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Achter Band.
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China und die Länder seines Cultursystems.

Ahnen, wie sie tugendhaft leben und das Laster meiden mögen. Der Sohn alleinhat das Recht, seinem Vater Himmel und der Mutter Erde die schuldigen Opferdarzubringen, wann es sich ziemt, und dies geschieht gleich nach der Thronbestei-gung, zur Zeit der Tag- und Nachtgleichen und Sonnenwenden. Der Oberpriesterfleht um eine reiche Ernte und opfert die Erstlingsfrüchte des Feldes; er dankt auchdem Vater Himmel bei jeder andern, seine Familie oder das ganze Land betreffen-den wichtigen Angelegenheit. Zurückgezogen in die Einsamkeit, fern von allen welt-lichen Geschäften und sinnlichen Freuden, selbst der Speise sich enthaltend, bereitetder Sohn sich vor, um das Opfer würdig darzubringen. Am Tage der Opferungselbst erscheint er in voller Pracht, von allen seinen Verwandten, von den Großenund hohen Beamten der Hauptstadt umgeben, als Beherrscher des Menschenge-schlechts. Die Wahl der Opfer, die herrlichen Gefäße, der Schall der musikalischenInstrumente und das ehrfurchtsvolle Schweigen der Millionen, die den Zug beglei-ten: Alles dies zeugt von der Größe des Sohnes, der da opfert, und von der All-macht des Vaters, dem geopfert wird.

An solch einem Tage werden keine Audienzen ertheilt, und die Geschäftslocalealler Behörden bleiben geschlossen. Heirathen und Festlichkeiten jeder Art, selbst dieBegräbnißceremonien sind an diesem Tage verboten. Die Mitglieder des Justizcol-legiums, welches die peinliche Gerichtsbarkeit ausübt, sowie die Beamten, die sich einVergehen oder Verbrechen zu Schulden kommen ließen, haben an diesem Feste derTugend und Gerechtigkeit keinen Antheil. Sie dürfen den Kaiser nicht begleiten.Nichts Herrlicheres und Majestätischeres auf Erden, sagt ein Augenzeuge, als derKaiser, wenn er in den Tempel des Himmels und der Erde zieht, um zu opfern;nichts Demüthigeres und Gehorsameres auf Erden als der Kaiser, wenn er dasOpfer seinem Vater Himmel und der Mutter Erde darbringt. Der Oberpriestcrbestimmt allein, welche göttliche Wesen, welche Kräfte der Natur, welche Wohlthäterdes Menschengeschechts von seinen Untergebenen verehrt werden dürfen und sollen,und welche Opfer ihnen dargebracht werden können. Sowie er für das ganzeReich und alle seine Völker, so opfern seine Beamten für die Länder und Kreise,für die Volksabtheilungen und Gemeinden, denen sie vorgesetzt sind und deren Wohlund Wehe von ihnen abhängt. Der Verwalkungsbeamte des chinesischen Staatsist zugleich der Priester des Volks.

Der Himmelssohn ist von Gottes Gnaden auch der erste Gelehrte und Schrift-steller, der geistvollste Mann der Nation. Die entweder von ihm selbst verfaßtenoder doch wenigstens unter seiner Autorität erschienenen Normen und Schriften sindin Inhalt und Form das Musterbild, nach welchem sich die Menschheit zu richtenhat. Unter der Regierung der großen Dynastie Tsche'u, vom 12. bis zum 3. Jahr-hundert vor unserer Zeitrechnung, wurden am 1. jedes Monats die Gesetze desReichs öffentlich verkündet und erläutert. Diese von dem Himmelssohne ausgegan-genen Normen waren ein Sittenspiegel für Jung und Alt. Jetzt sind indessen derVorschriften zu viele; es ist unmöglich, sie an einem Tage zu verkünden und zuerklären. Kaiser Kanghi hat deshalb 16 moralische, von seinem Sohne Jongtschingmit zahlreichen Erläuterungen versehene Sprüche aufgesetzt, welche gemeinhin dieheilige Lehre genannt werde». Am 1. und am 15. des Monats versammeln sichin jeder Stadt, in jedem Dorfe die bürgerlichen und Militärbeamten, lesen demVolke eine dieser Maximen vor, führen den Sinn derselben weiter aus, und erläuternsie durch mannichfache aus dem Leben genommene Beispiele. Die Fürsten des Mit-telreichs sind heutigen Tags, gleichwie in den frühern Jahrhunderten, die Lehrerihres Volks. Die größten Kaiser haben nicht nur durch ihre Thaten und ihr Leben,sondern auch durch' ihre Schriften der Menschheit als Musterbilder vorgeleuchtet.Die Geisteserzeugnisse sämmtlicher Gebieter der chinesischen Monarchie bilden eineeigene, reiche Abtheilung der unermeßlichen chinesischen Literatur.

Das Reich des Himmclssohnes heißt Tien-Hia, das Erdenrund. Daß es sichnicht soweit erstreckt, daß nicht alle Völker hienieden ihm gehorchen, ist nicht die