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Achter Band.
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Die Alpen.

bestehe» ausschließlich aus Glimmerschiefer, während aus der rechten Seite Kalk auf-tritt; dieser bildet die kolossalen Felsenwände und zerrissenen Kämme, welche so schöngegen die sanftem gleichförmigen Abhänge und die gerundeten Formen des Schieferscontrastiren. Ein neues Element der landschaftlichen Schönheit tritt hinzu, sobaldman bei Trafo! in eine freiere Erweiterung des Thals gelangt. Hier taucht Plo^lich neben den riesigen Wänden des Orteles die imposante Spitze des Madatschauf, rings umschlossen von seinen ausgedehnten Gletschern. Bon einer Hohe bei5VV0 Fuß gesehen, zeigen sie ganz das Massenhafte ihrer Entwickelung; unterbrochenvon bedeutenden Bergspihen, von dunkeln Tanne» eingesäumt, gewahren sie ,n derThat einen Anblick von seltener Schönheit. Besonders wenn die Madatschspitze ihrebläulichen langen Schatten über die zerklüfteten Eismassen wirft, tritt die Mannrch-faltigkeit ihrer Formen recht deutlich hervor, und die herrliche Abwechselung der ver-schiedenen Töne trägt dann »«gemein dazu bei, die malerische Wirkung zu erhöhen.Am schönsten zeigen sich dieselben bei Trafoi. Bei der zweiten Station, Franzens-hvhc, steht man schon zu hoch, um das Ganze zu überblicken. Die Straße steigthier in unendlichen Zickzackwindungen aufwärts und die Gegend nimmt rmmer mehrden einförmigen Charakter der eigentlichen Hochregionen an. Es macht einen eigen-thümlichen Eindruck, in solch einsamer Höhe an der Grenze der Vegetation auf einergebahnten Heerstraße zu wandern, wenn man nach längerm Aufenthalte in den Al-pen gewohnt war, selbst in weit niedrigern Regionen auf vielfach gewundenen Pfa-den über Gestrüpp und Felsen emporzusteigen. Wenn in einer reich bebauten Land-schaft eine schöne breite Straße sich zwischen üppigen Baumgruppen dahinzieht,während rings freundliche Ortschaften die Gegend beleben und sanfte Hügel undBergketten den Hintergrund bilden, dann gehört sie gleichsam mit zum Charakterder Gegend; sie zeugt, wie die ganze Umgebung, von dem Fleiß und der Industrieder Bewohner und erfreut uns als ein Beweis der Herrschaft und des Kunstfleißesdes Menschen, sowie wir in dem geschäftigen Gewühle einer Metropole einen Aus-druck der menschlichen Regsamkeit und Betriebsamkeit sehe». In so großer Höhehingegen erscheint uns die gebahnte breite Straße als ein Eindringling in die wildeAlpennatur, welche alljährlich das Werk der Kunst zerstört und die Menschen zwingt,mit wochenlanger Arbeit wiederherzustellen, was der gewaltige Arm der Natur inwenigen Augenblicken in die Tiefe schleuderte.

Einige Stunden lang wandert man großentheils unter Dächern von starkenBalke» und Bretern aufwärts, bis eine einfache Pyramide die Grenze Tirols undder Lombardei anzeigt. Mit ihr hat man die Höhe des Passes erreicht. Die Aus-sicht ist keineswegs umfassend; desto interessanter ist der Anblick des Orteles, dessenschneebedecktes Haupt sich dem Wanderer gegenüber ungemein imposant erhebt. Manerwartet gewöhnlich auf dem Kamme eine reiche Aussicht in die üppigen Thalerdes Südens zu treffen; jedoch hier oben ist es noch ganz öde, und der sanfte Hauchitalienischer Lüfte kann nicht bis hierher gelangen. Erst nach sieben bis acht Stun-den trifft man plötzlich die ersten Kastanienbäume und mit ihnen den Charakter dersüdlichen Vegetation. Zunächst am Passe breitet sich eine weite Miildc, hier undda mit Schnee erfüllt, aus; sie endet bei Sta.-Maria in ein enges Thal, welchessich steil gegen Bormio hinabsenkt. In dieser Schlucht, welche zu bei^n Seltendie schäumenden Wasser der Adda eindämmen, sind jene großartigen Galerie» unTunnel ausgehalten, die mit Recht die Überraschung jedes Reisenden erregen. Deruntere Theil des engen Paffes gruppirt sich besonders da, wo die Schlucht rn cmweites Thalbccken mündet, zu einem sehr pittoresken Bilde. Der Eindruck eichoht

sich, wenn man, spät am Abende anlangend, plötzlich durch die zahlreichen flim-mernden Lichter des kleinen Städtchens überrascht wird, welche dem Wanderer >nder Tiefe begrüßen. Die Sitten der Bewohner und die malerische Bauart derHäuser, die schlanken verfallenen Thürme, die Vegetation, Alles ruft uns zu: H>-rist Italien! „ „

Natürlich existiren außer den größer» Alpenpässen, welche als vorzügliche ^ m-