China und die Länder seines Cultnrsystems. 95
Leben trug den Sieg davon über die abgestorbenen Formen. Jedes Wort, jederBrauch, welcher aus Unterwürfigkeit, auf eine Tribut bringende Gesandtschaft gedeu-tet werden konnte, mußte beseitigt werden. Selbst die Namen ihres Landes, ihrerksursten und Großen durften sie nicht, wie es die alte Sitte will, über die Zeilenhmausrückeu. Geschenke, die allgemeine Gewohnheit des Morgenlandes, wurdenweder gegeben noch angenommen. Solche Nichtigkeiten seien ungeeignet in dem-Verkehre zwischen großen Staaten. „Die fremden Gesandten", so belehrt Cusching
Statthalter der beiden Kreise Kuangtong und Kuangsi, „vertreten die Stellechttr louvcräncn Nationen. Jede Misachkung, die ihnen widerfährt, wird von denStaaten gerochen. Die Gesandten haben das Recht, zu kommen und zu gehen»ach Belieben. Nach der westlichen Sitte kommen sie ungehindert an den Hof, be-grüßen den Fürsten und unterhandeln mit seinen Ministern. Werden die Gesandten,die Mittler des Friedens, zurückgewiesen, so bleiben blos die Truppen und Schiffe,die Werkzeuge des Kriegs." Diese Sprache erschreckte Taokuang der Art, daß ernochmals zu seinem einsichtsvollen Verwandten, dem Mandschu Kijing, seine Zufluchtnahm. Der Minister ward zum Stellvertreter des Kaisers erhoben, ging nach Kan-ton, und bot Alles auf, um Cusching von der Weiterreise nach Peking abzuhaltenund einen Frieden zu ermitteln. Freilich meinte der Hof immer noch, man sei jamit Amerika nicht im Kriege und bedürfe keines Vertrags; die Unterthanen diesesDtaats hatten sich auch gehorsam und ordentlich betragen, was von den aufrühre-rischen, schlechten Engländern nicht gesagt werden könnte.
Kijing fügte sich am Ende allen Federungen, und wo er nicht helfen konnte,da mußte die aufrührerisch gesinnte, verdorbene Bevölkerung Kantons die Schuld tra-gen. „Es seien dies gar unbändige, heftige Leute, die tausend Streiche im Kopfeführen. Seitdem die englischen Soldaten herbeikamen, haben sie sich in Bünde zu-sammengcthan, die unter dem Vorwande, vom Vaterlande die Schmach zu nehmen,jKubcn und plündern und allerlei sonstigen Unfug treiben. Sie sind es, welche dieSrcmden beleidigen und immer und immer Unruhen erregen." So schildert derBevollmächtigte die Patrioten des Mittelreichs, welche die Bureaukratie des Ver-raths beschuldigten und die Ehre des Landes vertheidigen wollten. Cusching hielt esunter den bestehenden Verhältnissen für geeignet, die Gesandtschaft nach Peking auf-zugeben, mit dem Stellvertreter zu unterhandeln und den Vertrag abzuschließen(5. Juli1844). Es ist dies der Frieden von Wanghia, so genannt von einem Dorfeunfern Macao, in der dortigen Mundart Mongha geheißen, wo er unterzeichnetwurde. Die Amerikaner bestanden daraus, daß sie sich, im Falle einer Beschwerde,an den Hof wenden dürften. Nun fragte es sich, vermittelst welcher Behörde? Der^taak besitzt kein auswärtiges Ministerium. Das Lifan-juen, die Behörde für dieMemdcn, ist zur Regierung der nördlichen und nordwestlichen, unter China stehen-den Völkerschaften eingesetzt, für die Mongolen, Türken und Tübetaner; das Sitten-tribunal verkehrt blos mit den Tribut bringenden Völkern, den Siamesen und Ana-miten, mit Korea, Rußland und den Lie'ukieu. Mit solchen Stellen wollten die Ame-nkaner nicht verkehren. Kijing verordnete, daß ihre Schreiben, welche von denStatthaltern der Provinzen empfangen werden müßten, au den Geheimen Rath zuuchten wäre». Die Union genießt alle Begünstigungen, welche mit den Engländernvereinbart wurden. Auch wurde festgesetzt, daß ohne Zustimmung Amerikas keineneuen Monopolicn eingeführt, keine neue Ordnung über Ein- und Ausfuhr getroffenund eine Änderung der Zollsätze nicht vorgenommen werden dürfe. Die Amerikanersind überdies wie alle Fremden in China, blos ihren eigenen Behörden unterworfen,Wwol i>, peinlichem wie in bürgerlichem Rechte.
kos kostspielige französische Gesandtschaft war, gleichwie die Missionen an Ro-nutzloses eitles Gepränge. Frankreich hat in China und im südlichen Ame-nra keme großen politischen oder Handclsinteressen zu vertreten. Die bezüglichenUnterhandlungen und Verträge gewähren deshalb der französischen Nation auch nichtden geringste» materiellen Nutzen. Um die Unkundigen zu täuschen, wird vorgege-