China und die Länder seines Cultursystems. 103
Nachfolger des Schuntschi, Kanghi (1661—1723), Jongtschiug (1723 —06), Kienlong (4736—96) und Kiaking (1796 —1820) haben durch Klugheit und«rast nicht bloß alle Anhänger der gestürzten Ming vernichtet und die zahlreichenAusstände im Innern des Reichs niedergeschlagen, sondern auch die meisten Stämmedes mongolischen wie des verwandten tungusischen Volks sich unterworfen. Siebemächtigten sich überdies der benachbarten Länder, Tübets, der Kleinen Bucharei undDsongarei, sodaß die Herrschaft der überausreinen Dynastie sich jetzt, wie bereits er-wähnt, vom östlichen Meere bis unfern der Quellen des Opus und Jaxartes er-vom Altaigebirge und dem Amurstrome bis herab zu den Absenkerndes Himalaja und den Fluten des Jrawaddy, weiter östlich sogar über die Inselgrup-pen Taiwan und Lieukcu.
Kaiser Kanghi ordnete besondere Namen für alle spätern Generationen und Sei-^"^mcn seines Geschlechts. Der Prinz, welcher (1820) auf Kiaking folgte, war1781 geboren, und führte den Eigennamen Hing Ning, welchem die Bezeichnungder fünften Generation Mien hinzugefügt wurde. Micnning, der seiner Regierungden vielversprechenden Titel Taokuang, Vernunftlicht, gegeben hat, erscheint jetzt selbst. ^""er dieser Ehrcnbcnennung bei den Geschichtschreibern des Westens. Nicht so
Hier wird jedem verstorbenen Regenten nochmals ein neuer Name ge-geben. Und so heißt Taokuang jetzt Liuentsong, Tscbing Hoangti, der herrliche Alt-vater, der gerechte Gebieter, ein Name, unter dem er aufgeführt wird in den Jahr-büchern des Mittelreichs.
Taokuang ist der letzte Beherrscher des Mittelreichs im altchinestschen Sinne;unter seiner Regierung mußte das System der Abschließung aufgegeben werden.China ist seitdem in die Weltbewegung hineingezogen und wird immer mehr hinein-gezogen. Deshalb vorzüglich wird Taokuang ewig denkwürdig bleiben in den Jahr-^chern der Menschheit. Die andern Ereignisse seiner Regierung sind von geringerBedeutung. Es ist das ewige Einerlei der ganzen chinesischen Geschichte: Aufstände,Hungersnoth und Überschwemmungen, Hofcabalen, Absetzung und Erhebung der-Leamten, wobei man überdies gar nicht weiß, ob alle diese Geschichten sich wirklichzugetragen haben oder ob sie blos Erfindungen der gemeinen chinesischen Kundschaf-ter sind, welche sie den Europäern in Kanton hinterbringen. Eine Presse im wah-
Sinne des Worts als Ausfluß und Sinnbild der Volksgewalt gibt es nicht imMittelreiche, und die Hähern Beamten, welche die Verhältnisse des Hofs und dasGetriebe ihrer Machthaber kennen, verkehren niemals in geselliger, freundschaftlicherWeise mit den Fremden. Werke, welche die neueste Geschichte darstellen, erscheinenum äußerst selten, und sind auch theils aus Unkunde, theils aus Furcht vor denMachthabern sehr mangelhaft. Die amtlichen Jahrbücher werden zwar nach demTode eines jeden Himmclssohnes zusammengestellt (die Geschichte des Vaters vonTaokuang war bereits 1824. vollendet), aber erst nach dem Untergänge des ganzenHerrscherhauses ausgegeben. So sind wir über den bedeutenden Krieg in der KleinenBucharei gegen die.Nachkommen der ehemaligen Gebieter, die sogenannten Chodscha,Anige amtliche Bekanntmachungen im Kingpao oder Hofherold abgerechnet, ganz imDunkeln. Wie der Himmelssohn selbst sein Wirken betrachtete, wie er wünscht, daßes angesehen werde, und wie es höchst wahrscheinlich von den amtlichen Annalistenkünftiger Zeiten dargestellt wird: dies zeigt der letzte Erlaß vor seinem Tode, inwelchem sich nicht blos die chinesische Anschauungsweise der Religion, des Staats"'^ .des ganzen Lebens, sondern auch die herkömmliche Lügenhaftigkeit vollkommenabspiegelt. Auf die Kriege gegen die Türken im Nordwesten und gegen die Eng-w"ltk* ^dosten wird in folgenden Worten angespielt: „Als die armen Narren,lilck, >westlichen Grenzlanden (Siju, so heißt die Kleine Bucharci im Chine-l lcym) wohnen, durch unsere Truppen gezüchtigt waren, hofften wir, nicht mehrgcno ylgt zu sei», ihre Tapferkeit in Anspruch zu nehmen. Als sich aber dasÄriegsfcucr von neuem im Osten wie im Süden aus Anlaß einer Handelssrageentzündet, da gedachten wir der guten Altvordern vergangener Tage, welche die