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Achter Band.
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Die Alpen.

straßen beginnen hauptsächlich erst dann, wenn dieselben in kleinere Seitenthälereinbiegen, um die Kämme zu übersteigen. Die höchste dieser Alpenstraßen ist dieje-nige, welche über das Stilsser oder Wormser Joch am Fuße des Orteles vorbeiaus Tirol nach Italien fuhrt: sie erreicht eine Höhe von 8610 pariser Fuß. Un-ter den übrigen Passen der Alpen sind besonders zu nennen: der Semmcringpaßin den östlichen Alpen, über welchen bis jetzt der einzige Schienenweg vonDeutschland nach Italien führt; der Nadstadter Tariern, der Brennerpaß (4400 Fuß),welcher aus dem Jnnthale in das Etschthal und von hier nach Verona führt; dieNeschen - Scheideck aus dein obern Jnnthale über die Quellen der Etsch (Adige) indas Etschthal; der Bernhard!»- und Splügenpaß; der St.-Gotthard, eine derältesten Alpenstraßen aus dem Canton Uri in den Eanton Tcssin, welche sich bis6390 Fuß erhebt; und der Simplon (6174 Fuß), über welchen von Napoleon dieschöne Straße, ebenso wie über den Mont-Cenis und den Mont-Genevre, erbautwurde. Für die Verbindung vock Piemont und Frankreich ist vor allem der Mont-Cenis (6144 Fuß) von großer Wichtigkeit. Die Steigung ist auf beiden Seiten sobedeutend, daß bei der projectirten Eisenbahnverbindung eine Überschreitung desselben,selbst mit bedeutenden Umwegen, durch Anlage von schiefen Ebenen, wie es amScmmering geschah und in Tirol noch später erfolgen wird, nicht möglich ist. Es

wurde daher durch den sehr thätigen belgischen Ingenieur H. Maus, welcher die

Anlage der Eisenbahnen in Sardinien leitet, das interessante Projecc eines großarti-

gen Tunnels entworfen, welcher zwischen Bardonneche im Susathale und Modaneim Arcthale auf eine Länge von 12000 Metern (mehr als 1°/, deutsche Meilen)unter dem Hauptkamme der Alpen hindurchgehen sollte. Diese in einem sehr in-haltreichen Bericht an das Ministerium im Jahre 1850 entwickelte Idee würde

die schnellste und ungehindertste Communication zwischen dem Hafen von Genua undLyon und Genf gewähren. In den südlichen Alpen ist besonders der Col di Tendavon Wichtigkeit, welcher von Turin nach Genua führt und zugleich die Grenzscheidezwischen den Alpen und den Apenninen bildet.

Das Interesse der hohen Alpenpässe für den Reisenden besteht hauptsächlich inder schnellen Abwechselung, welche er im Laufe eines oder zweier Tage genießt. Esdürfte nicht unpassend sein, hier als Beispiel eine kurze Schilderung des höchstenfahrbaren Alpenpasses, des schon angeführten Stilfser oder Wormser Jochs einzu-schalten. Der Reiz der Mannichfaltigkeit kann nirgends schöner sein als bei der Über-schreitung dieses Kammes. Im höchsten Grade überraschend ist der Contrast zwi-schen der Nord- und Südseite desselben. Aus den obersten Theilen des Etschthalskommend, betritt man nahe bei Mals (in Tirol) ein kleines enges Seitenthal. Einreißender Bach bricht sich mühsam seine Bahn; Fichten und Lärchen sind die einzi-gen Zierden seiner Ufer, und auch sie machen gar bald schon über dem kleinen ho-hen Dorfe Trafoi dem niedern Holze der Coniferen (Linius psmilio), der Alpenbitkeund der schönen rothen Alpenrose (lUiolloäsnclron) Platz. Aber dessenungeachtet istdas Thal durchaus nicht einförmig; es ist so tief cingeschnitten, wenigstens relativ,daß die Hohenzüge zu beiden Seilen noch mächtig genug sind, einen großartigenund malerischen Eindruck zu bilden, und manche kleine Seitenthäler, besonders derEingang ins Suldnerthal, tragen ebenfalls nicht wenig dazu bei, Abwechselung undMannichfaltigkeit in die Scenerie zu bringen. Ein Thal, welches sehr langsam an-steigend, nach oben sich in weite beckenförmige Mulden endigt, kann, bei der größtenabsoluten Höhe, äußerst öde und uninteressant werden. Ein Beispiel davon sind dieFirnregioncn der meisten Gletscher der Hochalpen, in denen weite einförmige Schnee-flächen zuletzt von schwarzen Felsenkämmcn begrenzt werden, die sich nur wenig überdie Thalsohle selbst zu erheben vermögen. Das Thal jedoch, in welchem man zurHöhe des Stilfser Jochs emporsteigt, durchläuft wegen seiner großen Neigung dieverschiedenen Regionen so schnell, daß jeder.Schritt neue Scenen bringt. Zu dieserMannichfaltigkeit trägt auch der Umstand noch wesentlich bei, daß die beiden Seitendes Thals verschiedene» geognostischen Formationen angehören. Die linken Abhänge