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Achter Band.
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96 China und die Länder seines Cultursystems.

ben, der französische Gesandte, Lagre'ne, wäre im östlichen Asien als Vertheidiger derreligiösen und humanen Bestrebungen aufgetreten. Der Vertrag von Wanghia liegtder französisch-chinesischen Übereinkunft von Whampo (24. Oct. 1844) zu Grunde.Es wurde blos hinzugefügt, den Sendboten und chinesischen Christen, deren wolkaum 200000 unter den 400 Millionen sein mögen, sollten keine Hindernisse inden Weg gelegt werden. Aber auch dies ist blos eitler Schein. Niemand kanndas Benehmen der Regierung im Innern des Reichs überwachen. Welche humaneGrundsätze aber die Schützlinge der Franzosen, die Jesuiten, in China befolgen woll-ten, ist daraus zu ersehen, daß sie behaupteten: nur sie und ihre Gläubigen genössenReligionsfreiheit > auf die protestantischen Missionen könne dieser Artikel keine An-wendung finden. Da trat nochmal Kijing mit der bestimmten Erklärung dazwischen:China gewähre keinem der westlichen Völker, wie der Friede von Nanking bestimme,ein Sonderrecht; allen sei religiöse Freiheit gestattet, mögen sie nun ihren HerrnJesus in dieser oder jener Weise verehren. In den beiden Verträgen, in dem ame-rikanischen wie dem französischen (der eine ward am 81. Dcc. und der andere am25. Aug. 1845 ratificirt) ist gleichmäßig bestimmt, daß erst nach dem Verlause von12 Jahren eine Änderung vorgenommen werden kann.

Die mangelhafte Ausführung des Friedens und die Volksstimmung.

China hat alle seine Verpflichtungen, die Geldleistungen noch vor der bestimm-ten Zeit, bis auf die Eröffnung der Stadt Kanton getreulich eingehalten. Es seiunmöglich, erklärte die Kreisregierung, den Widerwillen der Bevölkerung zu brechen.Dieselbe wolle es nun und nimmermehr dulden, daß den Fremden der Aufenthaltin der Stadt gestattet würde, daß sie hier wie in Schanghai Paläste und Kirchen,Schulen und Rennbahnen errichten; die Kantoner befürchten, die Engländer wür-den dann in Masse herbeikommen und sie des Landes ihrer Vater berauben. Daalle Vorstellungen vergebens waren, fuhr endlich (Mai 1847) der Statthalter vonHongkong, Francis Davis (der bekannte Sinolog und Verfasser mehrer Werke überChina und seine Literatur), mit einigen Schiffen gegen Kanton, zerstörte die neuer-richteten Kastelle an der Tigermündung, nahm die Kanonen weg, und zwang dieBehörde, seinen Landsleuten südlich des Perlenfluffes, den Factoreien gegenüber,größere Räumlichkeiten anzuweisen, wo sie sich aufhalten und Lagerhäuser errich-ten könnten. Die Eröffnung der Stadt konnte auch er nicht erzwingen. Sonachist dieser Artikel des Vertrags von Nanking unerfüllt geblieben, weshalb die Eng-länder, wenn die Umstände es rathen oder gebieten sollten, China jeden Tag mitKrieg überziehen könnten. Man hielt es bis jetzt für geeignet, sich diesen Friedens-bruch gefallen zu lassen. In den andern eröffneten Handelsstädten gab es zwarebenfalls Zwiste und Ruhestörungen zwischen den Fremden und den Eingeborenen,namentlich den Kauffahrern aus Folien, deren Handel von den westlichen Kaufleutenin den letzten Jahren sehr geschmälert wurde: zu eigentlichen Angriffen und allge-meinen Verfolgungen ist es aber nicht gekommen. Die chinesischen Beamten, ihrerSchwäche sich bewußt, haben immer nachgegeben und sich auch den ungebührlichstenFederungen oer englischen Consuln gefügt. Nur dadurch ist der offene Ausbruchder Feindseligkeiten, welcher von dem über die Aufführung der Barbaren empörtenchinesischen Volke wie von dem habsüchtigen englischen Krämervolke in gleichem Gradeherbeigewünscht wird, bis jetzt vermieden worden.

In Schanghai, wo die Masse der Bevölkerung friedlichen Sinnes und denFremden am geneigtesten sein soll, findet man doch häufig Proclamationen ange-schlagen, die den Barbaren Tod und Verderben drohen. „Vernehmt, o vernehmt,ihr verhaßten Barbaren", so lautet eine dieser Bekanntmachungen, „wir Patriotenund ehrenwerthen Leute der überausreinen Dynastie wollen euch einen Spiegel vor-halten, damit ihr erfahrt, wer ihr eigentlich seid. Nur durch die Sprache und inkeiner andern Beziehung seid ihr von dem wilden Gethier unterschieden. Wir habenVerstand, wir beachten Verhältnisse und Gesetze; ihr aber seid blind und dumm und