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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik. 7?

an; er gibt seinem Dichterroß die Sporen des deutschen Patriotismus: aber er suchtdas Heil in einer aus der Liebe kommenden Freiheit, und wendet sich polemisch ge-gen die Freiheitslyrik des Hasses. Die Form von I. Sturm ist gehalten, gediegenund kräftig; doch der Inhalt leidet an der vagen Unbestimmtheit einer nicht ausge-gohrenen Geistesbildung. Zu den specifisch-frommen Poeten, die aus ihrer Poesienur Handwerk machten, gehören unter Andern Gustav Iahn („Das Hohelied. InLiedern", Halle 1845), nicht ohne poetische Begabung, aber sich in ausgetretenenGleisen bewegend; Karl Stöber, als volksthümlicher Erzähler bekannt; P. Lange, der„Neutestamentliche Zeitgedichte eines Hoffenden" (Essen 1843) herausgab. Die Zahlder lyrischen Andachtsbücher ist Legion, selbst wenn man von den bereits erwähntengroßer» religiösen Epopöen abstrahirt. Doch der poetische Werth dieser professionellenfrommen Dichtungen bleibt immer gering, da sie entweder den Ton einer hausbacke-nen Andacht oder einer hyperphantastischen Sentimentalität anschlagen. Der hervor-ragendste unter diese» Dichtern ist wol Victor Strauß, der in seinen „Gedichten"(Vieles. 1841), seinem „Richard" (Vieles. 1841) und dem „Kirchenjahre imHause" (Heidelb. 1845) wenigstens in sicherer, regelrichtiger Form zu dichten ver-steht. Auch Wilhelm Meinhvld zeigt in seiner „Athanasia" (Magdeb. 1844) bei vielentrivialen Stellen hin und wieder einen höher» Schwung. Albert Knapp bekundetin seinen „Christlichen Gedichten" (3. Ausl., Basel 1843), sowie in den „Hohen-staufen" (Stuttg. 1839) einen tieffrommen Sinn, dem die christliche Weltanschauungeine innere Nothwendigkeit ist. Die übrigen religiöse» Dichtungen, alle diese Liederunter den Palmen, die Harfenklänge aus Zion, die christlichen Divans, sind ohnehöher» Werth, sodaß wir auch die Aufführung der Dichternamen füglich unterlassenkönnen. Indessen gelang das andächtige Glockengeläute den Frauen besser als denMännern. In diesen Frauenkreis gehört vor allem Annette Elisabeth Freiin vonDrösle»Hülfshoff (gestorben 1848), deren „Gedichte" (Stuttg. 1844) den streng-gläubigen Katholicismus in ungraziöser Form predigen. Eine gewisse Originalitätdes Ausdrucks und Lebendigkeit der Schilderung, die sich besonders in den westfä-lischen Haidebildern zeigt, läßt sich ihr nicht absprechen, obgleich der orthodoxe Starr-sinn und die einseitige feudale Begeisterung ihrer Poesie nur einen sehr beschränktenStandpunkt anweisen. Wenn diese Dichterin, von der Zeit unberührt, in klöster-licher Einsamkeit und Sichselbstgleichheit die Harfe schlug, so hat dagegen die Gräfin3da Hahn-Hahn, die nach vielbewegtem Leben in den Schoos der Kirche zurück-kehrte, und das Babylon ebenso gut kennt wie das Jerusalem, etwas Magdalenen-hastes. Ihre durch den Gegensatz vertiefte Frömmigkeit hat daher größeres Lebenund mehr Innigkeit als jene in sich fertige Poesie. In ihren Gedichten: „Unsererlieben Frau" (Mainz 1851) schlägt sie vollere Klänge an, mit jener Meisterschaftweltlicher Grazie, die sie bereits in ihren Romanen bekundet. Die Dichterin DiliaHelena, welche Tieck in das Publicum einführte, hält sich in ihren „Gedichten"(Berl. 1841) von specifischem Kirchenthum frei, und feiert nur die beschränkte,häusliche Sittlichkeit des Weibes. Dagegen hat die Kölner«, Luise Hensel in Die-Penbrock's „Geistlichem Blumenstrauß" die Poesie mit einigen Andachtsblüten be-reichert.

Gegen die zahlreichen Anthologien, welche oft der Talentlosigkeit zu einem ge-wissen Rufe verhelfen und in der Regel ohne höhere Kunsteinsicht aufs buntestezusammengewürfelt sind, hat in der neuesten Zeit Karl Gutzkow mit Glück eine kri-tische Lanze gebrochen. Derselbe hat auf das Unwesen der Blumenlesler hingewiesen,welche durch diesen lyrischen Honig den Geschmack des deutschen Publicums verderbenund seine Aufmerksamkeit von den größern Talenten ablenken, die nicht Albumversekritzeln, aber Combination, Geist, Phantasie und Erfindungskraft in umfassendenSchöpfungen bethätigen. Wir theilen auch das Mißtrauen Gutzkow's in den geistigenFonds der blos lyrischen Talente, besonders wenn sie sich der gedankenlose» Lovely-Poesie hingeben. Glücklicherweise ist in unserer modernen Lyrik, trotz der jüngste»,raffinirten ttsut-gout-Poeten, Gedankengehalt genug, um ihr eine nachhaltige Be-