie Crusius in seinem länd-lichen Epos „Die Verlobung", doch mit der Staffage der Bauernhöfe zu großemMißbrauch treiben. Hartmann's „Adam und Eva" ist schon oben erwähnt worden.„Pepita", italienische Idylle von Ed. Boas (Leipz. 1844), ist eine freundliche Pro-duction in diesem Genre.

Unter den dichtenden Frauen, welche der naiven Lyrik huldigen, verdient, außerNosa Marie und Elisabeth Kulmann, die Beide schon verstvrben sind, vorzüglichBetty Paoli auszeichnende Erwähnung, weil sie, von dem echten Dichterfeuer durch-glüht, ihren tiefsten Empfindungen einen meist künstlerisch vollendeten Äusdruck zugeben versteht. Ihre Schriften sind: „Gedichte" (Pesth 1841); „Nach dem Ge-witter" (Pesth 1843); „Romancero" (Leipz. 1845); „Neue Gedichte" (Pesth1850). Der Schmerz einer unglücklichen Liebe, die stille Wehmulh und edle Re-signation sind der Grundzug ihrer Dichtungen, welche nirgends die Grenzlinie derSchönheit überschreiten und durch die Wahrheit und Tiefe des Gefühls fesseln. Im„Romancero" ist viel südlich glühende und duftende farbenreiche Poesie, wenn auchdas objective Element gegen die vorherrschende Subjectivität in den Schatten tritt.Das „Stakst matsr" ist vortrefflich, aus den Tiefen der Seele herausgedichtet.Nächst ihr verdient Luise von Plönnies den Kranz. Ihre „Gedichte" (Darmst.1844) enthalten viele zarten Licbcslieder und gelungene Schilderungen, oft mit ori-ginalen Blitzfunken in Bild und Gedanken. Ihre Sonettenkränze „Abälard undHeloise" und „Oskar und Gianetta" vereinigen mit diesen Vorzügen noch eine selteneMeisterschaft der Form. Wir erwähnen noch: Adelheid von Stolterfoth, Phantasie-reich und anspruchslos in ihren „Rheinischen Liedern und Sagen" (Franks. 1839;3. Aufl., 1851); Karoline Leonhard-L^ser, Margaretha Adelmann, Henriette Otten-heimer, Emma von Niendorf, Luise von Lindenfels.

d. Die Lyrik der reaktionären Tendenz.

Neben den naiven Lyrikern trat alsbald eine Richtung auf, welche sich gegenden Zeitgeist mit heftiger Polemik wandte und eine Restauration des alten Bewußt-seins in Glaube und Sitte, Staat und Kirche verfocht. Diese Lyrik hatte ihreUnbefangenheit eingebüßt; denn sie war mit den Jeikideen behaftet, wenn sie sichauch negativ gegen diese verhielt. Ja, sie trug den Stempel der Absichtlichkeit, derTendenz noch deutlicher an der Stirn als die politische Lyrik, welche sich mit einergewissen Ungezwungenheit von den Wellen der Zeit schaukeln ließ. Diese Dichteraber strengten alle ihre Kräfte an, um „gegen den Strom" zu schwimmen. IhreBegeisterung war krampfhaft; ihre Missionswuth hatte etwas Verbissenes. AlsHeros dieser fanatischen Bußprediger erscheint Oskar von Redwitz, dessen „Amaranth"keineswegs wie „Otto der Schütz" von Kinkel, „Wieland der Schmidt" vonSimrock u. s. w., eine Unbefangene mittelalterliche Dichtung ist, sondern eine fulmi-nantc MissionSpredigt gegen das moderne Heidenthum, die Predigt eines allerneuestcnZeloten, der sich mit dem Ritterschwerte kiur kokett und anachronistisch umgürtet.Weniger bewußt und entschieden gehören hierher Emanuel Geibel und Max Sche-