Die Alpen. 151
mal mit dem kühlen klaren Wasser, welches man dann oft fast den ganzen Tag ent-kehren muß.
Die Wärme der Quellen differirt nach den Klimaten; in der heißen Zone er-reicht sie selbst 20 — 24°, während man im hohen Norden, ebenso wie in bedeuten-den Höhen eines Gebirgs, Quellen von 3--1 ° findet. Der Akademiker Kupffer inPetersburg, bekannt durch seine zahlreichen Arbeiten über Meteorologie und Erd-magnetismus, war der Erste, welcher die Temperatur der Quellen auf einem großenTheile der Erdoberfläche zusammenstellte und isotherme Linien für die Temperaturdes Bodens zog, ähnlich wie man es schon früher für die Luftwärme gethan hatte.Es ist nämlich die Quellentemperatur nicht stets der mittlern Lufttemperatur gleich,wie man es anfangs aus einigen Beobachtungen in Deutschland, Frankreich undEngland erwartet hatte. Zm Gegentheile zeigte sich, daß dies nur in den Ebenenund in der gemäßigten Zone der Fall, wahrend hingegen in der heißen Zone nachden Beobachtungen von Humboldt die Quellentcmperatur niederer ist als die jähr-liche Lufttemperatur. Umgekehrt aber ist im Norden und in allen Gebirgen dieQuellentemperatur stets bedeutend höher als die mittlere Luftwärme. In Norwegenwie in bedeutenden Höhen der Alpen läßt sich diese Erscheinung auf das deutlichstebeobachten. Die Erklärung dieser Differenz ist auf verschiedene Weise versucht wor-den. Wahlenberg glaubte die Ursache der Erscheinung mit Recht in der Schnee-decke suchen zu müssen; dieselbe bedeckt z. B. in Lappland während 7'/- Monatendes Jahres den Boden und verhindert das Eindringen der Kälte. Im Sommerdagegen ist der Boden frei und kann daher nicht nur ganz ungehindert erwärmtwerden, sondern es dringt auch dann fast allein das Wasser in ihn ein, welches dieQuelle» speist, wahrend im Winter nichts eindringt, was die niedrige Temperaturder Luft dem Innern der Erde mittheilen könnte. Diese Ansicht wird auch nochdadurch bestätigt, daß mit abnehmenden Breiten, wo der Schnee immer kürzere Zeitliegen bleibt, auch in der That dieser Überschuß in der Bodenwärme immer geringer wird,und daß er hingegen in den Alpen, wo ebenfalls der Boden lange Zeit mit Schnee undEis bedeckt bleibt, sogleich wieder in ähnlichen Verhältnissen wie in Lappland eintritt.
L. von Buch hat nun auch erklärt, warum in der heißen Avne die Quellen-temperatur unter der Lufttemperatur bleibt. Vom südlichen Europa bis zu denWendekreisen gibt es nämlich nur eine einzige Regenzeit, welche höchstens vom No-vember bis zum April währt, vom Mai hingegen regnet es nicht mehr. Die Som-merwärme kann sich also in diesen Ländern ebenso wenig den; Innern der Erde durchdas Wasser mittheilen, als es nach Wahlenberg die Winterkälte in kalten und schnee-bedeckten Erdstrichen vermag; nur die niedere Temperatur der Regenzeit wird jetztdem Innern zugeführt, und deshalb fällt also die Temperatur der Quellen in solchenLändern geringer aus als die Mitteltcmperatur der Atmosphäre, auf deren Erhöhungdie große Wärme der trockenen Jahreszeit einen so bedeutenden Einfluß ausübt. BeiBestimmung der Quellentemperatur muß man natürlich mit großer Vorsicht zuWerke gehen, indem sehr häufig gerade bei dem Hervortreten aus dem innern derErde sich das Qucllwasser durch die Berührung mit der besonnten Bodenoberflacheauffallend erwärmen kann. Man taucht daher das Thermometer nach der Vorschriftvon Wahlenberg und Kämtz völlig in das Quellwaffcr ein und bringt es soweit alsmöglich in das Innere der Quellen hinein, auch ist es nöthig, die Beobachtung zuverschiedenen Tageszeiten und wo möglich auch zu verschiedenen Jahreszeiten zu wie-derholen. Es lassen nämlich fast alle Quellen kleine Temperaturvariationen nach denJahreszeiten erkennen, abhängig von den höchsten oder niedersten Ständen der Luft-temperatur während der Jahresperiode. Auffallend ist, daß das Maxim um derQuellentemperatur nicht mit jenem der Lufttemperatur im Juli zusammenfallt, son-dern im Gegentheil erst im September oder October stattfindet. Es zeigt dies, w»elangsam die atmosphärische Wärme in den Boden eindringt, und wie lange Zeit ver-geht, bis allmälig ihre schwachen Nachwirkungen in Tiefen von 60 und 70 Fußmerkbar werden.