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Die Alpen.
Bei dem allgemeinen Zusammenhange der Lust- und Bodentcmperarur mußman natürlich erwarten, daß die letztere, ebenso wie wir es für die Luftwärme sahen,sich vermindert, je mehr man in einem hohen Gebirge, wie die Alpen, in die Höhesieigt. Jedoch ist die Verminderung der Quellenwärme weit weniger bedeutend alsjene der Luft, denn während wir für die letztere früher eine Höhendifferenz von 540pariser Fuß für eine Temperaturabnahme von 1 ° 6. angaben, muß man sich900 — 960 Fuß erheben, um eine Verminderung der Quellenwärme von 1" 6. zuerhalten. Um einen Vergleich mit den früher angegebenen mittlern Lufttemperaturenzu gewähren, will ich als Mittel der jetzt bekannten Beobachtungen auch einige An-gaben über die Vertheilung der Quellenwärme in den verschiedenen Höhen deS Alpen-gebirgs machen. Eine Quellenwärme von 13 ° kommt nur in den wärmsten Theilendes Südrandes der Alpen, in Turin, Mailand u. s. w. vor; hier gedeihen Oliven,Feigen und überhaupt alle Früchte Italiens. 9,5—9° ist die Qucllenwärme an demNordrande der Alpen in der Schweiz, Oberbaiern und Östreich. 5 ° findet sich bei4200 -5800, 3° bei 6300-7600 Fuß. Quellen von 2 und 1° sind stets sehrselten; man trifft sie zwischen 7400 — 8800 Fuß.
Ich erwähnte schon früher den Zusammenhang zwischen dem Gedeihen der großenBäume und zwischen der Temperatur der Quellen, ein Zusammenhang, welcher zuerstdurch L. von Buch und Wahlenberg begründet und hervorgehoben wurde. In denAlpen läßt sich derselbe sehr gut bemerken, indem z. B. das Gedeihen der Rebe undKastanie stets mit einer Quellcntemperatur von 10,s— 11° erreicht wird, das derWalnuß bei 7,5, während die großen Nadelholzbäume, die Tanne, Lärche u. si w.,in den verschiedensten Theilen der Alpen stets nahezu bei einer Quellentemperaturvon 3,5° 6. ihre Grenze finden. Die äußersten kleinen phanerogamischen Pflanzengedeihen hingegen noch in Höhen, in welchen die Temperatur der tiefern Boden-schichten entschieden bereits unter Null steht, sodaß dieselben das ganze Jahr hindurchgefroren bleiben, während sich aus den besonnten obersten Bodenschichten im Som-mer eine fröhliche Vegetation entwickelt.
Ich muß hier noch einer Eigenthümlichkeit der Temperaturvertheilung in ver-schiedenen Alpengruppen erwähnen. Man trifft, sobald man sich von den nördlichenTheilen nach den südlichen fortbewegt, im Allgemeinen wärmere Luft- und Boden-temperatur an, und man könnte also erwarten, daß man, wenn alle Punkte gleicherTemperatur durch Linien verbunden würden, gerade Linien erhielte, welche allmäligin den südlichen Theilen zu größer» Höhen ansteigen. Jedoch ist die Temperatur-vertheilung durchaus nicht so ganz einfach. Man hat im Gegentheil gefunden, daßin denjenigen Alpengritppen, in welchen die größte und zusammenhängendste Gebirgs-masse zu großen Bergen und hohen Thälern aufgerichtet ist, bei gleicher Höhe sichwärmere Luft- und Bodentemperaturen finden als in niedern Eebirgszügen oder auffreien Abhängen in gleicher Höhe: es werden also die Jsothermcnlinien in die Höherücken in den centralen mächtigen Alpengruppen, und sich tiefer Herabsenken in denbeiden Seitenarmen des Gebirgs. Die Erklärung dieser Erscheinungen, welche auchdurch die Vertheilung der Vegetation bestätigt wird, läßt sich sehr einfach geben. Zneiner hohen Gebirgsgruppe befindet sich noch eine große Masse von Felsen und vonBodenoberflächen, während in einem kleinen Seitenarme des Gebirgs in gleicherHöhe vielleicht blos noch einige wenige isolirte Berggipfel vorhanden sind. Die großeOberfläche der erstem Gruppe kann sich unter dem Einflüsse der Besinnung sehrbedeutend erwärmen, und sie wird ihre Wärme auch der umgebenden Atmosphäremittheilen, während die wenige Wärme, welche sich auf den isolirten Fclsengipfelndes andern Gebirgszugs entwickelt, rasch von den Winden hinweggeführt wird undnur sehr unbedeutend zur Erwärmung der umgebenden Luftmaffen beitragen kann.Zudem ist die nächtliche Ausstrahlung der Wärme auf isolirten Gipfeln stets weitbedeutender als in den. Innern einer zusammenhängenden Gebirgsmaffc. Für dieTemperatur der Quellen bleibt überdies noch zu berücksichtigen, daß, ganz entsprechendden Gesehen der Temperaturvertheilung in einem soliden Körper von wechselnder äu-