China und die Länder seines Cultursystems. 113
sie nach Zedo, wo die Kubo oder Scogun, die ersten Herzoge der Lehnsaristokratieihren Hof halten. Das fremde Schiff ward alsbald vermittelst eines dreifachenKreise- japanischer Boote umzogen und Keinem seiner Leute die Landung gestattet.Man reichte Capita'n Cooper alles Nöthige, selbst Alles, was er wünschte, befahlihm aber, noch an demselben Tage abzusegeln und niemals wieder vor Jede zu er-scheinen. Den Landsleuten wurde aus Gnade die Heimkehr gestattet. Nach demGesehe gebührte sie ihnen nicht. Denn schon im Jahre 1843 ward bestimmt, dieSchiffbrüchigen könnten nur auf holländischen Fahrzeugen ins Vaterland zurückkehren;Die unter andern Flaggen würden von nun an nicht mehr ausgenommen. Dieserjapanische Erlaß ist vermittelst der niederländischen Gesandtschaft allen seefahrendenNationen mitgetheilt worden.
Hinterlist führte nicht zum Ziele; Täuschung, Anmaßung und Gewalt tre-ten an deren Stelle. Commodore James Biddle segelte.im Auftrag der Regierungzu Washington mit den Schiffen „Kolumbus" und „Vicennes" nach Japan, undgelangte am 20. Juli 1846 in die Bucht von Jcdo. Der Hafenbcamte erschien inBegleitung eines holländischen Dolmetschers und fragte, was die Fremden wollten.„Die Vereinigten Staaten", entgegnet der Commodore, „wünschen in Erfahrung zubringen, ob nicht Japan, gleichwie China, seine Uferlandschaften dem auswärtigenVerkehre geöffnet habe? In diesem Falle gedenkt Amerika mit den Gebietern desLandes, unter denselben Bedingungen wie im Mittelreiche geschehen, einen Handels-tlnd Freundschaftsvertrag abzuschließen." Zu gleicher Zeit wollte Biddle dem Japa-nesen Abschriften der englischen, französischen und amerikanischen Tractate mit Chinaüberreichen. Sie wurden in artiger, aber entschiedener Weise zurückgewiesen. DieSchiffe blieben während ihres siebentägigen Aufenthalts ebenfalls mit einer dreifachenReihe von Booten umgeben, und Niemandem ward die Landung gestattet. „Japanverkehre blos", so lautete am 27. Juli 1846 die Antwort der Regierung von Kiooder Miyako, wo die Dairi residircn, „mit den Holländern und Chinesen und diesblos zu Nangasaki; man denke nicht daran, von dieser Sitte abzuweichen, manwerde keine neuen Häfen eröffnen und niemals einen Handelsvertrag schließen."Der Commodore kehrte nun unverrichteter Dinge zurück, und man mußte in denVereinigten Staaten auf neue Künste sinnen, um Japan.auszukundschaften und zuberücken.
Die Nachkommen der Sachsen in Amerika lieben es, die Thaten ihrer Ahnenaus den Zeiten der verfallenden RLmerherrschaft zu erneuern; sie berühmen sich die-ses Namens der Sachsen und wollen damit manches unwürdige Getriebe beschönigen.„Wir sind", so hört man sie wol sagen, „die ebenbürtigen Söhne der Altvordern.Wie ehemals Hengist und Horsa gethan, so überziehen jetzt unsere Häuptlinge,unsere Seekönige mit ihrem allenthalben zusammengerafften Gefolge die Länder derNachbarn; wiederholt zurückgewiesen, wiederholt zurückgeschlagen, erscheinen sie immerwieder von neuem; Niederlagen schrecken sie nicht; frische Scharen ersetzen die Rei-hen der Gefallenen. So auf dem Festlande Amerika, so auf den Inseln Cuba undJapan." Im Juni 1848 landeten in Japan 15 Amerikaner, vorgebend, sie seien vondem Walfischfänger „Ladoga" wegen schlechter Behandlung entflohen. Einige Monatespäter ließ sich ein anderer „Neusachse", Archibald M'Donald, ein Mann von Ver-mögen und Einfluß — er bekleidete eine bedeutende Stelle bei der Hudsonsbai-Ge-sellschaft — an der Küste Japans aussetzen, um die Sprache dieses Ostlandcs, seineProductionsfähigkeit und Handelsverhältnisse kennen zu lernen. Alle diese Kund-schafter wurden gefangen genommen. Im Beginne des folgenden Jahres kam dieKriegsschaluppe „Preble" nach Nangasaki, um über das Schicksal der AbenteurerKundschaft einzuziehen. M'Donald und die Andern wurden gerne losgelassen, undbas amerikanische Fahrzeug brachte sie wohlbehalten nach Hongkong zurück. Da alled>e Künste, um mit Japan anzuknüpfen, an der Geradheit und Vorsicht seiner Re-gierung gescheitert waren, griff man nach der Gewalt, um das vorgesteckte Ziel zuDie Gegenwart, vm 8