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Die Alpen.
530,000000 Kubikfuß betrug. Die Fluten hatten dabei in den obern Theilen dieenorme Schnelligkeit von 35 Fuß in der Secunde. Auch im Ötzthale wurden ähn-liche Erscheinungen beobachtet, wo durch die bedeutende Ausdehnung des Vernagt-gletschers dergleichen Seeausbrüche sich mehre male wiederholten. Die Wassermassebetrug hier im Jahre 1847 nach den Untersuchungen von A. Schlagintweit 230,000000Kubikfuß. Die Wirkungen dieser ungeheuern Fluten in dem langen Verlaufe einesQuerthals auf die Erasion, die Zertrümmerung und den Transport der Felsen sind»»gemein bedeutend. Nach einer sehr mäßigen Berechnung findet man, daß dieMasse des von dem Wasser bei solchen Gelegenheiten von der Stelle gerückten undan andern Punkten wieder abgelagerten Gesteins, Sandes, Schlammes u. s. w. beiweitem großer ist als das Volumen der entleerten Wafsermafse selbst. Dieses schein-bar so paradoxe Resultat wird dadurch hervorgebracht, daß die Wassermasse in denverschiedenen Becken eines solchen Thals stets zurückgehalten und zu kleinen Seen ange-sammelt wird. In diesen wird nun ein großer Theil der Geschiebe abgelagert, währendin den darauf folgenden stark geneigten Thalengen die Fluten wieder eine sehr bedeu-tende Geschwindigkeit erlangen und sich aufs neue mit Schutt und Trümmern bela-den, die sie in dem nächsten Becken absetzen. Es Ivird also hier ebenso, wie bei demTransport der Geschiebe durch das Wasser im Allgemeinen, ein Geröllstück nichtalsogleich von dem Ursprünge des Sees bis an die Mündung des Flusses geschafft,sondern es geschieht im Gegentheil der Transport stets nur auf geringere Entfer-nungen: das Stück bleibt stets einige Zeit ruhen, bis es später aufs neue aufge-rüttelt wird. Es bedarf daher, besonders unter den gewöhnlichen Umständen, einesoft wiederholten Anstoßes und einer langen Zeit, bis die Gcsteinmassen allmälig vieleMeilen weit befördert werden. Sie bilden dann entweder die großen Alluvionen inden breiten Sohlen der Längenthäler, oder sie werden zur Ausfüllung der großenAlpenseen verwendet, in welchen alle Flüsse, z. B. der Rhein im Boden-, die Rhoneim Genfersee, die Adda im Comersee, so umfangreiche Schuttanlagerungen bilden.
Nicht nur durch die mechanische Einwirkung des fließenden Wassers wird dasGestein in den Alpen benagt und zertrümmert, sondern auch zahlreiche chemische Zer-setzungen tragen zur Zerstörung der Oberfläche bei. Das Wasser, welches in einzelnefeine Felsenspalten eindringt und dort in den kalten Nächten oder im Winter gefriert,erweitert diese Risse und zertrümmert endlich gänzlich die Felsen, da, wie bekannt, dasWasser beim Gefrieren sich ausdehnt und dadurch nothwendig mit großer Gewaltdie Felsenspalten, in welchen es eingeschlossen ist, nach allen Seiten auseinandertreibt.
Es ist dies ganz dieselbe Erscheinung, die man im Kleinen bemerkt, sobald in einemGlase oder einem andern Gefäße Wasser gefriert, indem auch hier durch die Aus-dehnung des Wassers das Gefäß zerrissen wird.
Durch die zahlreichen chemischen Zersetzungen an der Oberfläche und durch denVegetationsproceß wird die Bildung der Erdkrume oder der Ackererde hervorgebracht.
Es ist ei» großer Unterschied, ob die Erde, wie z. B. in den-Ebenen oder in denMarschländern, aus großer Entfernung herbeigeführt und in Form eines schlammigenAbsatzes aus den Gewässern gebildet wird, oder ob sie noch unmittelbar da liegt,wo sie in Folge der Verwitterung entstanden ist. Der letztere Fall ist in den Alpenbei weitem der häufigste. Die Erde bildet daher zwar keine sehr dicken und gleich- ^
mäßigen Lagen, sie hat aber zugleich den Vortheil, nicht so leicht durch den Vege- >tationsproceß ausgesogen zu werden, da sich stets noch eine große Anzahl nicht völligzersetzter Theilchen in derselben befinden, die nach und nach aufgeschlossen und derVegetation zugänglich gemacht werden. Die Erdkrume kann ein sehr interessanterGegenstand geologischer Betrachtungen werden, wie besonders Elie de Beaumont inseinen „l^ons cis ZsoloZis prati^uo" (1. Bd., Paris 1845) gezeigt hat. Dieserscharfsinnige Gelehrte hob hervor, wie wenig veränderlich die Erdkrume auf der Erd-oberfläche sei, vorzüglich wenn sie von Vegetationen bedeckt ist. In dem letztemFalle bleibt sie oft während mehrcr Jahrhunderte ruhig liegen, und es haben sichsonach z. B. auf eine überraschende Weise alte römische Ackerfurchen oder die Grab»