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Achter Band.
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110 China und die Länder seines Cultursystems.

ten 1200 Mann, und entfernten sich sodann. Dies war das erste bedeutende feind-selige Zusammentreffen zwischen Kotschinchina und einem westlichen Volke. Ein Ge-nosse dieses muthwilligen Mordens wagte zu berichten: man hätte allenthalben imLande den Muth der Franzosen wahrend des Kampfes gepriesen, sowie ihre Mensch-lichkeit nach dem Siege. Zm Gegentheil, der König nahm sich das Unglück seinesVolks so zu Herzen, daß er einige Monate nach dieser Gräuelthat (4. Nov. 1847)starb. Der Sohn und Nachfolger, welcher seiner-Regierungsperiode den Titel Tu-dnk, Tugendhafte Nachkommenschaft, beilegt, hielt es für Pflicht, die Ermordung seinerLandsleute und den Tod des Vaters an den Christen zu rächen. Schnell nacheinanderergingen mehre Bekanntmachungen gegen die „ verdammliche, westliche Lehre, welchedie Verehrung der Geister und Ahnen abschaffen und das gräuelhafte Gottessen ein-führen wolle". Die einheimischen Christen mußten abschwören oder verloren ihrLeben unter den größten Peinigungen. Die europäischen Missionare wurden ansKreuz geschlagen, und jeder Verkehr mit dem christlichen Auslande ward unbedingtverboten. Hingegen steht Tuduk in den freundschaftlichsten Beziehungen zu dem Hofevon Peking. Die Chinesen, welche jetzt die höchsten Regierungsstellen in Anam ein-nehmen, sind es vorzüglich, welche die strengen Maßregeln und die gänzliche Ab-schließung anrathen. Man wird jedoch wol diesen Zustand nicht lange gegen dieNachbarn in Hongkong und Singapor behaupten können.

Schon jetzt suchen die westlichen Kaufherren auf einer andern Seite, von Kam-bodscha aus, sich den Weg nach Anam zu öffnen. Kambodscha, vor Jahrhundertenein selbständiges, blühendes Fürstenthum, konnte sich gegen die mächtigen Nachbar-staaten nicht behaupten; es ward bald Kotschinchina, bald Siam zinspflichtig, undzahlt wol auch zu gleicher Zeit allen zweien seinen Tribut. Der letzte männlicheSprosse einer langen Reihe von Königen starb im Beginne des Jahres 1836 undhinterließ eine einzige Tochter, welche auf Befehl des Minh-Menh einen Beamtenseines Hofs heirathen mußte. Anam verlieh zwar seinem Diener den königlichenTitel, gebietet aber zu Kambodscha wie in jeder andern Provinz des Reichs. Zugleicher Zeit wurde der westliche Theil des Landes von den Siamesen in Besitz ge-nommen. Beide Staaten suchten nun so viel als möglich aus dem Fürstenthum zuziehen. Jeder Widerstand ward furchtbar gezüchtigt; die Siamesen haben selbst dieFruchtbäume umgehauen und verbrannt. Die unterdrückten und verarmten Bewoh-ner sowie ihre scheinbaren Gebieter sehnten sich Bundesgenossen herbei, die ihnenzur Erlösung, zur Selbständigkeit verhelfen könnten. Ihre Blicke wendeten sich nachSingapor, wo die Wünsche der Engländer freundlich begegneten. Ein gewisserMonteiro erschien (1850) als Gesandter des sogenannten Königs von Kambodscha zuSingapor, und es wurden mit den einflußreichsten Kaufherren daselbst Unterhandlun-gen angeknüpft. Mehre Schiffe gingen nun nach Kambodscha ab, und kehrten mitreichen Ladungen zurück. Englische Agenten gingen von dem Hafen Kambot (10°30 ^ nördlicher Breite und 104 ° 16 ^ 40 " Länge) längs eines schönen von Tek undPalmwäldern überwachsenen Flachlandes zur königlichen Residenz Udong — ein ver-fallener Ort mit ungefähr 10000 Einwohnern und 200 englische Meilen von Kam-bot entfernt. Sie fanden allenthalben einen herrlichen, fruchtrcichen Boden-mit einersehr geringen, arbeitsscheuen und feigen Bevölkerung. Siam und Anam wurden auf-merksam. Auf ihr Anfragen ward ihnen die Antwort, die Fremden, der Fürst undseine Unterthanen suchten blos vortheilhafte Handelsverbindungen zu unterhalten. Unterdiesem Vorwande sind die westlichen Völker von jeher in Asien aufgetreten, und indieser Weise werden sie auch die wenigen noch selbständigen Lande des Erdtheils ansich reißen.

Korea, das zweite Feudalreich des Himmelssohnes, befolgt selbst gegen dasMittelreich ein System der Abschließung und Absperrung. Und doch wußten auchhier die römisch-katholischen Missionare einzudringen und sich Anhänger zu verschaf-fen. Die jetzt in Korea regierende Familie hat gegen das Ende des 14. Jahrhun-derts die Dynastie Wang gestürzt und sich des Reichs bemächtigt. Der jetzige Kö-