114 China und die Länder seines Cultursystems.
erreichen. Im Frühjahre 1852 wurde von den Vereinigten Staate» ein Erschwer»der mit Landtruppen nach Japan gesendet, um in einer oder der andern Weise „denunbeweglichen lästigen Stein des Anstoßes auf der großen Wasserstraße zwischen Ca-lifornien und Schanghai aus dem Wege zu räumen". Nach neueren Nachrichtenjedoch hat man diese Expedition wieder aufgegeben, weil Holland die Vermittlerrolleübernommen habe, um Japan zu bewegen, auf sein Ausschlußsystem zu verzichtenund nordamerikanischc Schiffe landen zu lassen. Die Vereinigten Staaten hätten garmanche Unbill zu rächen, welche ihre gestrandeten Walsischfänger erfuhren, so dasgrausame Betragen gegen Capitän Baker. Die Verhältnisse dürften nicht länger indiesem barbarischen Zustande bleiben; sie müßten durch Verträge eine völkerrechtlicheBasis erhalten.
Der Oberpriester Kusyo und der Hausmeier Safu, so heißen jetzt die beidenGebieter Japans, scheinen entschlossen, nicht nachzugeben und der Gewalt die Ge-walt entgegenzusetzen. Bald nach dem Friedensschlüsse zu Nanking versuchte dieniederländisch? Regierung den tiefen, schmerzlichen Eindruck, welchen die Demüthi-gung des Taokuang in Japan hervorgerufen hat, zu benutzen, um eine Verständi-gung mit den seefahrenden Nationen herbeizuführen. König Wilhelm II. schrieb(1841) dem Seogun, und trug ihm im Namen der westlichen Handelswclt dieBitte vor, er möge freiwillig einige Häfen öffnen, um Japan vor ähnlichem Un-glücke, das China betroffen, zu bewahren. Nach einem Verlaufe von zwei Jahrenerfolgt die Antwort: „Man habe zu Jedo und Miyako die großen Ereignisse imMittelreiche sorgfältig erwogen. Aber eben diese Ereignisse bestimmen Japan, denRathschlägen des Königs nicht zu folgen; man gedenke auch ferner, das einzige Heilin völliger Abschließung zu suchen. Hätte China den Engländern nicht gestattet,sich in Kanton in dem Grade auszudehnen und festzusetzen, daß sie >m Lande Wur-zel schlagen konnten, dann wäre es wol gar nicht zum Kampfe gekommen. Undwenn auch, so müßten die Engländer in diesem Falle so machtlos geblieben sein, daßsie in dem ungleichen Kampfe mit dem großen Mittelreichc schnell unterlegen wären.Dies dient uns neuerdings zur warnenden Lehre in der Behandlung der Fremden.Mein Ahne im fünften Gliede hat den Niederländern den Zutritt gestattet, und siehaben sich dieses Vorrechts durch Gehorsam und Freundschaft würdig bewiesen. Je-des andere westliche Volk wird aber, wie bis jetzt geschah, so auch in Zukunft vonunsern Ufern zurückgewiesen, und man wird sehen, daß wir glücklicher bei unsererWeise leben als die Chinesen bei der ihrigen." Die Gebieter Japans werden sichindessen täuschen; die Jsolirung ist nicht mehr haltbar; das östlichste Jnselreich derErde wird ebenfalls der Weltbewegung zurückgegeben werden müssen.
Die Geschichte unsers Geschlechts beginnt mit einzelnen wilden Stämmen, dieim Laufe der Jahrhunderte das Mcnschthum herausbilden und in Völker und Staa-ten zusammenwachsen. Nach und nach entstehen Völker- und Staatcnvereine, diegroße Ländergebiete einnehmen und selbst ganze Erdtheile beherrschen. Der neuenZeit genügt dies nicht mehr; sie will die ganze Erde umfasse». Das europäischeStaatensystem hat schon längst Europa überschritten; mit einem Fuße steht es inAsien und mit dem andern in Amerika. Selbst Afrika ist hereingezogen. Und sowird die Menschheit, im Kriege oder im Frieden, immer weiter und weiter schreiten,bis alle Länder und Inseln, alle Marken und Gauen zu einem Ganzen sich einenund scharen, bis endlich die getrennten Staatengruppen in einem Weltstaatcnsystemezusammenfließen.